Tower am BER : In Schönefeld soll Brandenburgs höchstes Gebäude entstehen

An der Stadtgrenze zu Berlin plant der umstrittene Projektentwickler Tamax ein Hochhaus. Nun geht es mit dem Bebauungsplan los.

So könnte der Schönefeld Tower aussehen.
So könnte der Schönefeld Tower aussehen.Visualisierung: Tamax

110 Meter Glasfassade, die neben dem neuen Hauptstadtflughafen in den Himmel ragen: So stellt sich der Immobilienentwickler Tamax sein neues Projekt vor, das nicht weniger als das höchste Hochhaus Brandenburgs werden soll. Jetzt geht es mit dem Bebauungsplan des Riesen los, der direkt neben der A 113 nahe der Abfahrt Schönefeld Nord wachsen soll.

"Das Haus ist mit 28 Geschossen geplant", sagt Projektmanager Frank Bochon zum Tagesspiegel. Daneben seien vier kleinere Gebäude angedacht. "Schönefeld Tower" hat Tamax sein Projekt getauft, rund 300 Millionen soll es bis zur Fertigstellung kosten. Aktuell liegt auf dem Areal an der Waltersdorfer Chaussee eine Wiese brach, in rund 200 Metern Entfernung verlief einst die Mauer.

"Wenn der Bebauungsplan nun gut durchgeht, könnten wir in ein bis zwei Jahren mit dem Bauen beginnen", sagt Frank Bochon. "In etwa fünf Jahren könnte der Tower fertig sein." Auf insgesamt rund 70.000 Quadratmetern sollen dort Büros entstehen, auch Hotelzimmer und Langzeit-Apartments für Geschäftsreisende sind geplant. Es gibt laut Bochon Interessenten, die gern in den den Bau investieren und auch dort einziehen würden.

110 Meter aus Glas: Die Entwürfe der Architekten sehen einen Turm und vier kleine Gebäude vor.
110 Meter aus Glas: Die Entwürfe der Architekten sehen einen Turm und vier kleine Gebäude vor.Visualisierung: Tamax

Schönefelds Bürgermeister Udo Haase signalisiert gegenüber dem Tagesspiegel Zustimmung zu dem Turm. "Der Bau wäre ein tolles Wahrzeichen für Schönefeld, eine riesige Landmarke, die schon vom Alexanderplatz zu sehen wäre", sagt er. Nun müssten aber alle Träger öffentlicher Belange zu dem Projekt befragt werden. "Das sind etwa Akteure wie die Deutsche Flugsicherung, die Airportgesellschaft, die Nachbargemeinden und der Landkreis, aber auch die südlichen Berliner Bezirke", erklärt Haase.

Der Bürgermeister der 13.000-Einwohner-Gemeinde räumt ein, dass er bei einem so markanten Bau durchaus mit Widerstand rechnet, etwa von Bürgerinitiativen. Es sei also zu früh, um zu sagen, ob am Ende des Verfahrens Baurecht für das Hochhaus steht.

Etwaiger Kritik, die Pläne sehen keine Wohnungen vor, hält Haase entgegen, die Fläche sei ausschließlich als Gewerbegebiet ausgezeichnet. "Sie liegt zwischen zwei Autobahnen, quasi auf einer Verkehrsinsel. Außerdem entstehen auf der anderen Seite der Waltersdorfer Chaussee Wohnungen für 25.000 Menschen."

Wohnungen auf dem Gelände von Kleingärten

Inwiefern ein so hohes Haus direkt neben Start- und Landebahnen Probleme für den reibungslosen Ablauf am Airport bereiten kann, sollen Gutachten klären. "Aber wir rechnen nicht mit Hindernissen, auch in anderen Städten stehen Hochhäuser neben Flughäfen", sagt Projektentwickler Bochon. Brandenburgs höchstes Gebäude ist aktuell mit etwa 90 Metern der Oderturm in Frankfurt.

Der Immobilienentwickler Tamax ist für viele Brandenburger kein Unbekannter. In Potsdam will der Investor Hunderte Wohnungen auf das Gelände ehemaliger Kleingartenanlagen bauen. Darüber tobt seit einem halben Jahr ein erbitterter Streit.

Im November eskalierte die Situation, als die Firma mit Hilfe von Polizei und Schlüsseldienst die Kleingartensparte Angergrund in Babelsberg räumen ließ, ohne überhaupt bereits Baurecht dafür zu haben. Potsdams Stadtverordnete suchen aktuell nach einem Kompromiss in dem festgefahrenen Konflikt, um Kleingärten zu erhalten.

Zuletzt hatte allerdings ein offener Brief von Tamax die Verhandlungen torpediert: Darin kündigt das Unternehmen erneut an, Wohnungen bauen zu wollen - sogar mehr als bisher bekannt.

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