• Tödliche Unfälle mit Kindern: Berlins Verkehrssenatorin verspricht: Wir tun alles für mehr Sicherheit

Tödliche Unfälle mit Kindern : Berlins Verkehrssenatorin verspricht: Wir tun alles für mehr Sicherheit

Der Tod zweier Kinder befeuert die Debatte um mehr Verkehrssicherheit in Berlin. Die Logistikbranche beklagt das mangelnde Angebot der Lkw-Hersteller.

Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Sonnabend vor dem Bundesverkehrsministerium für mehr Sicherheit.
Mehrere hundert Menschen demonstrierten am Sonnabend vor dem Bundesverkehrsministerium für mehr Sicherheit.Foto: Stefan Jacobs

Nach den beiden tödlichen Verkehrsunfällen in der vergangenen Woche und der Berichterstattung über Infrastrukturmängel wächst der Druck auf die Verkehrsverwaltung, rasch für mehr Sicherheit auf Berlins Straßen zu sorgen. Ein Teil dieses Drucks ist hausgemacht, denn nach dem Tod zweier Kinder binnen 24 Stunden hatte Verkehrssenatorin Regine Günther (für Grüne) via Twitter versprochen: „Wir werden die Unfälle genau untersuchen und alles unternehmen, dass unsere Straßen sicherer werden.“

Nimmt man die Senatorin beim Wort, drängen sich angesichts der beiden Fälle konkrete Lösungen auf: Verkehrsteilnehmer wie das 13-jährige Mädchen, das Dienstagnachmittag in Rummelsburg mit dem Fahrrad an einer durch keinerlei Warneinrichtungen gesicherten Kreuzung vor eine Straßenbahn gefahren war, könnten schon durch simple Signale wie Blinklichter oder einen Ton gewarnt werden, wenn eine Tram naht.

Bei der BVG hieß es auf Anfrage, dass solche Warnsignale nicht in Eigenregie errichtet werden könnten, sondern von der Verkehrsverwaltung angeordnet werden müssten. Die will sich auf eine Anfrage des Tagesspiegels, ob solche Sicherungen – die in anderen Städten üblich sind – jemals erwogen worden sind, zu Beginn der neuen Woche äußern.

Getrennte Grünphasen sind die Ausnahme

Das gilt ebenso für den zweiten Fall, bei dem eine wirksame Abhilfe einerseits noch näher liegt, der sich aber bei stadtweiter Umsetzung auf den Verkehrsfluss auswirken würde: Getrennte Grünphasen für rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge und geradeaus querende Fußgänger und Radfahrer könnten Katastrophen verhindern wie die am Mittwochfrüh, als ein achtjähriger Junge auf dem Schulweg in Spandau von einem abbiegenden Lkw überrollt wurde.

Abbiegefehler sind die häufigste Unfallart – und haben oft besonders dramatische Folgen. Dennoch sind getrennte Grünphasen an Berliner Kreuzungen die Ausnahme. Ob das trotz mehrerer tödlicher Unfälle jedes Jahr so bleiben soll, will die Verkehrsverwaltung ebenfalls in dieser Woche mitteilen.

Spediteure beklagen mangelndes Angebot der Lkw-Hersteller

Parallel sollen die Lastwagen sicherer werden. Nachdem der Bundesrat auf Initiative der rot-rot-grünen Koalition die verpflichtende Einführung und Nachrüstung von elektronischen Abbiegeassistenten für schwere Lkw beschlossen hat, plant Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), Spediteure, Verbände und Industrie zu einem Treffen für mehr Sicherheit ins Ministerium einzuladen.

Der Bundesverband Güterkraftverkehr (BGL) beklagt, dass nur ein einziger Lkw-Hersteller ein Assistenzsystem anbietet. Und selbst dieses radarbasierte System wird nur für Modelle mit glattflächigen Aufbauten (also zum Beispiel nicht für Container- oder Müllfahrzeuge) angeboten und veranlasst keine Bremsung, sondern warnt den Fahrer lediglich akustisch. Brauchbare Nachrüsttechnik ist laut Experten noch immer nicht zu bekommen.

Der Discounter Netto teilte am Freitag mit, seit 2017 nur noch Lkw mit Assistenzsystem anzuschaffen. Bis „spätestens 2019“ solle die gesamte Flotte von bundesweit rund 500 Lastwagen entsprechend ausgerüstet sein.



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