„The Equalizer 2“ : Denzel Washington stellt neuen Film in Berlin vor

Es ist für beide das erste Sequel: Hauptdarsteller Denzel Washington und Regisseur Antoine Fuquar sprechen im Adlon über ihren neuen Actionfilm „The Equalizer 2“.

Denzel Washington auf Berlinbesuch
Denzel Washington auf BerlinbesuchFoto: Lisa Ducret/dpa

Alles fließt, und deshalb kann man nicht zweimal in denselben Fluss steigen. Seit den alten Griechen haben sich weise Männer darüber Gedanken gemacht, Heraklit, Platon, Ovid, später sogar Goethe. Sie wussten eben noch nichts von den Sequels des modernen Kinos, konnten nichts ahnen vom Erfolgsrezept der Serie, dem so viele moderne Leinwandhelden samt ihren Darstellern gefolgt sind, von 007 über Ethan Hunt bis zu Jason Bourne und nun eben auch Robert McCall, Freunden des Actionkinos besser bekannt als „The Equalizer“.

Vier Jahre ist es her, dass Denzel Washington erstmals als dieser Problemlöser, Verkörperung der ausgleichenden Gerechtigkeit, auftrat, ein ehemaliger CIA-Agent in seiner neuen Rolle als Angestellter eines Baumarkts, doch mit den alten Fähigkeiten. In „The Equalizer 2“ ist er zumindest in der Motorisierung aufgestiegen, fährt nun als Angestellter eines Limo-Fahrdienstes einen dicken Ami-Schlitten, hat aber wieder mit Problemen zu kämpfen, gegen die alle Herausforderungen des Straßenverkehrs ein Klacks sind. Aber egal ob Baumarkt oder Nobel-Taxi: Er bleibt doch Robert McCall, ist also – und Denzel Washington mit ihm – in denselben Fluss gesprungen, oder?

Übrigens das erste Mal, nie zuvor hat Washington dieselbe Rolle zweimal verkörpert, und auch Regisseur Antoine Fuqua hatte noch nie das Filmteam eines Sequels dirigiert. Aber bloße Wiederholung? Denzel Washington sieht das anders, hatte schon im Vorfeld seines gemeinsam mit Fuqua absolvierten Berlin-Besuchs die Unterschiede der beiden Filme betont.

Nur einer der beiden Freunde wird den Film überleben

In „The Equalizer 2“ liege der Schwerpunkt auf McCalls Freundschaft zu der angeblich pensionierten, aber noch sehr aktiven CIA-Frau Susan und dem Tunichtgut Miles, den McCall weg von der Straße und den Drogengangs, zurück auf die Kunstschule zu lenken versucht. Nur einer der beiden wird den Film überleben, mehr sei nicht verraten.

Und ohnehin: „Ein gutes Skript ist der einzige Grund für mich, einen Film zu machen“, versicherte Washington dann am späten Mittwochnachmittag vor kleiner Journalistenrunde im Adlon. In zweiten Film habe der Drehbuchautor viel mehr Zeit in den Charakter der Figur investieren können, einen ihn sehr faszinierenden Charakter, auch wenn der Schauspieler Wert darauf legt, nicht mit ihm verwechselt zu werden. Racheengel McCall? „It’s a movie. It’s not me. What he does, is what he does.“

Schon diverse Male war Washington in Berlin zu Gast, so oft, dass er kaum mehr zusammenbekommt, wie oft genau. Aber an den ersten Besuch erinnert er sich genau. Das war 1990 während der Berlinale, der Film hieß „Glory“, eine Geschichte aus dem amerikanischen Bürgerkrieg. Washington hatten einen Soldaten eines nur aus Schwarzen rekrutierten Regiments der Nordstaaten verkörpert, für die Rolle erhielt er seinen ersten Oscar.

Gezeigt wurde der Film auch in Ost-Berlin, es waren die ersten Filmfestspiele in beiden Teilen der Stadt. Ost-Berlin sei damals noch sehr dunkel gewesen, erzählt Washington, mit Kohlenhaufen vor den Häusern und fast leeren Regalen in den Geschäften. Aber die Menschen hätten ihn und seine Kollegen, darunter Morgan Freeman, mit offenen Armen empfangen, dankbar allein darüber, dass sie gekommen waren. Im Westen dagegen, nur 20 Minuten Weg entfernt, sei der Film als amerikanische Kriegspropaganda verrissen worden.

Zwei Silberne Bären

Wobei Washington sich insgesamt über seine Berlinale-Erfahrungen nicht beklagen kann, bekam er doch zweimal den Silbernen Bären als bester Darsteller zugesprochen, erst für „Malcolm X“, dann für „The Hurricane“, in dem Washington den schon von Bob Dylan besungenen Boxer Rubin „Hurricane“ Carter spielte. Ein ulkiger Zufall also, dass der Showdown in „The Equalizer 2“ ausgerechnet während eines Hurrikans stattfindet. Ein längst bewährtes Verfahren, eine ohnehin schon dramatische Szene durch die wild tobenden Elemente noch zu steigern. Auch Martin Scorsese beherrscht sie perfekt, wie er in „Kap der Angst“ im Schlussduell zwischen Robert De Niro und Nick Nolte bewiesen hat.

Anderes in „The Equalizer 2“ erscheint origineller, denn wann kommt einem schon mal ein Actionheld unter, der in seiner Wohnung die blank geputzten Äpfel zu schönen Mustern ordnet und dazu einen wohlgefüllten Bücherschrank besitzt. Und der sogar vor gedankenschweren Wälzern wie Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ nicht zurückschreckt. Respekt! Hat Washington selbst das Buch gelesen? „No.“

„The Equalizer 2“ startet am 16. August

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