Tischfußball im Bundeswehr-Camp : Mit einem Kick von Berlin nach Mali

Raphael Hampel ist Tischfußball-Weltmeister. Bald misst er sich mit Bundeswehr-Soldaten, um deren Dienst aufzulockern.

Raphael trainiert Rollstuhlfahrer im Tischfußball.
Raphael trainiert Rollstuhlfahrer im Tischfußball.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Also, die Nummer mit dem Handgelenk, die wird er ihnen gleich am Anfang ausreden. Viele Hobby-Tischfußballer finden sich ja supercool, wenn sie die Griffe der Stangen aus dem Handgelenk drehen und die Bälle knallen. Ist aber Quatsch, „aus dem Handgelenk spielt man heute kaum noch“, sagt Raphael Hampel. Gut, Hobbykicker schon, Experten wie er aber nicht.

Hampel ist Junioren-Weltmeister von 2017 mit der Nationalmannschaft, er ist der Kapitän des Teams, er spielt natürlich eine ganz andere Technik. Einen wie ihn werden sie beim Training in der Malaria-Bar und in der Gecko-Bar erstmal bestaunen, als würde David Copperfield dort Zauberkunststücke vorführen.

Kickern zur Auflockerung des Dienstes

Malaria-Bar, Gecko-Bar – diese Freizeit-Areale stehen im Bundeswehr-Camp in Koulikoro, im Süden von Mali. Mehrere hundert Bundeswehr-Soldaten sind dort stationiert, sie haben die Bars so getauft, sie trainieren Angehörige der Armee von Mali für den Kampf gegen Islamisten. Eine internationale Mission, 27 europäische Länder sind dort für die Ausbildung zuständig. Dann gibts noch das Camp Castor in Gao, im Norden Malis, auch dort sind Bundeswehrsoldaten stationiert.

Hampel wird in beiden Stützpunkten spielen, in Kürze (der genaue Abflugtermin ist geheim) fliegt er nach Mali, in seiner ganz eigenen Mission. Der 18-Jährige Weltklasse-Tischfußballer soll den Bundeswehrsoldaten eine Woche lang den Alltag verschönern. Kickern auf hohem Niveau zur Auflockerung des Dienstes.

Aber niemand fliegt einfach so mal schnell nach Mali in ein Bundeswehr-Camp. Engelbert Diegmann hat das Ganze eingefädelt, Jugendwart des Deutschen Tischfußball-Verbands, vor allem aber Vorsitzender des Vereins „So viel Freude“. Der Verein stellt Kickertische in Kinderstationen von Krankenhäusern, er sorgt für bunte Momente im oft seelisch trostlosen Alltag krebs- und herzkranker Kinder.

Raphael Hampel ist für den Verein im Einsatz, in der Mukoviszidose-Abteilung des Virchow-Klinikums in Wedding zum Beispiel. Es ist Teil seines Bundesfreiwilligen-Dienstes (Bufdi). Diegmann hatte als Vereinschef die Verbindung zur Bundeswehr hergestellt, er war vor  Monaten schon mal in Mali, damals mit Thomas Haas, Einzel-Weltmeister bei den Herren und Bufdi wie Hampel.

Jetzt fliegt er wieder hin, diesmal aber mit Hampel. Drei Kickertische bringen sie auch gleich mit. Zwei werden in Koulikoro aufgestellt, einer am Flughafen Bamako, damit den deutschen Soldaten beim Warten auf den Rückflug nach Deutschland nicht so langweilig wird. In Gao stehen bereits sechs Tische. Die hatte Diegmann bei seinem jüngsten Trip nach Mali mitgebracht.

Trainiert wird in Koulikoro in der Malaria- und der Gecko-Bar. „Am Anfang“, sagt Hampel, „zeige ich Schüsse, das macht am meisten Spaß.“ Den „pin shot“ zum Beispiel, ein harter, schneller Schuss, sehr variabel, nicht leicht zu lernen. Und den „Jet“, bei dem die Figur einmal rotieren. „Der am meisten verbreitete Schuss, am leichtesten zu lernen, fast schneller als der pin shot, aber nicht ganz so variabel.“

So reden Experten, die zu Beginn ihrer Karriere täglich zwei bis drei Stunden am Tisch gestanden haben. Der Weltklassespieler Hampel, der in der Liga für das Team Bears Berlin antritt, ist technisch inzwischen so gut, dass er mit einer Stunde reinem Tisch-Training auskommt; er konzentriert sich jetzt vor allem auf die Video-Analyse und mentale Aspekte des Spiels. Aber in Mali geht’s ja nur um Grundlagen. Und um den Spaß.

„Dort unten ist es ziemlich sicher“

Seit drei Monaten weiß der 18-Jährige, dass er nach Mali fliegen wird, er hat sich eingelesen in die Thematik, er hat verfolgt, was die Soldaten in dem afrikanischen Land leisten. Und natürlich weiß er, dass die ganze Geschichte nicht ungefährlich ist. „Ich habe da schon Respekt“, sagt er. Aber er hat auch im Ohr, was ihm Diegmann versichert hat. „Dort unten ist es ziemlich sicher.“ Außerdem, das hat Hampel auch gehört, „soll das Essen ganz gut sein“. Und, natürlich, „es ist eine ganz besondere Erfahrung“.

Als Bufdi spielt er mit krebskranken Kindern oder mit Kindern im Rollstuhl, er spielt auch in Rudow in einer Einrichtung für traumatisierte Kinder. „Aber mit Soldaten zu spielen ist ja doch etwas anderes. Das ist neu für mich.“ Er wird ihnen zeigen, wie ein Profi eine Deckung aufbaut, wenn der Gegner den Ball bei seinen Verteidigern hat. Er wird auch demonstrieren, wie der Ball liegen muss, damit man ihn optimal schießen kann. Hampel kann so schnell schießen, dass man den Ball erst wieder sieht, wenn er längst aus dem Tor zurück geprallt ist.

Das Ganze ist natürlich auch Vorbereitung auf den jeweiligen Höhepunkt in den Camps: ein internationales Turnier. Ende August wird Hampel seine Bufdi-Zeit beenden. Aber vorher steht noch ein weiterer Auslandeinsatz an: Im Juni fliegt er mit Diegmann nach Afghanistan, auch in Bundeswehr-Camps. Nicht ohne Zusatzgepäck: Sie haben vier Kickertische dabei.

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