Umbau bei Sicherheitsbehörden : Berlins LKA-Chef Steiof zurück im Amt

Christian Steiof war in der Berliner Polizei fast schon abgeschrieben. Nun kehrt der LKA-Chef zurück ins Amt. Die Polizeiführung beschneidet aber seine Macht.

Christian Steiof (links), leitet das Berliner Landeskriminalamt. Er war mehrere Monate krankgeschrieben.
Christian Steiof (links), leitet das Berliner Landeskriminalamt. Er war mehrere Monate krankgeschrieben.Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Chef des Berliner Landeskriminalamtes, Christian Steiof, hat sich nach mehrmonatiger Krankschreibung zurück zum Dienst gemeldet. Der LKA-Chef ist seit Montag wieder im Büro. Auf Anfrage bestätigte die Polizei entsprechende Tagesspiegel-Informationen. Steiofs Rückkehr sei auch als deutliches Signal an die Behördenleitung und an die von Andreas Geisel (SPD) geführte Innenverwaltung zu verstehen, hieß es intern. 

Denn hinter den Kulissen soll die Innenverwaltung in den vergangenen Monaten versucht haben, Steiof - wie auch andere Vertraute der vormaligen Polizeivizepräsidentin und heutigen Generalstaatsanwältin Margarete Koppers im Rahmen eines Umbaus auf den Führungsposten - aufs Abstellgleis zu schieben. Als möglicher Grund dafür wird das Versagen des LKA beim Terroristen Anis Amri angeführt, der den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am 19. Dezember 2016 verübt hatte.

Doch abgeschoben zu werden - das ließ Steiof nicht mit sich machen. Überliefert ist polizeiintern Steiofs Ansage, er wolle sich von Innensenator Geisel und dessen Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) nicht zum Kandt machen lassen – also nicht wie der vormalige Polizeipräsident Klaus Kandt vom Innensenator vom Hof geschickt werden.

Dennoch ist es keine machtvolle Rückkehr für Steiof. In der Polizei gibt es unterschiedliche Stimmen dazu. Einerseits wird betont, es sei ein gutes Zeichen, wenn der Behördenchef zurückkehre. Andererseits steht die Frage im Raum, wie lange Steiof - immerhin seit 2011 im Amt - noch bleiben werde und ob er Berlin den Rücken kehre. 

Denn faktisch wird Steiof teilweise entmachtet. Ab Mitte April bekommt er einen ständigen Vertreter. Polizeipräsidentin Barbara Slowik hatte die Schaffung des neuen Postens vor wenigen Wochen angekündigt.

Mit diesem Führungsmodell an der Spitze des LKA folge Berlin der üblichen Praxis in den anderen Bundesländern, hatte Slowik erklärt. Intern erklärte die Polizeiführung nun: Nicht nur die Entwicklung der Kriminalität und die Ausrichtung des LKA würden eine Doppelspitze erforderlich machen, sondern auch die im deutschlandweiten Vergleich "herausragende Größe" des Berliner LKA.

Oliver Stepien wird ständiger Vertreter von LKA-Chef Steiof

Wie groß der Antrieb in der Polizeiführung war, Steiof einzuhegen, der als eigener, unabhängiger Kopf und ausgezeichneter Kriminalist gilt, zeigt eine andere Personalie. Steiof wird als ständiger Vertreter Oliver Stepien zur Seite gestellt. Das ist bemerkenswert: Denn gerade erst war Stepien, vormals Chef der Abteilung der Spezialeinheiten beim LKA, zum neuen Stabsleiter von Polizeipräsidentin Slowik ernannt worden. Am Donnerstag, vier Tage nach Steiofs Rückkehr, erklärte die Polizeiführung in einer internen Mitteilung, dass Stepien den Vertreter-Posten jetzt zunächst kommissarisch übernehme.

Slowik verschafft sich mit Stepien einen Zugriff - und direkte Kontrolle der LKA-Führung. Stepien sollte eigentlich die Lücke füllen, die durch den Aufstieg von Marco Langner zum Polizeivizepräsidenten im Herbst 2018 in der Führungsriege gerissen worden war. Wenn Stepien am 15. April auch formell der Posten des ständigen Vertreters von LKA-Chef Steiof übertragen wird, soll in Slowiks Stab keine Vakanz entstehen. Neuer Stabschef im Präsidium wird kommissarisch Thomas Dublies. Er hatte in den vergangenen Jahren die "Taskforce Schießstände" geleitet.

Steiof einfach in den Ruhestand oder auf einen anderen Posten zu versetzen, wäre aber ohnehin nicht einfach gewesen. Gleichwertige Stellen - Besoldungsstufe B3 mit monatlichem Sold in Höhe von 7.533,59 Euro - sind in der Landesverwaltung rar.

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