Unzureichende Schutzmaßnahmen für Fledermäuse : Naturschutzbund klagt gegen Einheits-Denkmal

Der Baubeginn des Freiheits- und Einheitsdenkmals könnte sich verzögern. der Naturschutzbund möchte mehr Schutzmaßnahmen für Fledermäuse.

Das geplante Einheitsdenkmal
Das geplante EinheitsdenkmalFoto: M. Grimaldi, Hoidn Wang Partner

Der Baubeginn des umstrittenen Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin könnte sich verschieben. Der Naturschutzbund (Nabu) Berlin hat vor dem Verwaltungsgericht Berlin aus ökologischen Gründen eine Klage eingereicht und fordert den sofortigen Baustopp. Im Sockel des Denkmals lebten bisher Wasser- und Zwergfledermäuse und haben ihn als Sommer- und Winterquartier benützt.

Der Bescheid erlaubt es, den Sockel mit einer Plane abzuhängen, damit keine Fledermäuse mehr hinein fliegen und dort ihr Winterquartier beziehen können. Allerdings muss vorher durch eine Begehung festgestellt worden sein, dass keine Tiere mehr im Sockel leben. Die Tiere haben bislang den Sockel auch als Winterquartier benützt. Allerdings haben Fledermäuse viele Ausweichquartierte, sowohl für den Sommer als auch für den Winter.
In dem Gutachten, auf dem der Bescheid beruht, werden als Ersatz-Sommerquartiere 30 Fledermauskästen im Plänterwald gefordert. Für den Nabu stellt diese Forderung keine angemessene Lösung dar. Jutta Sandkühler, die Geschäftsführerin des Nabu Berlin, sagte dem Tagesspiegel, es habe sich bei Untersuchungen herausgestellt, dass Wasserfledermäuse solche Kästen nicht als Sommerquartier annähmen.

In der Region Berlin-Brandenburg habe man bemerkt, dass von 1000 aufgehängten Kästen nur vier von Fledermäusen als Wochenstube genützt worden seien. „Die dauerhafte Zerstörung des einzigen in Berlin bekannten Wochenstubenquartiers von Wasserfledermäusen verlangt einen zeitnahen und wirksamen Ersatz schon zum Zeitpunkt des Baubeginns“, fordert auch Rainer Altenkamp, der Vorsitzende des Nabu Berlin. „Im Ergebnis erlaubt der Bescheid eine Zerstörung des Quartiers ohne Ersatz und ist damit grundsätzlich rechtswidrig.“
Die Senats-Umweltverwaltung hätte vorab klären müssen, ob die vorgeschlagenen Ersatzquartiere wirklich ihre Funktion erfüllten. Zudem hätte die Behörde prüfen müssen, ob das Quartier vor Ort hätte erhalten werden können oder ob es in den Nähe an Bauwerken einen angemessenen Ersatz gebe.
Die Senats-Umweltverwaltung hatte Anfang Oktober unter umfangreichen Auflagen eine Baugenehmigung erteilt. Zu den Auflagen gehört auch eine Renaturierung eines Uferstreifenns am Plänterwald, um den Fledermäusen genügend Nahrung zu verschaffen.

Der neue Morgenlage-Newsletter: Jetzt gratis anmelden!