US-Botschafter in Potsdam : Richard Grenell besucht Woidke – und mag keine Fragen

Zum Klimawandel will sich der neue US-Botschafter beim Besuch mit Dietmar Woidke im GeoForschungszentrum nicht äußern. Fragen der Presse? Unerwünscht.

Richard Grenell (m.), Dietmar Woidke (r.) und Wissenschaftler Frank Flechtner im GFZ.
Richard Grenell (m.), Dietmar Woidke (r.) und Wissenschaftler Frank Flechtner im GFZ.Foto: imago/Martin Müller

Ein erklärter Klimaleugner bei Klimaforschern. Ministerpräsident Dietmar Woidke muss sich einen kleinen Scherz erlaubt haben. Doch genau hier, am Deutsche GeoForschungsZentrum, hat er gemeinsam mit dessen wissenschaftlichem Direktor Reinhard Hüttl US-Botschafter Richard Grenell zu dessen Antrittsbesuch eingeladen. Und so fahren am Freitagmorgen ein halbes Dutzend Polizeiautos, vier Motorräder und mehrere verdunkelte Limousinen auf dem Telegrafenberg vor.

Das Interesse am neuen US-Botschafter ist groß, schließlich gibt sich der Spitzendiplomat gerne undiplomatisch. Zum Amtsantritt im Mai twitterte er in Trump-Manier, deutsche Unternehmen sollten ihre Geschäfte mit dem Iran zügig beenden. Wenig später gab er der rechtspopulistischen Nachrichtenseite Breitbart ein Interview und tat seine Hoffnung kund, dass die neuen Konservativen in Europa stärker werden. Die Empörung folgte prompt.

Woidke schenkt ihm ein Buch über die Geschichte der Erde

Doch an diesem Morgen präsentiert sich Grenell zurückhaltend. Nach einem 45-minütigen Gespräch mit dem Ministerpräsident, darf die Presse in den Besprechungsraum und die Übergabe der Geschenke beobachten: ein Buch über die Geschichte der Erde und Wein aus dem renaturierten Tagebau in der Lausitz. Eine kleine Botschaft. Dann heißt es wieder raus und warten.

45 Minuten später: Woidke, Grenell und Hüttl kommen aus ihrer Besprechung, um das Modell eines Satelliten zu besichtigen. „Es ist so interessant“, sagt Grenell. Ein GFZ-Wissenschaftler erklärt das Messprinzip. „Großartig“, sagt der Botschafter. Er will weiter.

Nur ein Gruppenfoto wird zugelassen

„Mister Grenell, eine Frage“, setzt eine Journalistin an, doch Grenell hat andere Pläne. „Wir sind nur hier, um uns umzuschauen“, sagt er und schreitet in Richtung Einsteinturm. Ein "Bild"-Reporter setzt dem Botschafter nach. Eine Botschaftsmitarbeiterin versucht es noch zu verhindern, greift ihm an die Schulter – vergeblich. Immerhin ein Gruppenfoto wird zugelassen.

Die Sprecherin der Botschaft beschwert sich über die unverschämte Presse

Während die drei Männer im Turm verschwinden, beschwert sich die Sprecherin der Botschaft beim Sprecher der Staatskanzlei über die unverschämte Presse. Um erneute Fragen zu verhindern, fahren die Wagen der Botschaft schon einmal vor. Wenig später verabschiedet sich der Botschafter, dreht der Presse den Rücken zu und eilt zur Limousine. Der "Bild"-Reporter gibt nicht auf. „Haben Sie über den Klimawandel gesprochen“, fragt er während sich vor ihm bereits Bodyguards aufbauen. Grenell lächelt, sagt es sei eine schöne Tour gewesen und steigt ins Auto. 

Gesprochen wurde auch über die Beziehungen zu Russland

Woidke und Hüttl immerhin bleiben. Man habe über wirtschaftliche Verbindungen, Wassermanagement und die Beziehungen zu Russland gesprochen. „Es gibt natürlich Diskussionen beim Thema Klimawandel“, sagt Woidke. Was Grenell zu dem Thema gesagt hat, will er nicht sagen. „Wir haben untereinander geredet. Er wollte kein Pressestatement geben und ich werde aus einem internen Gespräch nicht berichten.“ Am Rand nimmt die Sprecherin der US-Botschaft alles auf.

Ein paar Stunden später trudelt noch eine Pressemitteilung der US-Botschaft ein – mit Zitaten von Grenell.

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