Tobias Heinemann : Gefeuerter S-Bahn-Manager wird Transdev-Manager

Weil er für eine der größten Krisen der S-Bahn mitverantwortlich war, musste Tobias Heinemann gehen. Nun leitet er den Deutschlandbereich des Verkehrsunternehmens Transdev.

Tobias Heinemann, ehemaliger Geschäftsführer der Berliner S-Bahn.
Tobias Heinemann, ehemaliger Geschäftsführer der Berliner S-Bahn.Foto: Mike Wolff

Tief gefallen – und wieder hochgekommen. Manager, die in ihrem früheren Job jämmerlich gescheitert sind, reüssieren oft woanders wieder. Wie der ehemalige Chef der S-Bahn, Tobias Heinemann. 2009 musste er, nach Ausbruch der von ihm maßgeblich mitverantworteten größten Krise des Unternehmens, gehen – zusammen mit seinen weiteren Kollegen der damaligen Geschäftsführung. Jetzt wird Heinemann Deutschlandchef des Verkehrsunternehmens Transdev mit Sitz in Berlin, das bundesweit Bus- und Bahnlinien betreibt.

Heinemann hatte auf Betreiben des damaligen Bahnvorstands unter Führung von Hartmut Mehdorn 2007 die Leitung der S-Bahn übernommen. Der Vorstand wollte sich vom langjährigen S-Bahnchef Günter Ruppert trennen, der nicht bereit war, den verordneten Sparkurs mitzumachen. Der erfahrene Bahnmanager Ruppert sah die Gefahren fürs tägliche Geschäft, wenn Fahrzeuge vorzeitig verschrottet werden und die Instandhaltung vernachlässigt wird.

Heinemann zog es zunächst nach Nairobi

Der Vorstand ersetzte ihn durch den damals 36 Jahre alten Heinemann. Der Jurist kam aus dem Bahnkonzern, ihm fehlte aber die betriebliche Erfahrung, die der damals 62-jährige Ruppert hatte. Aber der Neue setzte die Sparvorgaben um. Ziel war es, bis zu rund 125 Millionen Euro jährlich als Gewinn an den Konzern zu überweisen.

Nachdem 2009 ein Großteil der Fahrzeuge wegen Wartungsmängeln außer Betrieb genommen werden musste und der Fahrplan weitgehend zusammengebrochen war, trennte sich die Bahn von ihm – mit einem Aufhebungsvertrag.

Heinemann fand sein Glück zunächst in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, wo er als Marketing- und Vertriebsvorstand bei der Eisenbahn arbeitete. 2015 kam er zurück – als Geschäftsführer wiederum für Marketing und Vertrieb beim damaligen französischen Unternehmen Veolia, das sich inzwischen Transdev nennt. Dort löst er jetzt als Deutschlandchef Christian Schreyer ab, der innerhalb des Konzerns wechselt.

Schon seit langem zurück im Geschäft ist auch der ehemalige Flughafenchef Rainer Schwarz, der nach dem BER-Desaster 2013 mit Verspätung gehen musste, sich sein Gehalt bis zum Vertragsende aber erfolgreich einklagte. Bereits 2014 heuerte er als Chef des Flughafens Rostock-Laage an; 2017 übernahm er die Führung des Flughafens Münster/Osnabrück. Unter seiner Leitung ist die Zahl der Passagiere wieder gestiegen.

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