Berlin : Ulbrichts Badestelle

Das Hotel Döllnsee ist heute eine exklusive Wellness-Adresse. Früher gefiel es dort, in der Schorfheide, auch Diktatoren

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Diktatoren nutzten ihre Macht immer auch für das eigene Wohlbefinden rigoros aus. Sie suchten sich in der Landschaft die schönsten Plätze, bauten sich Residenzen und sperrten das Gelände weitläufig ab. Das Hotel Döllnsee inmitten der Schorfheide ist dafür ein anschauliches Beispiel. Denn wo sich jetzt Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet am größten zusammenhängenden Waldgebiet Mitteleuropas erfreuen, im Panoramaschwimmbad wohlfühlen und im Wellnessbereich „Traumzeit“ verwöhnen lassen, herrschte jahrzehntelang Ausnahmezustand. Das Gelände am klaren Waldsee war abgeriegelt und streng bewacht.

Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring hatte 1934/35 für seinen „Leibjäger“ Willi Schade ein repräsentatives Gebäude bauen lassen, bevor er es später als Gästehaus für sein nicht weit entferntes Jagdschloss Carinhall am Nordostufer des Großen Döllnsees nutzte. An diesen einst pompösen Landsitz erinnern heute nur einige Berge Schutt und zwei Torhäuser an der ehemaligen Zufahrt. Görings ehemaliges Badehaus allerdings gibt es noch. Dort tummeln sich heute Hotelgäste. Walter Ulbricht ordnete den Transport der Anlage zum Ufer des jetzigen Hotels an. Der einstige DDR-Staatschef verbrachte nach seiner Entmachtung ab 1970 seinen Lebensabend bis zu seinem Tod drei Jahre später dort. Das Gebäude diente als Gästehaus der DDR-Regierung und als Pressezentrum für das Treffen Honecker/Schmidt 1981 auf Schloss Hubertusstock. Dann übernahm die Stasi das Gelände.

Fünf bayerischen Privatunternehmern ist es zu verdanken, dass aus dem Haus ein Vier-Sterne-Wellness-Hotel wurde. Sie kauften das Grundstück von der Treuhand, bauten es bis 1994 um und erweiterten die Anlage. Jüngste Errungenschaft ist die 220 Quadratmeter große „Body Lounge“, die etwa einen asiatisch gestalteten Tatami-Raum und eine exklusive Spa-Suite bietet. Zu den Angeboten zählen Badezeremonien und Gesichtsbehandlungen, Shi-Tao-Ganzkörper- oder Gesichtsmassagen, Aroma-Teil- und -Ganzkörpermassagen, unter anderem mit warmen Lavasteinen.

Das Hotel gehört zu den wenigen Häusern mit speziellen Pflegeangeboten für Männer. „Only for Men“ heißt ein Programm mit Rückenmassagen, Schweben im Wasserbett und Lavaschlamm auf der Haut sowie Gesichtspflege (90 bis 110 Euro). Andere Leistungen zielen auf die Entspannung zu zweit in einem Aromabad und anschließender Gesichtsbehandlung mit Weinhefe aus der Champagne. Das Fitnessprogramm besteht unter anderem aus Radtouren, Nordic Walking und Wanderungen in die zweifellos schöne Umgebung. Die Karte dafür gibt es an der Rezeption. Darauf sollte man nicht verzichten, ist doch die Schorfheide tatsächlich riesengroß – und manchmal auch etwas unheimlich. Ste.

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