Tempelhofer Feld : „Tempelhof sollte wieder Flughafen sein“

Ulrich Kirschbaum war 2008 für die Offenhaltung des Flughafens. Er plädiert dafür, das Feld für Regierungsflüge zu betreiben.

Bei Minusgraden machen die Menschen einen Spaziergang auf dem Tempelhofer Feld.
Bei Minusgraden machen die Menschen einen Spaziergang auf dem Tempelhofer Feld.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Herr Kirschbaum, 2008 warnten sie im Tagesspiegel, der Flughafen Tempelhof werde nach seiner Schließung eine „hohe kosten verursachende Brache“. Sehen Sie Ihre Befürchtungen bestätigt?

Der Zustand des Areals ist ein Jammer. Wir können das tolle Gebäude nicht richtig nutzen, weil es nur als Flughafen funktioniert. Zum Tag der Luftbrücke bin ich jedes Jahr vor Ort, da ist immer alles sauber und geheizt. Ich kenne die Höhe der Kosten nicht, aber wir pflegen eine Ruine.

Wollen Sie den Abriss?

Natürlich nicht! Mein Wunsch wäre es, Tempelhof wieder als Regierungsflughafen zu betreiben. Die Landebahn ist mit 2,2 Kilometer lang genug für naheuropäische Linienflüge und das Gebäude ist, anders als Tegel, mit S- und U-Bahn gut angebunden. Alternativ könnte man auch die Hangars für  Flugzeugreparaturen nutzen und vom Vorfeld Helikopter starten lassen.

Meinen Sie das ernst?

Das ist eine Illusion, ich bin nicht naiv. Den Aufschrei, wenn es so kommen würde, kann ich schon hören. Wichtig ist, dass endlich eine Entscheidung getroffen wird.

Warum ist Ihnen der Flughafen so wichtig?

Es sind sehr viele Emotionen. Ich bin in Tempelhof groß geworden, nur einen Steinwurf vom Flughafen entfernt. Als Kinde habe ich die Luftbrücke miterlebt, später ging mein erster Flug von Frankfurt nach Tempelhof. Da war ich stolz auf meinen Flughafen.

Von Tempelhof wurden am Ende jährlich nur noch 300.000 Fluggäste befördert. 2017 waren dagegen drei Millionen Besucher auf dem Tempelhofer Feld. Wollen Sie diese Naherholungsfläche den Berlinern wegnehmen?

Ich war selbst mal zum Grillen auf dem Feld. Das hat mir schon gefallen, aber es ist auch ein Luxus, den wir uns nicht mehr leisten können. Berlin ist nicht mehr so kuschlig wie früher. Wenn schon kein Flughafen, dann bin ich wenigstens für eine luftige Randbebauung.

Was halten Sie davon, dass auch Tegel geschlossen wird?

Sollte der BER eines Tages eröffnen ist er doch schon heute zu klein. Als die Entscheidungen gegen Tempelhof und Tegel getroffen wurden, konnte sich niemand vorstellen, welche rasante Entwicklung Berlin nehmen würde. Ich finde, Tegel sollte auf jeden Fall als Ersatzflughafen offengehalten werden. Der geplante Wissenschaftspark könnte dann auf dem Tempelhofer Feld entstehen. Egal, was passiert, die Politik muss endlich eine Entscheidung treffen.

Ulrich Kirschbaum war Vizevorsitzender der „Interessengemeinschaft City-Airport Tempelhof“. Heute wohnt der 76-jährige Rentner in Biesdorf.

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