Berlin : Trophäenjagd unterm Funkturm

Autogramme, Fotos und Musikpreise: Bei der Echo-Verleihung kamen die Stars wie auch die Fans auf ihre Kosten

Nana Heymann

Der Mensch ist lernfähig, auch Jennifer Lopez. Noch auf der Berlinale wusste die Diva mit ihrer Unpünktlichkeit Fans und Journalisten zur Weißglut zu treiben. Bei der Echo-Verleihung am Sonntag im Palais am Funkturm war sie nun als eine der ersten auf dem roten Teppich. In Begleitung ihres Gatten Marc Anthony kam sie für ihren Echo-Auftritt bereits kurz vor 17 Uhr. Danach ging das Schaulaufen der Stars im Minutentakt weiter.

Für den Fahrservice der knapp 500 prominenten Gäste hatte der Autohersteller Volkswagen statt seiner Luxuslimousine den umweltfreundlichen Polo zur Verfügung gestellt. Ein Angebot, das von vielen Künstlern in Anspruch genommen wurde. So ließ sich Jazz-Musiker Till Brönner im Kleinwagen vorfahren und auch die Ulmer Rock-Band „Die Happy“ setzte auf Umweltbewusstsein. Rapper Jan Delay hingegen war der Kohlendioxid-Ausstoß seines Cadillacs egal. Für einen bequemen Chauffier-Service hatten sich die vier Jungs der Teenie-Band Tokio Hotel entschieden: Hinterm Steuer ihres Vans saß Moderator Thomas Gottschalk.

Für die vielen hundert Fans, die sich seit dem Vormittag vor dem Palais am Funkturm versammelt hatten, lohnte sich das Warten. Nicht nur Tokio Hotel nahmen sich Zeit fürs Autogrammeschreiben und Fotografierenlassen, auch Sarah Connor, Patrick Nuo und die No Angels kritzelten geduldig. Für letztere war der Echo einer der ersten großen Auftritte seit ihrer Wiedervereinigung zu Beginn des Jahres. Wiedervereint trafen auch Take That beim 16. Echo ein. Dass sich Robbie Williams dem großen Comeback nicht angeschlossen hatte, schien am Sonntag niemanden zu interessieren.

Auf der Bühne kamen Take That ohne ihren ehemaligen Mitstreiter klar. Vor der Show-Treppe spielten sie ihre neueste Single „Shine“, und Sänger Mark Owen robbte verführerisch auf den Knien über den Mittelsteg, der von der Bühne aus in das Publikum hineinführte. „Ich bin begeistert“, kommentierte Moderatorin Yvonne Catterfeld. Mit Kollege Oliver Geissen führte sie durch die Show. Tapfer lächelte sie auch, als Rapper Bushido seinen Echo in der Kategorie „HipHop national“ entgegennahm. Seine Dankesrede begann er mit den Worten: „Wenn das hier eine Privatparty wäre, dann hättet ihr mich nicht eingeladen.“

Bushido war offensichtlich der einzige Künstler, der sich an diesem Abend nicht willkommen fühlte. Vor allem Pop-Sängerin LaFee freute sich über die Echos, die von der Deutschen Phono-Akademie vergeben wurden. Sie wurde als Newcomerin des Jahres und als beste nationale Künstlerin ausgezeichnet. Als sie die geschwungenen Trophäen entgegen nahm, liefen ihr Tränen über die Wangen. Wesentlich cooler gaben sich die vier Mitglieder der Bautzener Pop-Band Silbermond. Ihre Single „Das Beste“ schaffte es zum Hit des Jahres, darüber hinaus wurden sie als bester Live-Act geehrt. Enttäuscht über sein Abschneiden war Tobias Regner. Der Sänger, der im vergangenen Jahr die Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ gewann, ging trotz zweier Nominierungen leer aus. Seine Mine verdunkelte sich im Laufe der Show zusehends. Auch seine Casting-Kolleginnen Monrose hatten zweimal das Nachsehen. Wenigstens lächelten sie weiter brav in die Kameras.

Höhepunkt der Echo-Show war der Auftritt von Tokio Hotel. Bevor sie sich einen Echo für ihr Video „Der letzte Tag“ abholten, spielten sie vor einem Feuerwerk der Pyrotechnik ihre neue Single „Spring nicht“. Das verunsicherte selbst Oliver Geißen. „Wir versuchen kurz, den Brand da hinten zu löschen“, sagte er nach ihrem Auftritt. Vor lodernden Flammen trat auch Rapper Bushido auf. Weniger gefährlich war die Bühnen-Show von Roger Cicero. Nachdem er als bester nationaler Künstler ausgezeichnet wurde, trat er mit „Frauen regieren die Welt“ auf. Bejubelt wurde auch Sänger Bono. Er nahm einen Echo für sein globales Engagement in Empfang. Cat Stevens, der sich mittlerweile Yusuf Islam nennt, bekam einen Sonderpreis als „Musiker und Botschafter zwischen den Kulturen“. Am Ende dieser 16. Echo-Verleihung hatten also die meisten der anwesenden Gäste ein glückliches Lächeln auf dem Gesicht.

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