• Urban-Art in Berlin: Nackenstarre garantiert: Beim ersten Mural Fest wird die Stadt bunt

"Teil der kulturellen Identität Berlins"

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Urban-Art in Berlin : Nackenstarre garantiert: Beim ersten Mural Fest wird die Stadt bunt
"Weltbaum I - Grün ist Leben", geschaffen 1975 vom Berliner Künstler Ben Wagin. Bald wird es verdeckt von einem Bürogebäude.
"Weltbaum I - Grün ist Leben", geschaffen 1975 vom Berliner Künstler Ben Wagin. Bald wird es verdeckt von einem Bürogebäude.Foto: Thilo Rückeis

Unterstützt werden die Dixons dabei von der Senatsverwaltung für Kultur, die das Weltbaum-Projekt und eine anschließende Ausstellung über die Geschichte der Berliner Graffitikultur finanziell fördert. „Die Urban Art kann mittlerweile als Teil der kulturellen Identität Berlins betrachtet werden“, erklärt Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

Das wichtige, oft auch soziale Engagement legal arbeitender Künstler wolle er nach Möglichkeit unterstützen. Dazu berief die Senatsverwaltung für Kultur im Sommer 2016 einen „Runden Tisch Urban Art“ ein, der die Berliner Urban-Art-Szene möglichst breit und gleichberechtigt abbilden soll. An dem daraus entstandenen eigenständigen Arbeitskreis wirken auch die Dixons mit.

„Berlin wäre nicht Berlin, wenn Graffiti und Urban-Art nicht wären“, sagt Kimo. Seit den 1970ern wird Straßenkunst für Stadtmarketing verwendet: Allein der Weltbaum taucht auf unzähligen Plakaten auf. Andere Wandbilder und Graffiti zieren Reiseführer über die Hauptstadt.

„Die Bilder werden benutzt, aber nicht geschützt“, beklagen die Dixons, und wollen sich so auch für die Beständigkeit der Wandbilder einsetzen. Parallel steigt die Anerkennung urbaner Kunst: Neben „The Haus“ eröffnete im vergangenen Jahr auch das „Urban Nation Museum for Contemporary Urban Art“ in Schöneberg, eine Ausstellung mit Werken des britischen Graffitikünstlers Banksy lockte monatelang Berliner und Touristen ins Bikini Berlin.

Nach der Clubwelle kommt die Urban-Art-Klatsche

Auch in der Wand- und Auftragsmalerei sei der Wandel erkennbar, erklären die Dixons: „Aus der Dienstleistung wird wieder eine Kunst, die Aufträge sind heute viel freier als vor ein paar Jahren“, sagt Kimo. „Jetzt kommt nach der Clubwelle die Urban-Art-Klatsche“, ergänzt er. „Was die Loveparade für den Elektro war, wollen wir mit dem Festival für die Urban-Art-Szene Berlins werden.“

Dabei würde sich die Kunst nicht neu erfinden, hochwertige Graffiti und Urban Art sind bereits seit Jahrzehnten in der Stadt sichtbar. Was allerdings neu sei, sei die Zusammenarbeit mit der Politik. Neben „The Haus“ wurde auch das „Urban Nation Museum“ finanziell vom Senat unterstützt.

Das Mural-Fest sticht jedoch heraus: „Mit über 30 Wandbildern über den breiten Stadtraum verteilt, werden Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich und möglichst barrierefrei öffentlich mit Kunst und deren Produktion zusammengebracht“, sagt Kultursenator Lederer.

Murals - Wandbilder in Berlin
Dieses Motiv an einer Halle kennen S-Bahn-Reisende beim Blick aus dem Fenster in der Nähe des Bahnhofs Warschauer Straße. Liebe Leserinnen, liebe Leser: Senden Sie Ihre Berliner Street-Art-Entdeckungen an leserbilder@tagesspiegel.de!Weitere Bilder anzeigen
1 von 102Foto: Karla Eglau
15.05.2018 12:49Dieses Motiv an einer Halle kennen S-Bahn-Reisende beim Blick aus dem Fenster in der Nähe des Bahnhofs Warschauer Straße. Liebe...

Kritik an ihren Projekten begegnen die Dixons mit Teamplay: „Wir wünschen uns mehr Respekt innerhalb der Szene, es ist doch egal, ob jemand in einer Galerie arbeitet oder illegal“, sagt Kimo. Das Wichtigste sei die Leidenschaft hinter dem, was man tue.

Genau dieser Teamgeist steht auch beim Mural-Fest im Vordergrund: „Das Tolle ist, dass wir in dem Projekt alle zusammenarbeiten und nicht jeder für sich alleine“, sagt Kimo. So ist das Festival auch eine Art Schritt zurück zum Ursprung: Zurück zum ersten Mural Berlins, aber auch zur Loyalität innerhalb der illegalen Graffitigangs. „Wir wollen den alten Crew-Gedanken aufrechterhalten, das Füreinander-einstehen“, erklärt Kimo. „Nur jetzt halt in der Erwachsenenversion.“

Das Mural-Fest beginnt am 5. Mai um 18 Uhr mit der Präsentation des neuen Weltbaums in der Lehrter Straße. Am Pfingstwochenende vom 19. bis 21. Mai endet das Festival mit Partys und Veranstaltungen. Mehr Informationen zu Künstlern und Standorten der Wandbilder gibt es online auf www.berlinmuralfest.de.

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