Myfest-Veranstalter: "Das ist hier kein Oktoberfest."

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Ticker zum Nachlesen : Feiern und demonstrieren: So verlief der 1. Mai in Berlin
Nele Pasch
Polizeipräsenz, die anscheinend wirkte: Ungewöhnlich schnell löste sich die Revolutionäre Mai-Demonstration Unter den Linden auf. Der Berliner Polizeipräsident Kandt lobte indirekt die linke Szene dafür, dass wieder die politischen Inhalte mehr im Vordergrund standen. Bis auf vereinzelte Festnahmen und Steinwürfe blieb es am Mittwochabend ruhig.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dpa
01.05.2013 22:29Polizeipräsenz, die anscheinend wirkte: Ungewöhnlich schnell löste sich die Revolutionäre Mai-Demonstration Unter den Linden auf....

18.55 Uhr: Auf dem Gelände der Bar 25 war für den heutigen Tag eigentlich nur der erste Spatenstich fürs neue Holzmarktgelände geplant. Stattdessen entpuppt sich die Veranstaltung als Volksfest: Technomusik spielt den Anwesenden entgegen, Feuerwerfer, Lasershow und Hüpfburg für die jungen Familien vervollständigen das Rahmenprogramm vor Ort. Das neue und offene Konzept der Bar 25 zeigt sich auch am Eingang. Kein Türsteher kontrolliert die Gäste, die weiterhin auf das Gelände strömen. Obwohl bereits seit dem frühen Nachmittag über 1000 Leute den Weg zum Holzmarktgelände gefundenen haben und das Gedränge groß ist, ist der Haupteingang weiterhin für alle offen.

18.50 Uhr: Myfest-Veranstalter David Strempel zeigt sich etwas besorgt, was den politischen Gehalt des Festes angeht. "Das ist hier kein Oktoberfest, es gibt hier kein Ponyreiten oder Edel-Schnaps. Wir sind eine politische Veranstaltung, die Spaß machen soll." Das Motto des Festes richtet sich gegen Gentrifizierung und gegen Rassismus.

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Myfest in Kreuzberg I
Myfest in Kreuzberg I

18.30 Uhr: Unter Klaus Kandt und Frank Henkel zeigt die Polizei am 1. Mai massiv Präsenz – bis zum frühen Abend ist diese Strategie auch erfolgreich. Der schwarze Block der Autonomen formiert sich allerdings schon für die große Demo. Mehr zur Strategie der Berliner Polizei lesen Sie hier. Unter anderem waren im Laufe des Tages auch 80 Polizisten als Anti-Konfliktlöser in gelben Warnwesten auf dem Myfest unterwegs. Timo Hansen, Mitglied dieses neu formierten Polizei-Teams, legt Wert auf die Kommunikation: "Wir wollen ein Signal senden, dass wir zum Reden da sind und die Leute uns ansprechen können."

18.15 Uhr: In der Ansprache der Bühnen-Betreiber heißt es unter anderem: "Nicht erst seit den bundesweiten Morden der NSU-Terrorzelle oder steigenden Mieten im eigenen Kiez bezieht das Core Tex Stellung zu politischen und sozialen Fragen. Auch wenn Rassismus und Diskriminierung fest in der Geschichte verankert sind und tagtäglich zu Unterdrückung führen, stehen wir nicht nur am 1. Mai auf, um schon den Anfängen rassistischem Denkens eine Absage zu erteilen. Antirassismus ist für uns eine Selbstverständlichkeit, ein Lebensgefühl und gelebte Realität."

18.14 Uhr: Laut Auskunft der Polizei sind vereinzelt Zugänge zum Myfest geschlossen worden, weil zu viele Menschen auf den Straßen sind.

17.58 Uhr: Mehrere Bühnen-Betreiber sind zusammen ins Studio gegangen, um eine CD aufzunehmen, sie soll um 18 Uhr auf allen 19 Bühnen gleichzeitig abgespielt werden. Tenor ist: "Gemeinsam gegen Rassismus".

17.48 Uhr: Nach einem 30-minütigen Lauf einmal durch das Myfest ist der Marsch der Autonomen am Lausitzer Platz zu Ende gegangen. Behelmte Polizisten begleiteten die paar hundert Autonomen - anders als im letzten Jahr - auch durch das Myfest.

17.40 Uhr: Der Berliner Polizei-Präsident Klaus Kandt wird am frühen Abend, gegen 18 Uhr, in Kreuzberg erwartet. Dort wird die revolutionäre 1. Mai Demonstration am Lausitzer Platz beginnen.

17.33 Uhr: Insgesamt haben europaweit am Tag der Arbeit Hunderttausende Menschen gegen die Sparpolitik in Europa demonstriert. Allein in Deutschland nahmen nach Gewerkschaftsangaben mehr als 400 000 Menschen an Kundgebungen für mehr soziale Gerechtigkeit teil.

17.23 Uhr: Die Autonomen formieren sich am Lausitzer Platz für den Marsch über das Myfest - eine Einsatzmannschaft der Hundertschaft folgt ihnen in voller Montur.

17.16 Uhr: Die Polizei hält sich weitestgehend am Rande des Geschehens auf. So stehen zum Beispiel am Görlitzer Bahnhof mehrere Mannschaftswagen. Vom Geschehen selbst halten die Polizisten Abstand. Am Kottbusser Tor hilft aber auch mal ein Polizist und weist einer jungen Teilnehmerin den Weg.

Die einzigen Pflastersteine, die hier gerne gesehen sind, bestehen aus Styropor. Sie werden von Unternehmensgründern verteilt, die mit der Aktion auf sich aufmerksam machen wollen.
Die einzigen Pflastersteine, die hier gerne gesehen sind, bestehen aus Styropor. Sie werden von Unternehmensgründern verteilt, die...

17.10 Uhr: Ein schwarzer Block formiert sich am Mariannenplatz für die Spontan-Demo über das Myfest. Am Engelbecken postieren sich zwei Wasserwerfer der Polizei, um Präsenz zu zeigen.

17.08 Uhr: In Schöneweide kam es zu kleinere Zwischenfällen bei dem Aufmarsch der rechtsextremen NPD. Die Polizei ging mit einem Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Steinewerfer aus dem linken Spektrum vor.

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