Tag der Sehbehinderung : Berlinische Galerie macht "Bilder fühlbar"

Normalerweise dürfen Exponate in Museen nicht berührt werden. Doch am Tag der Sehbehinderten ermöglicht die Berlinische Galerie eine Ausnahme.

Erik Milas
Innenansicht der Berlinischen Galerie.
Innenansicht der Berlinischen Galerie.Foto: imago/Rolf Kremming

Zögernd berührt der Mann die kleine Bronzestatue des Bildhauers Friedrich Drake. Seine Finger tasten sich über Arme, Beine und Körper der „Schmetterlingsfängerin“. Eigentlich heißt es ja „berühren verboten“ in Museen, aber das ist für nicht wenige Menschen ein Problem: Weil sie schlecht sehen oder gar blind sind, ist ihnen der Zugang zu Kunst verwehrt.

Der Allgemeine Blinden- und Sehbehindertenverein (ABSV) will das ändern und veranstaltete anlässlich des gestrigen Tags der Sehbehinderten bundesweite Workshops. Anfassen war erlaubt – ausnahmsweise für diese Aktion.

In der Berlinischen Galerie konnten die Besucher nicht nur Originale wie die „Schmetterlingsfängerin“ berühren, sondern auch andere originale Bronze- und Holzskulpturen. Zur Dauerausstellung gehören allerdings auch Tastmodelle von Gemälden. „Das ist einmalig in Berlin“, sagt Katrin Kaptain, Referentin für Bildung der Galerie.

"Wollen Bilder fühlbar machen"

Doch das ist längst nicht alles: „Mit einem Orientierungs- und Leitsystem auf dem Boden und einem gut bedienbaren Audioguide möchten wir vielen Menschen einen Zugang zum Museum und zur Kunst ermöglichen“, ergänzt Andreas Krüger, Trainee für Marketing und Kommunikation, der selbst sehbehindert ist.

Sieben solcher Modelle laden dazu ein, die ausgestellten Kunstwerke nicht nur optisch wahrzunehmen. „Wir wollen Bilder fühlbar machen, und haben dafür besonders auf den Materialeinsatz geachtet“, sagt Katrin Kaptain. Die Farbe Rot wird beispielsweise mit einer geriffelten Oberfläche dargestellt.

Das Konzept wurde zusammen mit Sehbehinderten entwickelt, um die Bildaussage bestmöglich in dem Tastmodell wiederzugeben. Aber auch für sehende Besucher sind die Modelle ein Erlebnis. Beim bewussten Spüren würden sie sich automatisch mehr Zeit für die Kunst nehmen und zusätzliche Details wahrnehmen, sagt Andreas Krüger.

Der Tag, bei dem Tasten erlaubt ist, soll keine Ausnahme bleiben. Dennoch weist Restauratorin Sabine Fernandez-Weiß darauf hin: Anfassen bleibt ansonsten verboten: „Wenn jeder alles berührt, wird Kunst zerstört. “

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