• Umstrittener Film über Erziehung: Fachverbände kritisieren Filmdoku „Elternschule“

Umstrittener Film über Erziehung : Fachverbände kritisieren Filmdoku „Elternschule“

Zwei wichtige Berufsfachverbände der Psychologen und Psychiater nehmen Stellung zu den im Film "Elternschule" gezeigten Behandlungsmehtoden.

Nach der Filmdoku "Elternschule" über Therapien in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Einrichtung aufgenommen.
Nach der Filmdoku "Elternschule" über Therapien in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen hat die Staatsanwaltschaft...Foto: Zorro Film/dpa

Der umstrittene Film „Elternschule“ und die darin gezeigten therapeutischen Praktiken der Gelsenkirchener Kinder- und Jugendklinik haben nun auch zwei wichtige Berufsfachverbände zu öffentlichen Stellungnahmen bewogen.

Die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) sowie die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) kritisieren, dass die in dem Film gezeigten therapeutischen Methoden nicht dem aktuellen Stand der „wissenschaftlichen Verfahren“ entsprächen.

Im schlimmsten Fall werde den Kindern mehr geschadet als geholfen

Die DGKJP betont, dass es sich bei dem Film „Elternschule“ nicht, wie man angesichts des Titels „irrtümlicherweise denken könnte, um einen Erziehungsratgeber“ handele. „Die in dem Film dargestellten Behandlungsmethoden zum Üben von Trennungssituationen und zur Schlafanbahnung“ wertet der Verband als „klinisch und ethisch bedenklich“. Sie könnten „im schlimmsten Fall dem Kind mehr schaden als nutzen“.

Der Vorstand der DGSF kritisiert, dass das im Film dargestellte Programm der Klinik Themen wie Feinfühligkeit, Empathie und „Reflective Parenting“ außer Acht zu lassen scheine. Das sei „bemerkenswert in einer Zeit, wo unter anderem die Bindungsforschung“ konsequente Wege finde, um familiäre Beziehungen zu stärken. Eine „Unterwerfung“ als pädagogischen Erfolg darzustellen, hält die DGSF „für zweifelhaft“ und zeigt sich verwundert, dass die Klinik ihre nach eigenen Angaben hohe „Erfolgsquote“ nicht durch publizierte Studien belegen könne.

Zuletzt hatte die Staatsanwaltschaft aufgrund der Anzeige eines Arztes Ermittlungen gegen die Klinik eingeleitet.

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