Berlin : Teure Graffiti

BVG und S-Bahn zahlten im vergangenen Jahr fast 15 Millionen Euro für die Schadensbeseitigung

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Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und die S-Bahn mussten 2006 fast 15 Millionen Euro ausgeben, um Graffiti-Schmierereien an Fahrzeugen, Bahnanlagen und Gebäuden zu beseitigen. Bei der BVG sind die Kosten seit dem Jahr 2000 noch beträchtlich gestiegen: Um über ein Drittel auf 8,625 Millionen Euro. Bei der S-Bahn stagnieren diese Ausgaben zwar, aber auf hohem Niveau, und das Unternehmen könnte auf zwei Prozentpunkte einer Tariferhöhung verzichten, wenn es Schmierereien und Vandalismus nicht gäbe.

Das geht aus der Antwort des Innensenators Ehrhart Körting auf eine Anfrage des Abgeordneten Daniel Buchholz (SPD) hervor. Allein bei der BVG wurden im vergangenen Jahr 72 068 „Vorkommnisse“ gezählt. Außerhalb des öffentlichen Personennahverkehrs, also im normalen Stadtbild, ist die Datenlage spärlicher, denn die Polizei führt erst seit April 2005 eine Statistik über Graffiti-Straftaten. Bis Jahresende 2005 wurden bereits 11 140 Sachbeschädigungen registriert, aber nur 1598 Taten wurden aufgeklärt. Die Zahlen für 2006 rückt die Innenbehörde noch nicht heraus.

Der SPD-Stadtentwicklungsexperte Buchholz kritisierte gestern, dass die Berliner Polizei erst seit zwei Jahren über das Graffiti-Unwesen Buch führt. „Mich ärgert auch, dass die Staats- und Amtsanwaltschaft in Berlin nichts über den Ausgang von Strafverfahren sagen können.“ Dabei nimmt die Zahl der Verfahren seit 2003 jedes Jahr sprunghaft zu. 2003 waren es 2039, 2004 schon 3089, ein Jahr später 4004 und von Januar bis September 2006 schon 3919 Verfahren. Wie die Gerichte mit den Graffiti-Tätern anschließend umgehen, darüber kann die Innenverwaltung momentan „keine weitergehenden Angaben machen“.

Obwohl die Leute aus der Graffiti-Szene „zunehmend gewalttätig gegen Polizeibeamte und sonstige Dritte“ vorgehen, wie die Innenbehörde weiß. Auch würden aussagebereite Zeugen, besonders Aussteiger aus der Szene, häufig bedroht. Und 2006 sei in Berlin erstmals gesundheitsschädliche Flusssäure in neuen Graffiti gefunden worden. za

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