Umstrittener Politiker : Vielen Dank für die Kornblume

Die Linken-Abgeordnete Anne Helm hat die "Blaue Kornblume" des aus der AfD-Fraktion ausgeschlossenen Andreas Wild verkauft. Das Geld will sie spenden.

Andreas Wilde (AfD) mit einer Kornblume im Parlament.
Andreas Wilde (AfD) mit einer Kornblume im Parlament.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Diesen Triumph gönnten sie ihm nicht: Nachdem der aus der AfD-Fraktion ausgeschlossene Andreas Wild durch das wiederholte Tragen der als Symbol österreichischer Nationalsozialisten geltenden "Blauen Kornblume" für Schlagzeilen gesorgt hatte, drehte Anne Helm den Spieß um.

Am Montag tauchte die seit Monaten verschwundene Blume plötzlich nämlich wieder auf: Per Twitter informierte die Linken-Abgeordnete darüber, dass die inzwischen in Epoxidharz eingegossene Blume versteigert worden sei. 320 Euro hatte die Auktion eingebracht. Das Geld geht an die Initiative zur Aufklärung des Mordes an dem 2012 in Neukölln erschossenen Burak Bektas.

Helm, die die Blume ein „Symbol des Faschismus“ nannte, rechtfertigte die Aktion damit, dieses Symbol in sein Gegenteil – „ein Symbol des Antifaschismus“ - verkehrt zu haben. „Die Intention war, dem Ganzen eine neue Verwendung zu geben“, erklärte die Sprecherin für Medien und Strategien gegen Rechts ihrer Fraktion.

Jemand hat die Kornblume von Wilds Jackett gestohlen

Damit niemand auf die Idee kommt, sich die Blume erneut anzuheften und um ihren „dokumentarischen Zweck“ zu erfüllen, wurde sie in Harz gegossen, erklärte Helm. Versteigert wurde die Blume zusammen mit einem selbst gestalteten „Echtheitszertifikat“. Darauf stand: „Hiermit garantieren wir Ihnen die Echtheit dieses exklusiven Schmuckstücks. Es handelt sich bei dem erstandenen Auktionsobjekt um die Original-Kornblume des Abgeordneten Andreas Wild (AfD).“

Kritik daran, dass die Kornblume ganz offensichtlich vom Jackett des fraktionslosen Abgeordneten gestohlen worden ist, wies Helm zurück. „Ich bin sehr gern bereit, dieses moralische Problem auf mich zu nehmen“, sagte sie und verwies auf einen „anonymen Zuträger“, der „durchaus beherzt“ gehandelt habe.

Wild bekam von Abgeordnetenhauspräsident Wieland zwei Ordnungsrufe für das Tragen der Blume

Der Diebstahl der Blume werde durch den „guten Zweck“ der Versteigerung gerechtfertigt, sagte Helm. Tatsächlich hatte Wild, der die Blume bereits während einer Demonstration in Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome des Jahres 1938 getragen hatte, diese während einer Plenumssitzung des Abgeordnetenhauses am 28. November an den Kragen seines Jacketts geheftet.

Nachdem ihn Abgeordnetenhauspräsident Ralf Wieland (SPD) deshalb mit zwei Ordnungsrufen belegt hatte, zog Wild sein Jackett aus und brachte es aus dem Raum. Kurz darauf muss die Blume von dort entfernt worden sein. Neue Besitzerin der Blume ist Doris Hammer. Die 65-Jährige ist Mitglied der Bezirksverordnetenversammlung in Neukölln und betrachtet diese laut Helm als „Trophäe“.

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