• Unternehmer wollen mehr Langstreckenverbindungen: Aus Berlin direkt nach Korea oder Japan fliegen
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Unternehmer wollen mehr Langstreckenverbindungen : Aus Berlin direkt nach Korea oder Japan fliegen

80 Prozent der Berliner Unternehmen haben Geschäftsbeziehungen im Ausland. Daher wünschen sie sich bessere Flugverbindungen vor allem auch nach Asien.

Der Flughafen Berlin Tegel
Der Flughafen Berlin TegelFoto: dpa/Christoph Soeder

Es geht um Kunden, Kosten und bessere Kooperationen: Drei von vier Berliner Unternehmen sind einer neuen Umfrage zufolge der Meinung, dass es mehr Langstreckenverbindungen von und nach Berlin und in die Region geben müsste.

Derzeit werden lediglich sieben direkt aus Tegel angeflogen – New York, Philadelphia, Toronto, Katar, Singapur, Peking und Ulan Bator – und das bei 1,55 Millionen Geschäftsreisen, die Unternehmen im vergangenen Jahr unternommen haben.
„Das kostet Zeit, Geld und zudem ist das Umsteigen für die Umwelt noch schädlicher“, sagte die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK), Beatrice Kramm, am Mittwoch.

Zusammen mit dem Geschäftsführer von Visit Berlin, Burkhard Kieker, stellte sie die gemeinsame Initiative für mehr Langstreckenverbindungen aus der Metropolenregion vor. Mit einem kleinen Verweis auf die Tesla-Ansiedlung betonte Kramm, wie wichtig es ihr sei, die „Metropolenregion“ zu erwähnen, da es sich um eine gemeinschaftliche Initiative mit Brandenburg handelt.
Die insgesamt sieben Partner hatten 150 Unternehmen mit 14. 000 Mitarbeitern aus der Region befragt.

Das Ergebnis: 80 Prozent haben Auslandsbeziehungen, die meisten wünschten sich mehr und bessere Verbindungen – besonders nach Asien, da viele Unternehmen dort ihre Aktivitäten haben oder ausbauen wolle. Konkret hätten sich in der sogenannten Potenzialanalyse vier Städte als wichtigste Destinationen für die Befragten herausgestellt: Schanghai und Tokio in Asien sowie Chicago und Washington in den USA, erläuterte Kieker.
Das Dilemma aus Sicht der Initiative: Viele Airlines, insbesondere im asiatischen Raum, würden Berlin gern direkt anfliegen, „aber es fehlt an entsprechenden Luftverkehrsrechten“, sagte Beatrice Kramm.

Die Fluggesellschaft "Emirates" hat derzeit keine Rechte Berlin anzufliegen

Hier sei die Bundespolitik gefordert, im Sinne der Region zu handeln. Kieker ergänzte, dass gerade erst Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum aus Dubai angekündigt hatte, dass er bereit sei, eine andere deutsche Destination aufzugeben, um stattdessen Berlin anzufliegen. Die staatliche Fluggesellschaft „Emirates“ aus Dubai habe derzeit keine Rechte, Berlin anzufliegen, da wegen des aktuellen Flugverkehrsaufkommens alle Frequenzen ausgeschöpft seien.

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Dass Berlin als Hauptstadt Deutschlands bessere und weitere Direktverbindungen brauche, steht für Claus Biernoth, Präsident der First Sensor AG, „außer Frage“.

Neben sechs Standorten in Deutschland hat das 1000 Mitarbeiter große Unternehmen Vertriebs- und Produktionsstätten in acht Nationen – darunter auch China, Japan, Korea, die USA und Kanada. Der Sensorikhersteller arbeite weltweit mit Kunden in Metropolen wie Shenzen, Seoul oder Tokio zusammen.
Um Berlin als attraktiven Wirtschaftsstandort für Start-ups und Großkonzerne zu stärken, brauche es eine dringend verbesserte Anbindung.

Beatrice Kramm: Wahrscheinlichkeit der BER-Eröffnung liegt bei 100 Pozent

In seinem Unternehmen seien im vorigen Jahr Reisekosten von einer halben Million Euro angefallen, „auch deshalb, weil wir nicht direkt, sondern über andere Städte fliegen mussten“, bemängelt Biernoth.
Das sieht Björn-Frederic Limmer vom Lasertechnologie-Hersteller „Limmer Laser GmbH“ ähnlich. „Die geringe Zahl der Langstreckenverbindungen der Hauptstadtregion entspricht so gar nicht der Reputation, die Berlin ansonsten in der Welt genießt.“

Zudem müsse er oft sehr hochwertige, sehr teure Medizintechnik im Reisegepäck mit mehrfachem Umsteigen zum Kunden transportieren, „und dann steht das Gepäck, weil es nicht mitkam, plötzlich am Band in Tunis herum“, schildert er.
Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sagte zu den Forderungen: „Wir sprechen bei Langstreckenflügen über einen klar abgegrenzten Bereich, wo Alternativen nicht möglich sind.

Wenn jemand aus China oder aus den USA nach Berlin möchte, geht es schlecht anders als mit dem Flugzeug.“ Ihr Credo: „Wir müssen uns für Alternativen bei den Kurzstrecken einsetzen und Zubringerflüge bei Langstrecken vermeiden.“
Die Forderungen der Initiative basieren vor allem darauf, dass der angekündigte Eröffnungstermin des BER im Herbst 2020 eingehalten wird. Doch ist das wahrscheinlich? „Es hängt nicht von einem Datum ab, wichtig ist, dass der BER nächstes Jahr eröffnet wird. Ich sehe die Wahrscheinlichkeit bei 100 Prozent“, sagte Beatrice Kramm.

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