Berlin : Tiefschwarze Wände, zersplittertes Glas

Nach dem Brand in der Greifswalder Straße vermutet die Polizei Brandstiftung Anwohner loben Umsicht der Feuerwehr. Drei Bewohner noch in der Klinik

Verena Friederike Hasel

Es war gegen zehn Uhr am Samstag Abend, da hörte Volker Koppeng, der im zwölften Stock des Hochhauses an der Greifswalder Straße 88 wohnt, plötzlich Schreie aus dem Treppenhaus. „Ich habe vorsichtig die Wohnungstür geöffnet und war sofort in schwarze Rauchwolken gehüllt“, sagt der Familienvater. Eine glückliche Fügung, dass Koppeng einmal Feuerwehrmann war: So wusste er, was zu tun war und flüchtete mit seiner Frau und den Kindern über den Balkon zum Nachbarn. Dessen Wohnung führt zum Hauptflur des Hauses, während man zu Volker Koppeng über eine Treppe im Seitentrakt gelangt. Dort war gegen 21.30 Uhr ein Feuer ausgebrochen. Brandherd waren mehrere Kartons vor der Tür einer Behinderten-Wohngemeinschaft der Stephanus Stiftung im neunten Stock, die von deren Einzug am ersten März übrig geblieben waren. Die Polizei vermutet, dass sie vorsätzlich angesteckt wurden. Schnell breitete sich das Feuer bis unters Dach aus. Erst gegen Mitternacht hatten die Feuerwehrmänner die Flammen so weit gelöscht, dass sie die rund 40 Bewohner aus den oberen Stockwerken auf die Straße geleiten konnten. Dort standen Busse für sie bereit, neun Menschen mussten ins Krankenhaus, unter anderem wegen Rauchgasvergiftungen. Drei wurden da behalten, unter ihnen die Betreuerin der Behinderten-WG. Sie liegt auf der Intensivstation.

Angst um Leib und Seele habe sie nicht gehabt, sagt Sibylle von Lenski, die im zwölften Stockwerk wohnt. Das sei auch ein Verdienst der Feuerwehrleute gewesen. Diese waren laut von Lenski sehr umsichtig: „Als es noch brannte, haben sie die ganze Zeit über Megaphon mit uns geredet“, sagt von Lenski. Dann sei sie sehr behutsam auf die Straße gebracht worden. Um halb zwei durfte Sybille von Lenski wieder hoch. „Am meisten stört jetzt der Gestank“. Abgesehen vom beißenden Geruch in der Luft sind die Spuren des Brandes in den oberen Stockwerken auch überall zu sehen: Die ehemals orangefarbenen Wände sind tiefschwarz, auf dem Boden liegt zersplittertes Glas, zwölf der Wohnungstüren müssen ausgewechselt werden. In der vierzehnten Etage stehen mehrere Fahrräder, ihre Griffe sind zusammengeschmolzen.

Laut einem Mann, der seit 1999 in diesem Haus wohnt, gab es in der Vergangenheit schon ähnliche Vorfälle. Erst im vergangenen Jahr habe jemand Feuer im Fahrstuhl gelegt. „Wir brauchen einen professionellen Wachschutz“, sagt er. Derweil passt der 14-jährige Uwe Behna auf das Haus auf. „Hier gibt’s nichts zu gaffen, geht weiter“, ruft er neugierigen Kindern zu, die unten vorm Haus stehen. Er selbst wohnt im achten Stock und hat in letzter Minute seinen Kater namens Tiger in einem Karton gerettet.

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