Eine Schönheitskur würde dem Haus gut tun

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Tadshikische Teestube : Auf ein letztes Glas

Aus welchem Grund versinkt die Märchenwelt Tadschikistans, die im Kastanienwäldchen in vielen großen Bildern an der grünen Wand lebendig ist, während aus den Lautsprechern Sirtakirhythmen perlen oder deutsche Geigen schluchzen? Igor meint, das Palais stehe unter Denkmalschutz und müsse dringend renoviert werden, auch das Lokal und die kleine Küche. Deshalb sei der Mietvertrag mit der Berliner Immobilienmanagement-Gesellschaft (BIM) nicht verlängert worden. Igor macht keinen traurigen Eindruck, sondern möchte irgendwo ein ähnliches Etablissement eröffnen. Auch der frühere Betreiber, Aris Papageorgiu, ein Bruder der jetzigen Pächterin Charikleia Cinari, sagt: „Wir sind auf der Suche nach einem geeigneten Platz, wohin die Teestube umziehen könnte.“

Die BIM hält dagegen: „Es gab eine Option auf eine weitere Vertragslaufzeit, die wurde nicht gezogen, sondern gekündigt. Später hat man sich das anders überlegt, aber da waren die Weichen bei uns schon neu gestellt“, sagt Geschäftsführer Sven Lemiss. Er möchte „alles am Leben halten“, den Marmorsaal, die RBB-Sendung „Im Palais“ und das eifrige Theater im Palais, das mit einem Mietvertrag zumindest bis Ende 2014 spielt. Nur: Einiges muss repariert werden, da ist man sich einig. Das Haus hat Friedrich II. anno 1754 für den Kammerdiener seiner Frau bauen lassen – als einziges Gebäude in der näheren Umgebung überstand es den Zweiten Weltkrieg.

Kann man Tadschikistans Sandelholzsäulen einfach aus- und später wieder einbauen, wie es Aris Papageorgiu möchte? Die BIM sagt nein, hier stehe alles unter Denkmalschutz, die Einrichtung werde gesichert, man suche einen neuen Betreiber, und schließlich sei ungeklärt, was der Eigentümer, das Land Berlin, mit dem Gebäude beabsichtigt – eine Schönheitskur würde dem Haus mit seiner großen Geschichte gut tun.

Aber eins steht fest: Am 30. April ist Schluss. Nina M. Korn und Katja Popow erzählen an diesem Abend wie jeden Montag Märchen, diesmal „Hexenmärchen zur Walpurgisnacht“. Für Nina Korn ist es ein trauriger Abschied. Über 30 Jahre entführt die Hörspieldramaturgin ihre Zuhörer in die Welt der Märchen, aber diesmal haben sie sich ganz lustige Geschichten ausgesucht: „Sonst müssen wir alle heulen.“

Am Festungsgraben 1, Mo bis Fr, 17 – 24 Uhr, Sa/So 15 bis 24 Uhr. Tel. 204 1112.

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