Gemeinsam gegen Nazis in Schöneweide

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Ticker zum Nachlesen : Feiern und demonstrieren: So verlief der 1. Mai in Berlin
Nele Pasch
Demonstration gegen NPD-Aufmarsch
Demonstration gegen NPD-Aufmarsch

13.10 Uhr: Mittlerweile ist die Sonne am Himmel herausgekommen, das Myfest beginnt, auf der Bühne wird Musik gespielt. Das Myfest ist gut besucht, aber noch nicht brechend voll. Die Leute schlendern von Stand zu Stand, hören Musik, kaufen sich etwas zu essen. Unter ihnen ist auch die Ballonverkäuferin Connie, 44 Jahre, die seit 10 Jahren immer wieder zum Myfest kommt: "Ich liebe die Stimmung hier und komme gerne her, aber um 19 Uhr haue ich ab. Dann wird es mir zu stressig." Ihren Verkaufsstand hat Connie am Mariannenplatz.

13.08 Uhr: Hier noch einmal die offiziellen Zahlen der Polizei zur Walpurgisnacht und den Veranstaltungen am gestrigen Abend: Rund 3.300 Polizeibeamte waren im Einsatz, von denen nach ersten Erkenntnissen insgesamt sieben verletzt wurden, eine Beamtin konnte ihren Dienst nicht mehr fortsetzen. Insgesamt nahm die Polizei 17 Personen vorübergehend fest und sprach elf Platzverweise aus. Es wurden 20 Ermittlungsverfahren u. a. wegen gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet sowie drei Ordnungswidrigkeitsanzeigen gefertigt.

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Gewerkschaftsdemo in Berlin
Gewerkschaftsdemo in Berlin

Am Mauerpark, im Kreuzberger Viktoriapark im Görlitzer Park sowie im Volkspark Friedrichshain und am Boxhagener Platz feierten insgesamt mehrere tausend Menschen ausgesprochen friedlich. An dem Aufzug „Gemeinsam gegen Nazis in Schöneweide“ nahmen rund 3.000 Personen teil. Bis etwa 23.15 Uhr hielten sich am Platz am Kaisersteg noch bis zu 1.700 Personen auf und verfolgten dort ein Abschlusskonzert. Die von 14 bis 20.45 Uhr andauernde Kundgebung „Antikapitalistische Walpurgisnacht“ in der Böttgerstraße in Gesundbrunnen verlief mit rund 500 Teilnehmern störungsfrei. Bei dem angemeldeten Aufzug „Gegen Rassismus und soziale Ausgrenzung“ zogen ab 21.00 Uhr bis zu 2.400 Personen von der Badstraße durch den Weddinger Kiez zum U-Bahnhof Seestraße. Während des Aufzuges kam es zu Sachbeschädigungen an einem geparkten „VW“ in der Maxstraße sowie zu Steinwürfen gegen Fensterscheiben einer Bankfiliale in der Nazarethkirchstraße. An der Kreuzung Pank-/Ecke Wiesenstraße geriet ein Auto in Brand.

12.51 Uhr: Der NPD-Tross hat sich jetzt mit Transparent ("Genug gezahlt - wir sind keine Melkkuh Europas") und ca. 350 Teilnehmern in Bewegung gesetzt. An der Spitze des Zuges laufen Parteichef Holger Apfel und der ehemalige Vorsitzende Udo Voigt. Die Mehrheit der Rechtsextremen kommt aus Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Die Gegendemonstranten sind weit weg, sowohl räumlich als auch akustisch. Auch der NPD-Zug selbst ist auffällig still, nur vereinzelt sind Parolen zuhören. Ziel ist zunächst die Kundgebung an der Edison/Wilhelminenhofstraße, wo immer noch rund 50 NPD-Anhänger ausharren. Dort stehen mittlerweile auch Polizeitrupps vor jedem Hauseingang.

12.23 Uhr: In der Innenstadt ist der Demonstrationszug des Deutschen Gewerkschaftsbundes mit mehreren tausend Teilnehmern (DGB) mittlerweile durchs Brandenburger Tor gezogen. "Recht auf Arbeit für alle" und "Rente muss zum Leben reichen" ist auf Transparenten oder T-Shirts zu lesen.

12:04 Uhr: Die Polizei hat das Pryamidenkonstrukt auf der Brückenstraße jetzt samt der vier Demonstranten angehoben und auf die heruntergelassene Hebebühne eines Polizei-LKWs gehievt. Dabei musste sie sehr vorsichtig vorgehen, weil sonst leicht die im Inneren der Pyramiden verketteten Arme der Demonstranten hätten gebrochen werden können. Der Betonklotz und die Demonstranten werden nun weggefahren, die vier Männer bekommen eine Anzeige wegen Nötigung, wie ein Polizeisprecher mitteilt.

NPD- Demonstration in Schöneweide
Bei massivem Polizeiaufkommen und trotz rund 2000 Gegendemonstranten konnten rund 480 NPD-Teilnehmer durch Schöneweide ziehen.Alle Bilder anzeigen
1 von 9Foto: dpa
01.05.2013 15:27Bei massivem Polizeiaufkommen und trotz rund 2000 Gegendemonstranten konnten rund 480 NPD-Teilnehmer durch Schöneweide ziehen.

11.55 Uhr: In der Adalbertstraße in Kreuzberg wird das Myfest fleißig vorbereitet: Stände werden aufgebaut, der Grill wird aufgestellt, Rauch steigt in die Luft, die Döner-Läden haben extra viel eingekauft, um auf den großen Menschenansturm gerüstet zu sein. Allerdings lässt dieser Ansturm noch auf sich warten.

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