Berlin : Tonnenweise Ärger

Die Umweltsenatorin will Behälter für Biomüll in ganz Berlin aufstellen lassen – das bedeutet höhere Gebühren. Ein Pro und Contra

Cay Dobberke

Die Reaktion kam prompt: Kaum hatte Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei/PDS) angekündigt, dass sie im Rahmen eines neuen Abfallwirtschaftskonzepts die Biotonne flächendeckend in Berlin einführen will, verwies die Stadtreinigung auf ein Gutachten, wonach dies unnötig sei. Die Haus- und Grundbesitzervereine kritisierten eine „Kostensteigerung von 10 bis 15 Prozent für den Verbraucher“. Das letzte Wort hat nun das Abgeordnetenhaus – und dort ist mit einer Mehrheit für die Pläne der Senatorin zu rechnen.

Die braunen Kunststoffbehälter mit Deckel sind für biologisch verwertbare Abfälle gedacht – darunter Gartenabfälle, Laub und Blumen, Obst- und Gemüsereste, Kaffee, Tee, Eierschalen, Essensreste und verdorbene Lebensmittel.

Bisher sind 2,7 Millionen Berliner an die Biomüll-Abfuhr angeschlossen, möglichst noch 2007 sollen es alle 3,4 Millionen sein. Laut Senatorin Lompscher bedeutet dies Mehrkosten von jährlich drei Euro für jeden Berliner, was sie als „sozial vertretbar“ einstuft. Mögliche Geruchsbelästigung oder Probleme mit Maden seien mittlerweile technisch lösbar.

Mit besonders hohem Aufwand verbunden ist die Biomüllabfuhr in den Außenbezirken. Diese Mehrkosten sollen aber auf alle BSR-Kunden umgelegt werden. Von der Gebühr befreien lassen können sich Eigenheimbesitzer und Hausgemeinschaften, die Komposthaufen angelegt haben – an dieser bisherigen Praxis soll sich nichts ändern. Noch verzichtet die Stadtreinigung außerdem auch in der Innenstadt auf die braunen Tonnen, wenn Anwohner sich nicht an die Vorgaben halten und zu viel anderen Müll in die Behälter werfen.

Der SPD-Abfallexperte Daniel Buchholz schätzt, dass sich die jährliche Biomüllmenge von momentan 50 000 auf 100 000 Tonnen steigern lasse. Dazu solle auch eine neue Werbekampagne beitragen. München sammle doppelt so viel Biomüll pro Kopf, argumentiert Buchholz.

Die BSR verweist dagegen auf eine Studie, die sie beim Ökologischen Institut der Universität Freiburg in Auftrag gegeben hatte: Es empfehle nur eine „Optimierung“ des Systems – etwa durch eine bessere Planung der Abholungstouren –, jedoch keine Ausdehnung. Der Landesrechnungshof hatte die Bioabfallsammlung 2002 als zu teuer kritisiert. Seit der Einführung 1996 seien Verluste von beinahe 20 Millionen Euro entstanden, hieß es.

Die Berliner CDU lehnt den Vorstoß der Umweltsenatorin in der geplanten Form ab. CDU-Umweltexperte Uwe Goetze sagte, prinzipiell könne eine Ausweitung zwar sinnvoll sein; er bezweifelt jedoch Lompschers Kalkulation und rechnet mit höheren Kosten für die Kunden. Ohne zusätzliche Anreize werde das Angebot unattraktiv bleiben. Auch Goetze hält eine spezielle Werbekampagne für nötig. Die BSR hat aber keine entsprechenden Pläne.

Streit um den richtigen Umgang mit organischem Abfall gibt es übrigens auch in Potsdam, wo im Auftrag der Stadtverordneten die Einführung der Biotonne geprüft wird. Fünf dortige Wohnungsunternehmen lehnten dies wegen der Mehrkosten bereits ab.

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