• Szenischer Abend im Heimathafen Neukölln: Diese Frau schreibt gegen die schlechte Laune an

Szenischer Abend im Heimathafen Neukölln : Diese Frau schreibt gegen die schlechte Laune an

"Humor macht Mut": Ronja von Wurmb-Seibel will mit einer Reihe an Kurzgeschichten die Corona-Krise vergessen machen.

Macht Hoffnung. Ronja von Wurmb-Seibel, hier beim Reporter-Slam 2017, schreibt gegen die Verzweiflung.
Macht Hoffnung. Ronja von Wurmb-Seibel, hier beim Reporter-Slam 2017, schreibt gegen die Verzweiflung.Foto: Andi Weiland/promo

Die Corona-Pandemie hat den Menschen ihren gewohnten Rhythmus geraubt und viel Frust verursacht. Dem zum Trotze will die Autorin Ronja von Wurmb-Seibel mit anderen Künstlerinnen und Künstlern gute Stimmung machen. „Aus Scheiße Gold“ lautet der Titel einer Bühnenshow, die am Donnerstag im Neuköllner Heimathafen zu sehen ist. Die 34-Jährige wird dabei ihre Kurzgeschichten präsentieren.

Frau Wurmb-Seibel, was hat in Ihnen das Bedürfnis ausgelöst, einmal einen positiven Blick auf die aktuelle Phase zu werfen?
Nach dem Beginn des sogenannten Lockdowns habe ich in meinem Umfeld eine regelrechte Krisenstimmung ausmachen können. Viele Menschen hatten einfach richtig Angst und sind auch jetzt noch überfordert mit der neuen Situation. Da dachte ich mir, dass ich eigentlich für Abhilfe sorgen kann. In meiner Zeit in Kabul habe ich ein paar Tricks kennengelernt, die bei solchen Verhältnissen helfen.

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Zwei Jahre lang haben Sie in der afghanischen Hauptstadt verbracht und aus dem Krisengebiet berichtet.
Ich habe dort einiges gelernt. Ich weiß jetzt, was es bedeutet, wenn man einer unvorhersehbaren Zukunft gegenübersteht. Außerdem ist mir klar geworden, wie wichtig Menschen und Dinge sind, die in schwierigen Situationen Zuversicht verbreiten.

Für Hoffnung zu sorgen ist nicht immer einfach. Wie sind Sie das angegangen?
Im Prinzip habe ich beschrieben, was mir durch den Kopf geht. Es geht um Situationen und Gespräche aus meinem täglichen Leben, aber auch um Momente aus meiner Vergangenheit. Jede Woche habe ich eine neue Kurzgeschichte geschrieben. Zuerst wollte ich nur die Menschen in meinem Umkreis mit meinen Texten aufheitern. Deswegen habe ich sie regelmäßig über einen Mailverteiler an Freunde und Bekannte verschickt. Dafür habe ich viel positives Feedback bekommen. Die ganze Unterstützung hat letztlich zu einem Bühnenkonzept geführt.

Was für eine Aufführung erwartet die Zuschauer denn?
Das Ganze ist sehr spontan entstanden. Zuerst wusste ich noch gar nicht, wo es hingehen sollte. Ich habe dann eine Freundin gefragt, ob sie Lust hätte, meine Texte zu illustrieren. Sie hat sofort „Ja“ gesagt. Nach und nach sind immer mehr Künstler dazugekommen und alles hat einfach super zusammengepasst. Es gibt zum Beispiel Improvisationsballett und es werden Fotos gezeigt, die in der Corona-Zeit entstanden sind. Ich finde es sehr schön, dass jetzt alles so collagenmäßig zusammenkommt. Genauso sind ja auch die Texte entstanden.

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Beim „Reporter Slam“, der regelmäßig im Heimathafen Neukölln stattfindet, haben Sie unter Beweis gestellt, dass Sie Menschen zum Lachen bringen können. Gibt es auch dieses Mal etwas zu schmunzeln?
Das hoffe ich zumindest. Ich habe mir vorgenommen, Mut und Zuversicht zu geben und ich denke, das funktioniert gut über Humor. Das ist jetzt zwar keine Comedy, aber tragisch und traurig kann man es nun wirklich auch nicht nennen.

Wird es das erste Mal seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sein, dass Sie wieder vor Publikum stehen?
Ja, das ist meine erste „analoge“ Lesung seit Beginn der Krise – und ich freue mich total darauf. Mir war gar nicht so klar, wie gern ich diesen Teil meines Jobs eigentlich habe. Ich vermisse den Austausch mit den Leuten auf meinen Lesungen. Normalerweise, wenn auch nicht dieses Mal, gibt es nach den Veranstaltungen immer einen offenen Frageteil, bei dem meist ein intensives Gespräch entsteht. Ich freue mich auch deshalb auf Donnerstag, weil das etwas ganz Besonderes wird. Wir werden hier als zehn verschiedene Leute zusammen auf der Bühne stehen und den Abend gestalten. Das ist in der Form einmalig. Ob es danach noch ähnliche Abende geben wird, wird sich zeigen.

„Aus Scheiße Gold“, 10. 9., Heimathafen Neukölln. Beginn: 20 Uhr, Einlass ab 19.15 Uhr. Fürs Hygienekonzept ist gesorgt. Eine Online-Reservierung wird empfohlen Tickets unter: heimathafen-neukoelln.de

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