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Trotz Corona-Krise : Salafisten wollen nicht auf das Fasten verzichten

Ob das Fasten im Ramadan den Körper schwächt und dem Virus nutzt, ist den Salafisten egal. Der Verfassungsschutz beobachtet eine riskante Haltung.

Salafisten beten auf dem Potsdamer Platz, um gegen eine Kundgebung der islamfeindlichen Partei Pro Deutschland zu protestieren.
Radikaler Protest. Salafisten beten auf dem Potsdamer Platz während einer Kundgebung der islamfeindlichen Partei Pro Deutschland.Foto: imago/Christian Mang

Die Salafistenszene will trotz der gesundheitlichen Risiken in der Coronakrise auf das zentrale Ritual im Fastenmonat Ramadan nicht verzichten. Mehrere Prediger riefen zur Einhaltung des Fastens auf „und dazu, diese Zeit zur Erziehung der Kinder im Sinne ihrer Ideologie zu nutzen“, meldet der Berliner Verfassungsschutz in einer Fortschreibung seiner Analyse zum Verhalten von Extremisten in der Pandemie. Der Ramadan beginnt diesen Donnerstag.

Im Widerspruch zur höchsten religiösen Autorität

Die Szene widersetzt sich mit ihrer rigiden und auch riskanten Haltung den Vorgaben der höchsten religiösen Autorität der sunnitischen Muslime, der vor mehr als 1000 Jahren gegründete Al-Azhar-Universität in Kairo. Diese hatte, wie der Verfassungsschutz betont, die Verschiebung des Fastens angeregt, weil „die Schwächung des Immunsystems während der Pandemie und die darauffolgenden Konsequenzen für Millionen von Muslimen“ befürchtet werden. Die salafistische Szene lehne das strikt ab, da kranke, alte und schwache Menschen ohnehin vom Fasten verschont seien, heißt es in der Analyse. Inzwischen sagt die Al-Azhar-Universität, sie habe die Anregung, das Fasten zu verschieben, auf Corona-Infizierte bezogen.

Virus soll als Waffe verwendet werden

In Einzelfällen gebe es bei Salafisten auch Überlegungen, „das Virus als Waffe zu verwenden und es gezielt weiterzuverbreiten“, berichtet der Verfassungsschutz. Die Krise werde auch „von Einzelakteuren“ mit Schadenfreude aufgenommen. „Insbesondere die Pandemie in China wird wegen des Vorgehens gegen muslimische Uiguren als willkommene Rache Gottes wahrgenommen“, steht im Papier. Andere salafistische Internet-Nutzer freuten sich über die Ansteckung einiger deutscher und anderer europäischer Politiker mit dem Coronavirus. Der Verfassungsschutz beobachtet allerdings auch, dass die Szene die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus als notwendig betrachtet. Dies werde indes „weitestgehend theologisch“ mit zahlreichen Zitaten überlieferter Aussagen und Handlungen des Propheten Mohammed begründet. Stellungnahmen von Bundesregierung und Behörden würden, bis auf wenige Ausnahmen, ausgeblendet.

Linksextremer Anschlag wegen Corona-App

Der Verfassungsschutz erwähnt zudem, wie in früheren Analysen, Hetze und Verschwörungstheorien von Rechtsextremisten und Reichsbürgern sowie die Agitation von Linksradikalen. Genannt wird auch der linksextreme Brandanschlag am 14. April auf Stromkabel in Charlottenburg, der sich gegen die Entwicklung der so genannten Corona-App beim Fraunhofer-Institut für Nachrichtentechnik richtete.

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