Traum vom neuen Hauptstadtflughafen : Die BER-Eröffnung bleibt Geheimsache

Der Flughafen sollte 2012 starten, 2013, 2014, 2017. Nächsten Freitag wird der Termin der Termine nun verkündet. Aber welcher? Eine Prognose.

Durchwachsene Aussichten. Dass es bis zur Inbetriebnahme des Flughafens noch dauert, ist unstrittig.
Durchwachsene Aussichten. Dass es bis zur Inbetriebnahme des Flughafens noch dauert, ist unstrittig.Foto: picture alliance / dpa

Alles ist top secret. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup macht es spannend. Am kommenden Freitag will er auf einer Sondersitzung des Aufsichtsrates den Eröffnungstermin für den neuen Berliner Flughafen bekannt geben. Den letzten. Oder den ersten, der nicht abgesagt wird, je nach Perspektive.

Doch eine Woche vorher tappen sowohl der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) als auch die Eigentümer im Dunkeln, welches Jahr das sein wird. Selbst im mittleren FBB-Management wird gerätselt.

Für kommenden Dienstag ist ein Krisentreffen von Berlins Regierendem Michael Müller, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD) mit Lütke Daldrup und dem Aufsichtsratschef und Potsdamer BER-Staatssekretär Rainer Bretschneider angesetzt. Denn auch das Geld wird wieder knapp. Welchen Termin könnte der BER-Chef verkünden, erst recht angesichts der neuen Rückschläge und Verzögerungen?

Die "systemischen Mängel"

Erst vor elf Monaten war der BER-Start 2017 abgesagt worden. Inzwischen hat sich die Lage auf der Baustelle weiter zugespitzt, von 2018 und 2019 redet niemand mehr. Wie berichtet, hat der TÜV Rheinland in einem aktuellen Prüfbericht ausgerechnet im angeblich fertigen Mainpier Nord zentrale Systeme (Brandmeldeanlage, Entrauchung, Sicherheitsbeleuchtung etc.) wegen „wesentlicher Mängel“ als nicht abnahmefähig eingestuft.

Es sind laut TÜV „systemische Mängel“, die im gesamten Fluggastterminal zu erwarten sind. Zudem muss die Sprinkleranlage umgebaut werden, wofür 2,5 Kilometer Rohre im verwinkelten Terminal mit 4300 Räumen und überfüllten Trassenschächten ausgetauscht werden müssen. Dafür liegen noch nicht alle Pläne vor. Erst danach kann der Umbau beginnen.

Dabei hatte Lütke Daldrup ab 1. September 2017 einen neuen Baufertigstellungszeitplan in Kraft gesetzt, mit dem alle Bauarbeiten bis 31. August 2018 beendet werden sollten. Keine drei Monate später ist auch dieser BER-Terminplan schon wieder Makulatur. Nach Tagesspiegel-Informationen werden sich die Bauarbeiten bis 2019 hinziehen.

Die „Wirk- und Prinzipprüfungen“

Das zieht – neben den Finanzen – das nächste Problem nach sich: Erst danach können die „Wirk- und Prinzipprüfungen“ beginnen, bei denen nachgewiesen werden muss, dass alle Systeme wie Brandmeldung, Entrauchung, Sicherheitsstrom auch im Verbund funktionieren. Sonst darf der BER nicht ans Netz. Allein diese Tests dauern mindestens ein halbes Jahr. Und niemand kann ausschließen, dass erst dort weitere Mängel auffliegen, noch einmal Nacharbeiten nötig werden. Und im Anschluss folgen Behördenabnahmen, Orat-Probebetrieb mit Komparsen (Minimum sechs Monate) und der Mieterausbau.

Im zwölften Jahr wird der BER immer närrischer
Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.Weitere Bilder anzeigen
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22.11.2017 23:24Eine Fluggastbrücke auf dem leeren Flugfeld, 2012.

Noch im Januar 2017 hatte der damalige BER-Oberbauleiter Jörg Marks, inzwischen FFB-Technikchef ohne Zuständigkeit für das Terminal, in einem internen Rundschreiben Voraussetzungen für einen verbindlichen Eröffnungstermin definiert. Aufgeführt hatte Marks dort zum Beispiel den Abschluss aller „relevanten Bautätigkeiten im gesamten Fluggastterminal“, was nun frühestens 2019 der Fall wäre.

Und: Als Bedingung hatte er auch den „Abschluss der Wirk- und Prinzipprüfungen im Main Pier Nord“ aufgeführt, um wenigstens in einem Gebäudeteil schon die riskanten Verbundtests bewältigt zu haben. Just hier haben nun schon die ersten Einzelprüfungen der technischen Anlagen zu der TÜV-Mängelliste geführt. Alles Unwägbarkeiten.

Solange bleibt Tegel offen

Lütke Daldrup hat selbst Maßstäbe für den Eröffnungstermin formuliert: Es werde ein „unternehmerisch verantwortbarer“ sein, „kein politischer“, sagte er. Es müsse einer sein, auf den sich alle verlassen können müssen. Bleibt er dabei, wäre eine Eröffnung im Herbst 2020 vielleicht noch möglich, aber wie die Eröffnungstermine der Vergangenheit wieder mit Risiken verbunden. Ein möglicher Ausweg?

Einigermaßen realistisch wäre, dass der BER im Frühjahr 2021 eröffnet werden könnte, im Jahr der nächsten Abgeordnetenhauswahl, vorher aber zumindest ab 2019/2020 mit einer schrittweisen BER-Teilinbetriebnahme – ohne Hauptterminal – begonnen wird. So könnten das lange abgenommene Nordpier oder auch das Südpier in Betrieb gehen, die beiden Seitenflügel neben dem Hauptterminal.

Im Frühjahr 2020 könnte das für 100 Millionen Euro geplante neue Billigterminal (T1E) für 6 Millionen Passagiere folgen. Tegel bliebe so lange in Betrieb, bis das BER-Hauptterminal fertig ist, notfalls auch über 2021 hinaus. Spätestens 2025 müsste allerdings Schluss sein. Im Hauptausschuss hat Lütke Daldrup vergangene Woche angedeutet, dass bis 2025 um Tegel nur Schallschutzkosten „im niedrigen zweistelligen Bereich“ anfallen und erst danach hohe Summen fällig würden.

Auf die Frage, ob der BER überhaupt eröffnet, antwortete Lütke Daldrup dort so: „Der Flughafen ist in weiten Teilen schon funktionsfähig.“ Es seien über 39 von 40 Gebäuden fertig, Feuerwachen, IT-Gebäude, die Start- und Landebahnen sowieso, eigentlich alles außer das zentrale Terminal. Dieser Mann sagt nichts unüberlegt.

Pläne, Pannen, Prüfberichte: Auf unserer Themenseite zu 2000 Tagen BER-Nichteröffnung finden Sie Analysen und Kuriositäten.

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