Trotz Air Berlin-Pleite : Touristen fliegen weiter auf Berlin

Die Befürchtungen der Branche nach der Insolvenz der Fluggesellschaft haben sich nicht bestätigt. Am langen Wochenende ist es mal wieder richtig voll in der Stadt.

An einem sonnigen Wochenende ist Berlin gefühlt rappelvoll.
An einem sonnigen Wochenende ist Berlin gefühlt rappelvoll.Foto: Gregor Fischer/dpa

Museen besuchen, shoppen, tanzen – oder einfach nur in der Sonne chillen: Berlin freut sich in diesen Tagen über einen riesigen Besucheransturm, der so nicht zu erwarten war. Noch im Februar hatte der Chef der Tourismusmarketinggesellschaft „Visit Berlin“, Burkhard Kieker, vor allzu großen Hoffnungen auf steigende Touristenzahlen gewarnt.

Denn im Gegensatz zu den Vorjahren war die Zahl der Übernachtungen in der Hauptstadt 2017 nur noch gering gestiegen: um 0,3 Prozent auf 31,15 Millionen in Hotels und Herbergen mit mindestens zehn Betten. Bei den Besuchern selbst stieg die Zahl um 1,8 Prozent auf 12,97 Millionen Gäste.

Schuld daran war Kieker zufolge vor allem die Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin. Allein von November 2017 bis Januar 2018 seien dadurch eine Million weniger Fluggäste in die Hauptstadt gekommen und schätzungsweise war jeder vierte von ihnen ein Tourist.

„30 Prozent der Flugkapazitäten lassen sich eben nicht von heute auf morgen ersetzen“, sagte „Visit Berlin“-Sprecher Christian Tänzler am Freitag dem Tagesspiegel: „Letztlich haben Easy Jet, German Wings und andere Fluglinien aber doch schneller als erwartet reagiert.“

Etwa zwei Millionen Touristen zu Ostern

Positiv wirke sich außerdem die neue Schnellverbindung der Deutschen Bahn von Berlin nach München aus, sagt Tänzler. Auch wenn es noch keine offiziellen Besucherzahlen gibt, ist er sicher, dass Ostern ähnlich wie im Vorjahr etwa zwei Millionen Touristen in Berlin waren.

Davon geht man auch beim Hotel- und Gaststättenverband Berlin (Dehoga) aus. „Was die Belegungszahlen anbelangt, so bewegen sich diese seit Jahresbeginn exakt auf dem Niveau des Vorjahrs um die 72,6 Prozent“, sagt Berlins Dehoga-Hauptgeschäftsführer Thomas Lengfelder. „Das galt mit minimalen Abstrichen auch für Ostern sowie für den 1. Mai und Himmelfahrt.“

Man müsse aber auch davon ausgehen, dass bei dem nun sehr hohen Basiswert von 31 Millionen Übernachtungen im Jahr die Zeiten der zweistelligen Zuwachsraten natürlich vorbei seien. Dass Berlin an diesem langen Wochenende nicht nur gefühlt „rappelvoll“ sei, sei natürlich auch dem schönen Wetter zu verdanken.

„Das hilft auch den Händlern und Gewerbetreibenden“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer vom Handelsverband Berlin-Brandenburg, Günter Päts. „Hinzu kommen aber auch noch die verkaufsoffenen sogenannten Brückentage wie der Montag vor dem 1. Mai und der Freitag nach Himmelfahrt. Die nutzen viele Menschen traditionell für Städtereisen mit Shopping-Tag nach Paris, London, Mailand oder eben auch Berlin.“

Für drei oder vier Tage lohne es sich ja nicht, zum Strandurlaub auf die Kanaren oder nach Mallorca zu fliegen, meint Günter Päts. Ein wenig besorgt beobachten manche in der Branche, wie sich der Konflikt um den katalanischen Ex-Regierungschef Carles Puigdemont auf die Zahl der spanischen Berlin-Touristen auswirkt.

Einige nähmen es den Deutschen übel, dass sie Puigdemont nicht an Madrid auslieferten, heißt es. Und die Katalanen wiederum seien sauer, dass ihr „Held“ in Deutschland überhaupt erst festgenommen worden sei.

„Visit Berlin“-Sprecher Christian Tänzler sieht bisher aber keine Hinweise auf eine „Berlin-Müdigkeit“ im In- und Ausland. Die Stadt bleibe an diesem und auch am kommenden langen Pfingstwochenende voll, sagt er: schon allein wegen des DFB-Pokalfinales.

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