Berlin : Tempelhof-Investoren willkommen – nur fliegen dürfen sie nicht

Berliner SPD will internationalen Ideenwettbewerb für die Nachnutzung des Flughafens. Die Pläne für ein „Wiesenmeer“ gibt sie auf

-

Ein internationaler Ideenwettbewerb soll klären, wie das Flughafengelände in Tempelhof nach der Schließung des City-Airports im Oktober 2008 genutzt werden kann. Spätestens dann, wenn der Flugbetrieb eingestellt werde, müsse ein Gesamtkonzept vorliegen, forderte gestern der Berliner SPD-Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler.

Es werde sicher zehn Jahre dauern, bis das riesige Areal neu gestaltet sei, sagte der SPD-Politiker. Das könne nur schrittweise geschehen, ähnlich wie in den städtebaulichen Entwicklungsgebieten. Es sei ein Versäumnis, dass die Koalition erst jetzt die Nutzungsdebatte eröffne, gab Gaebler zu. Der Ideenwettbewerb solle ein Rahmenkonzept liefern, ähnlich wie Anfang der neunziger Jahre im Berliner Regierungsviertel. Private Investoren seien herzlich eingeladen, sich zu beteiligen. Doch sie müssten akzeptieren, dass es keinen Flugbetrieb mehr gebe.

Auch die Pläne des US-Investors Langhammer blieben ohne Flughafen „grundsätzlich interessant“, sagte der SPD- Mann. Allerdings sei die Forderung nach hohen staatlichen Zuschüssen – von 90 Millionen Euro ist die Rede – indiskutabel. Um die Planungen voranzutreiben, schlug Gaebler vor, eine Steuerungsgruppe einzurichten, in der das Land Berlin, der Bund und die Bezirke vertreten sein sollten. In jedem Fall werde die Koalition Abschied von der unbestimmten Idee des „Wiesenmeers“ nehmen. Hochwertiges Wohnen am Neuköllner Rand des Tempelhofer Felds, gewerbliche Nutzungen, auch ein Campingplatz für internationale Jugendtreffs seien möglich. Nur müsse ein Großteil der Innenfläche aus stadtklimatischen Gründen frei bleiben.

An eine Nutzung des Flughafengebäudes durch Bundesministerien glaubt Gaebler nicht. Ein „reiner Beamtenbunker“ wäre auch nicht gut. Tempelhof solle ein städtischer „Kristallisationspunkt“ werden, mit wirtschaftlichen Aktivitäten, „und wo abends was los ist“. Ob und wie sich der Bund und Berlin nach der Flughafenschließung die laufenden Kosten für das vorerst ungenutzte Areal teilen, konnte Gaebler nicht sagen.

Die Berliner CDU-Abgeordneten brachten gestern einen Gruppenantrag im Bundestag ein, der von 55 Parlamentariern unterstützt wird. Der Bund solle prüfen, ob der Flugbetrieb in Tempelhof weitergeführt werden kann, nach der Eröffnung des Großflughafens Schönefeld eventuell in eingeschränkter Form. za

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben