• Tierheim Berlin sieht sich nur als letzte Möglichkeit: Was passiert mit meinem Haustier, wenn ich in Quarantäne komme?

Tierheim Berlin sieht sich nur als letzte Möglichkeit : Was passiert mit meinem Haustier, wenn ich in Quarantäne komme?

Das Tierheim ist geschlossen und nimmt deshalb mehr Tiere auf als es abgeben kann. Und bald droht ein noch größeres Problem.

Wer in Quarantäne muss, kann Freunde, Verwandte oder Nachbarn bitten, sein Haustier zu versorgen. (Symbolbild)
Wer in Quarantäne muss, kann Freunde, Verwandte oder Nachbarn bitten, sein Haustier zu versorgen. (Symbolbild)Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Nein, Hunde und Katzen können nicht am Coronavirus erkranken, das gilt auch für Kaninchen, Meerschweinchen oder andere Haustiere. Haustiere können das Coronavirus auch nicht übertragen. Solche Informationen rattern die Mitarbeiter des Tierheims Berlin routiniert herunter, immer wieder kommen Anfragen von besorgten Bürgern.

Es kommen aber auch Fragen wie: Was passiert mit meinen Tieren, wenn ich in Quarantäne komme? Dann, sagt eine Mitarbeiterin des Tierheims, würden die Menschen erstmal beruhigt. „Die allermeisten Menschen haben Bekannte, Freunde oder Nachbarn, die sich im Zweifelsfall um die Tiere kümmern.“ Und es gibt Nachbarschaftshilfen. „Eine weitere Möglichkeit ist eine Tierpension“, sagt die Mitarbeiterin.

Theoretisch würde, nach jetzigem Stand, das betreffende Gesundheitsamt eine Ansprechperson für einen Tierbesitzer benennen, der partout keine Betreuungsmöglichkeit findet. „Aber in der Praxis würde das schwierig“, vermutet die Mitarbeiterin. „Die Gesundheitsämter sind ja überlastet.“

Das Tierheim sollte die letzte Lösungsmöglichkeit sein

In Europas größtem Tierheim mit 1400 Tieren, im Lichtenberger Ortsteil Falkenberg, jedenfalls hat wegen des Coronavirus noch niemand sein Tier abgegeben. Die Mitarbeiterin rät dazu auch nur als letzte Möglichkeit. Nicht bloß, weil eine Tierpension billiger wäre. Im Tierheim kostet die Aufbewahrung eines Hundes rund 15 Euro am Tag.

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Natürlich hat auch das Tierheim seine ganz eigenen Probleme mit dem Coronavirus, auch deshalb sagt die Mitarbeiterin: „Corona ist kein Grund, ein Tier abzugeben.“ Das ist Tierheim ist geschlossen, das ist ein Riesenproblem. Denn das bedeutet, dass viel weniger Tiere als sonst vermittelt werden können. Vermittlungen gehen derzeit nur nach Terminabsprache. Die Besucher müssen strenge hygienische Bestimmungen einhalten.

„Corona ist kein Grund, ein Tier abzugeben“, sagt eine Mitarbeiterin des Tierheims. Zur Überbrückung der Quarantäne können zum Beispiel Tierpensionen genutzt werden.
„Corona ist kein Grund, ein Tier abzugeben“, sagt eine Mitarbeiterin des Tierheims. Zur Überbrückung der Quarantäne können zum...Foto: imago/Westend61

Im Normalbetrieb verlassen 22 bis 25 Tiere täglich die Einrichtung, die vom Deutschen Tierschutzbund betrieben wird. Ungefähr die gleiche Zahl an Tieren wird täglich im Tierheim abgegeben. Jetzt kommen zwar immer noch im Schnitt 22 bis 25 Tiere pro Tag herein, aber es gehen weniger hinaus als sonst. „Wir befürchten, dass sich bei uns die Tiere bald stapeln“, sagt die Mitarbeiterin. Rund 500 Katzen und 250 Hunde leben auf der 16 Hektar großen Anlage.

Wenn das Heim noch einige Wochen geschlossen bleiben muss, dann könnte es sehr eng werden, fast schon dramatisch. Denn ab April werden viele wild lebende Katzen, die entweder in Kürze Junge werfen werden oder Katzen, die bereits Babys haben, im Tierheim abgegeben.

Jetzt kommt eine Flut von wilden Katzen

In normalen Zeiten stellt das kein großes Thema dar. „Eine Katzenmama kann die Babys bei uns ganz normal aufziehen, erst dann werden sie vermittelt“, sagt die Mitarbeiterin. „Normalerweise geht die Vermittlung von jungen Katzen sehr gut.“ Aber wenn die Nachfrage einbricht, dann wird es fürs Tierheim eng.

„Unsere wichtigste Aufgabe ist eine adäquate Betreuung der Tiere“, sagt die Mitarbeiterin, „die stellen wir auch sicher.“ Noch gibt es im Tierheim keinen Coronavirus-Fall. Für die tägliche Arbeit wäre er auch fatal. Denn die Mitarbeiterin seufzt: „Wir haben jetzt schon einen sehr hohen Krankenstand.“

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