Umweltschutz beim Berlin-Marathon : „Äpfel kaufen wir nur noch regional“

Ob Trinkbecher, Wärmefolien oder Verpflegung: Im Interview erläutert Marathon-Veranstalter Jürgen Lock das Umweltkonzept des Mega-Laufevents.

Becherflut. So sahen manche Straßen noch beim 43. Berlin-Marathon im Jahr 2016 aus.
Becherflut. So sahen manche Straßen noch beim 43. Berlin-Marathon im Jahr 2016 aus.Foto: Gregor Fischer/dpa

Jedes gefeierte Großevent hat auch eine buchstäbliche Kehrseite: den Müll und mögliche Umwelteinflüsse. Beim Berlin-Marathon am vergangenen Sonntag hatte der Sport-Club Charlottenburg (SCC) als Veranstalter deshalb zahlreiche neue Maßnahmen ergriffen, um Abfälle zu vermeiden oder wenigstens recyceln zu können. Dennoch gab es teils Klagen über Müll.

Wir sprachen mit dem Geschäftsführer von SCC EVENTS, Jürgen Lock, über das neue Umweltkonzept und weitergehende Pläne für den Marathon 2020.

Herr Lock, haben sich ihre umweltfreundlichen Initiativen bewährt?
Es hat sich auf jeden Fall gelohnt und erste Erfolge gezeigt. Wenn 47.000 Läufer in der Stadt unterwegs sind und Hunderttausende am Straßenrand jubeln, sind Strategien zum Vermeiden von Müll und zur Ressourcenschonung für uns ja eine riesige Herausforderung. Wir befinden uns in einem Prozess. Dabei ist auch die Achtsamkeit der Teilnehmer und ihr Verhalten entscheidend. Für den diesjährigen Marathon haben wir deshalb ein professionelles Umweltmanagementsystem eingeführt.

Was haben Sie konkret unternommen?
Beispiel Nummer 1 sind rund 800.000 Trinkbecher, die wir entlang der Strecke den Läufern reichten. Noch 2018 wurden diese nach den Versorgungsstationen fallen gelassen und konnten wegen der normalen Straßenverunreinigungen nicht in den Recycling-Prozess gebracht werde. Diesmal bestanden die Becher aus recyceltem Kunststoff.

Zudem warfen viele Läufer die Becher nach dem Gebrauch in unübersehbar bereitstehende Recyclingtonnen. Nun werden die Becher also in den Material-Kreislauf zurückgeführt. Bereits Stunden nach dem Marathon war doch im Stadtbild nach der Reinigung kaum noch etwas zu sehen.

Jürgen Lock ist Geschäftsführer von SCC Events, dem Veranstalter des Berlin-Marathons 2019.
Jürgen Lock ist Geschäftsführer von SCC Events, dem Veranstalter des Berlin-Marathons 2019.Foto: SCC

Was war noch neu?
Zur Ressourcenschonung bekamen die Läufer erstmals Wärmefolien aus Recycling-PET, also aus wiederverwertetem Kunststoff. Wir waren aber auch bemüht, im Zielgebiet größtenteils sortenrein zu trennen und Abfall überhaupt zu vermeiden...

...auf welche Weise?
Wir ließen keine Luftballons mehr aufsteigen. Außerdem bieten wir seit einiger Zeit eine Alternative zu den tausenden Plastiksäcken an, die bisher am Start als Kleiderbeutel dienten. Wer am Sonntag in alter, wärmender Trainingskleidung kam, vor dem Start die abgetragenen Sachen zur Seite warf, bekam am Ziel für die Heimfahrt gratis einen wärmenden Poncho. Das wurde gut genutzt.

Zudem konnten wir, wie im Vorjahr die alten Kleidungsstücke einsammeln und Charity-Organisationen zur Verfügung stellen. Bis wir genau wissen, wie alle Initiativen ankamen, dauert es aber noch. Die Ergebnisse sind wichtig. Sie helfen uns, für 2020 noch besser zu planen.

Wie erfolgt die Auswertung?
Unser EMAS-Umweltmanagementsystem wird von der EU und vom Land Berlin gefördert und mit Hilfe der Industrie- und Handelskammer zertifiziert. Lediglich 30 Unternehmen in Berlin arbeiten derzeit mit dem aufwendigen Managementsystem.

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Es geht um vielerlei Details. Verteilte Äpfel werden nur noch regional eingekauft, es gibt ausschließlich Bio-Bananen und das bisherige Print-Magazin mit Marathon-Impressionen erscheint nur noch digital. Das spart 10 Tonnen Papier und CO2-Emissionen beim Heft-Versand.

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