Berlin : Toter Winkel: Wissen kann Leben retten

Schüler lernen in Aktionswoche, wie gefährlich abbiegende Lastwagen sind Im vergangenen Jahr wurden 31 Kinder von Rechtsabbiegern angefahren

Tanja Buntrock

Der Frühling kommt, die Tage werden länger. Da holen viele Berliner wieder ihr Fahrrad aus dem Keller. Doch gerade für Kinder kann das Radeln zur Gefahr werden – und im schlimmsten Fall tödlich enden. Insbesondere Fahrer rechts abbiegender Fahrzeuge, egal ob Autos oder Lkw, übersehen die kleinen Verkehrsteilnehmer oft – gerade bei Lastwagen mit teils katastrophalen Folgen. Eine Ursache ist der tote Winkel. Um Kinder für den Schulweg und Großstadtverkehr fit zu machen, hat die „Berliner Aktionsgemeinschaft Verkehrssicherheit für Schulkinder“ gestern die Aktionswoche „Toter Winkel“ gestartet, die bis Freitag läuft.

Im vorigen Jahr sind 19 radfahrende Kinder und zwölf, die zu Fuß unterwegs waren, von Rechtsabbiegern angefahren worden. Zudem wurden drei Kinder von einem rechts abbiegenden Lkw erfasst – eines davon war ein Radfahrer. Immerhin starb im vergangenen Jahr kein Kind nach einem Rechtsabbieger-Unfall.

Wie schnell man als Verkehrsteilnehmer im toten Winkel übersehen werden kann, erlebten Sechstklässler aus vier Grundschulen gestern bei einer Vorführung auf dem Dekra-Gelände am Flughafen Tempelhof. Die Kinder konnten sich vor einen Lkw stellen und mussten dann so lange rückwärts vom Wagen weglaufen, bis der Fahrer sie endlich sehen konnte. Auch durften die Schüler ins Fahrerhaus klettern und beobachten, wie ihre komplette Schulklasse im toten Winkel verschwand: Es ist ein riesiger Bereich, den ein Lastwagenfahrer nur mit den herkömmlichen drei Außenspiegeln auf der rechten Seite nicht überblickt. Und viele Fuhrunternehmer sparen sich das Geld für einen vierten Spiegel – obwohl der Leben retten könnte.

Bei der Verkehrserziehungswoche, die es seit 13 Jahren gibt, haben sich die Polizei, die Fuhrgewerbeinnung, der Fahrlehrerverband, die Unfallkasse und die Dekra zusammengetan, um Schüler auf die Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Seither wurden 186 000 Schüler mit der Aktion erreicht.

Benno Koch vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) lobte die Aktion insofern, „dass den Kindern hautnah vermittelt wird, worin die Gefahr besteht. Sie wird dadurch erlebbar gemacht.“ Allerdings kritisierte Koch, der auch Fahrradbeauftragter des Senats ist, dass während der Aktionswoche den Schülern lediglich Lkw mit drei Außenspiegeln vorgeführt werden. Denn um die Gefahren des toten Winkels zu beseitigen, müssen seit dem 26. Januar alle fabrikneuen Lkw mit einem vierten rechten Außenspiegel ausgerüstet sein. „Man hätte einen solchen Lkw als Vergleich dazustellen müssen“, sagte Koch. Über Details einer Nachrüstvorschrift für ältere Lkw werde zurzeit auf EU-Ebene beraten. „Bis 2010 soll das Problem gelöst sein. Dann ist der vierte Außenspiegel für alle Lkw verpflichtend“, sagte Koch.

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