Tempelhof-Schöneberg : Neue Wege im Kampf gegen die Personalnot im Jugendamt

Der Bezirk hatte die größten Probleme. Jetzt wurde ein duales Studium entwickelt, um Nachwuchskräfte auszubilden.

Berliner Jugendämter sind chronisch unterbesetzt. Die Einführung eines Dualen Studiums soll Abhilfe leisten.
Berliner Jugendämter sind chronisch unterbesetzt. Die Einführung eines Dualen Studiums soll Abhilfe leisten.Foto: Max Nikelski/dpa

In fast allen Berliner Jugendämtern fehlt Personal; Tempelhof-Schöneberg ist der Bezirk, der in den vergangenen Monaten die größten Probleme bei der Jugendsozialarbeit hatte. Im Oktober waren dort 28,8 Prozent der Stellen im Regionalen Sozialdienst nicht besetzt. Derzeit sind es noch 24 der 90 Stellen (26,7 Prozent). „Aber für alle Stellen haben wir jetzt Bewerber“, sagte Jugendamtsleiter Rainer Schwarz am Montag. Bei der letzten Ausschreibungs- und Bewerbungsrunde im November hätten sich zum ersten Mal seit Langem mehr Bewerber gemeldet, als Stellen ausgeschrieben waren.

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) äußerte die Hoffnung, dass bis Ostern alle neuen Mitarbeiter in den drei Standorten des Sozialdienstes (Nord, Mitte, Süd) angefangen haben. Dennoch sollen auch im Februar wieder neue Stellen ausgeschrieben werden, da wegen der Altersstruktur weitere Mitarbeiter in den Ruhestand gehen und ihre Posten frei werden.

Duales Studium möglich in vier Bezirken

Aufgrund der bisherigen Schwierigkeiten durch die Konkurrenz von Behörden des Landes und des Bundes, neue Sozialpädagogen zu finden, überlegte sich Tempelhof-Schöneberg im vergangenen Jahr, einen anderen Weg bei der Ausbildung zu gehen. Der Bezirk wollte ein duales Studium etablieren, das die Ausbildung und Arbeit im Sozialdienst mit dem Studium der Sozialpädagogik an der privaten Hochschule für angewandte Pädagogik verbindet. Die staatlichen Hochschulen hätten sich nicht in der Lage gesehen, in kurzer Zeit einen dualen Studiengang zu konzipieren, sagte Jugendamtsleiter Schwarz. Drei weitere Bezirke – Treptow-Köpenick, Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg – schlossen sich an. Marzahn-Hellersdorf beteiligt sich ebenfalls, geht aber anders vor. Dort erhielt ein Mitarbeiter eine halbe Stelle, um begleitend studieren zu können.

Mitte Oktober startete der Studiengang „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendhilfe“ an der Hochschule mit acht Studierenden, zwei davon aus dem Bezirksamt Tempelhof Schöneberg. Zu den Inhalten gehörten zunächst die Grundlagen der sozialen Arbeit, sagte Professorin Erika Alleweldt. Ab dem Sommersemester kommen Schwerpunktmodule für die Arbeit im Jugendamt dazu. Das Studium ist auf sieben Semester ausgelegt und endet mit dem Bachelor-Abschluss. Die Studierenden erhalten im ersten Jahr ein Ausbildungsentgelt in Höhe von 965 Euro. Sie müssen sich verpflichten, mindestens drei Jahre im jeweiligen Bezirk weiterzuarbeiten. Vom Wintersemester an sollen 25 Studierende anfangen; weitere Bezirke wollen sich beteiligen.

Die Personallücke hatte in Tempelhof-Schöneberg zu Einschränkungen geführt. Unter anderem waren die jeweiligen Standorte des Sozialdienstes für einige Monate jeweils im dreiwöchigen Rhythmus für die Öffentlichkeit geschlossen. Diese Maßnahme soll Ende Januar aufgehoben werden.

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