Treegonometry : So schmücken Sie den Weihnachtsbaum nach mathematischen Regeln

13 mal Pi geteilt durch 8 mal Baumhöhe in Zentimeter? Studenten aus Sheffield haben jetzt die magische Formel gefunden, um Lamettalängen zu bemessen.

Weihnachten: Follow the Science!
Weihnachten: Follow the Science!picture alliance / PantherMedia

Ja, Opa Hoppenstedt hatte recht: Früher war mehr Lametta. Er meinte das eher generell, aber es stimmt ja: In Lametta war früher mal neben Zinn auch Blei, um den Fall der Fäden über den Baum optimal zu gestalten, das geht heute nicht mehr. Wikipedia teilt dazu mit, das heutige noch verfügbare Lametta bestehe aus „biaxial orientierter Polyesterfolie“, schrecklich, und in der DDR habe man das Zeug früher sogar aus Alufolie geschnitten.

Damit ist alles offen. Denn das Lametta hat früher zusammen mit den Kerzen die Gestaltung des Weihnachtsbaums vordefiniert, in die Lücken kam halt der ganze restliche Kram. Doch heute stehen wir vor einem wilden Sammelsurium von Dingen, kreischbunt blinkende LED-Ketten winden sich um die Zweige, die Kinder finden Engel doof und wollen lieber Darth Vader reinhängen oder lauter Einhörner – und was soll das überhaupt, wenn wir doch sowieso am 26. auf die Malediven fliegen? Das alles verlangt nach der Hand des Experten – gibt’s da nicht auch jemanden bei McKinsey?

Immerhin haben wir eine zeitgemäße Internetlösung, nämlich die Treegonometry. Einfach die Höhe des Baums eingeben, dann spuckt der Rechner, programmiert von Studenten der Universität Sheffield, die erforderliche Anzahl von Kugeln, die Länge der Lichterketten, die genaue Höhe des Sterns an der Spitze sowie, tatsächlich, sogar die Lamettalänge aus, die sich angeblich nach der Formel „13 mal Pi geteilt durch 8 mal Baumhöhe in Zentimeter“ bemisst. Follow the Science!

Zugegeben: Das ist alles ziemlich technokratisch, und es berücksichtigt nicht mal Kerzen, die in Deutschland traditionell die romantische Hauptlast zu tragen haben. Und wir haben andere Fragen zu klären: Darf der Baum überhaupt schon vor Heiligabend aufgebaut werden? Und muss er Silvester wieder weg – oder erst zum Dreikönigstag?

Banale Fragen, aber wir bewegen uns hier im Kernbereich der christlichen Leitkultur, die angeblich von so vielen Seiten bedroht wird. Halten wir also fest: Weihnachten bleibt Weihnachten. Das Fest wird nicht in „Winterfeier“ oder „Geflügeltes Sternenfest“ umbenannt; nicht einmal der Weihnachtsmann, der mit christlicher Tradition so wenig zu tun hat wie der Osterhase, muss um seinen Namen fürchten. Und wer uns knapp „Schöne Feiertage!“ wünscht, der will damit nicht unsere Leitkultur auslöschen. Sondern ist vermutlich einfach zu faul, „Weihnachtsfeiertage“ zu sagen.

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