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Verdi fordert von BVG drei Urlaubstage mehr: Drohen Berlin bald wieder Streiks bei Bus und Bahn?
Im Frühjahr streikten die Fahrer der Berliner Verkehrsbetriebe tagelang. Schon in wenigen Wochen beginnt der nächste Tarifstreit. Am Donnerstagmittag hat die Gewerkschaft ihre Forderungen übergeben.
Stand:
Neues Jahr, neue Streiks? Am Donnerstag übergab die Gewerkschaft Verdi der BVG ihre Forderungen für die nächste Tarifrunde. Die zentrale Forderung darin: drei Urlaubstage mehr für alle Beschäftigten, also insgesamt 33 Tage. Von der BVG gab es am Donnerstag zunächst keine Stellungnahme.
Die Verhandlungen für den nächsten Manteltarifvertrag (MTV) beginnen am 13. Januar. Im MTV sind die allgemeinen Arbeitsbedingungen jenseits des monatlichen Entgelts festgelegt, also Urlaub, Schichtmodelle und Zuschläge. Bei der vorangegangenen Runde zum Manteltarif gab es 2024 bereits Mitte Januar einen ersten Streik, dieser lief aber nur bis zum späten Vormittag. Bis zur Einigung im April mussten Fahrgäste noch einige weitere Streiks hinnehmen, diese waren aber längst nicht von dem Umfang wie Anfang 2025, als es ums Geld ging.
Neuer Verhandlungsführer
Die Verhandlungen mit der BVG führt erstmals Serat Canyurt, nicht der aus den bisherigen Streiks bekannte Gewerkschaftssekretär Jeremy Arndt. Arndt nannte am Donnerstag Termingründe, er sei in anderen Tarifverhandlungen gebunden.

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Dies sind die zentralen Forderungen:
- 33 Tage Urlaub für alle Beschäftigten
- 500 Euro mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage
- Einrichtung einer ständigen Kommission zur Überarbeitung der Entgeltordnung
- Mindestruhezeit auf 11 Stunden erhöhen
- maximale Schichtlänge auf 12 Stunden verringern
- Erhöhung der Zulage für geteilte Dienste auf 20 Euro und Abschaffung geteilter Dienste an Wochenenden und Feiertagen
- Erhöhung der Wendezeit auf 6 Minuten ohne Ausnahme
Canyurt übergab persönlich den Umschlag mit den Forderungen in der Chefetage der BVG in Mitte. Dass niemand vom Vorstand der BVG anwesend war, quittierten die knapp 100 Gewerkschafter mit gellenden Pfiffen. Verdi-Mann Sven Globig sprach von mangelnder Wertschätzung, „der Termin war ja kein Geheimnis“.
Die Stimmung in der Belegschaft nannte Canyurt „emotional“. Zwar sei die Gehaltsrunde Anfang des Jahres erfolgreich gewesen, die Arbeitsbedingungen seien jedoch immer noch schlecht. „Mit mehr Geld gewinnt man Leute, mit guten Arbeitsbedingungen hält man sie“, sagte Canyurt. Der 35-jährige hat bei der BVG Elektroniker gelernt und bei der U-Bahn gearbeitet, seit einiger Zeit ist er hauptamtlich bei Verdi.
500 Euro Urlaubsgeld mehr
Die Forderungen wurden nach einer zweimonatigen Befragung unter den BVG-Beschäftigten formuliert.
Bei der letzten Runde zum Manteltarif setzte die Gewerkschaft unter anderem 30 Tage Urlaub für alle Beschäftigten ohne Staffelung nach Betriebszugehörigkeit durch. Zudem gab es Verbesserungen bei den Pausenzeiten, den Zulagen und 500 Euro Urlaubsgeld für die Jahre 2024 und 2025.
Ungleich härter und aus Sicht der Gewerkschaft erfolgreicher war der Arbeitskampf um mehr Lohn in diesem Frühjahr. Zwischen Januar und März standen Busse und Bahnen bei fünf Warnstreiks insgesamt acht Tage still. Erst durch eine Schlichtung konnte der drohende unbefristete „Erzwingungsstreik“ abgewendet werden.
Verdi setzte 20 Prozent mehr Lohn für die Fahrer durch, ein einmalig hohes Ergebnis. „Wir haben das Maximale herausgeholt für die Beschäftigten“, hatte Verdi-Chefverhandler Jeremy Arndt anschließend verkündet. Die BVG musste eingestehen, dass „die wirtschaftliche Schmerzgrenze überschritten“ worden sei.
In dieser Schlichtung im April war bereits vereinbart worden, dass in der nächsten MTV-Runde über eine Flexibilisierung der Arbeitszeit und die 35-Stunden-Woche gesprochen werden soll. Aus Sicht der BVG sollen die Fahrer künftig weitgehend selbst bestimmen, wie viel sie arbeiten wollen und wie. Schon vor Jahren hatte der BVG-Vorstand angekündigt, dass eine Vier-Tage-Woche nötig sei, um Fahrer zu gewinnen.
Der Abschluss kostete die BVG 140 Millionen Euro. Die deutlichen Gehaltssteigerungen haben auch aus Sicht der BVG einen großen Vorteil: Es fällt dem Betrieb nun deutlich leichter, Fahrer zu gewinnen. Dies hat Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe in den vergangenen Monaten mehrfach gesagt. Zeller-Grothe war auch Verhandlungsführerin in dem Arbeitskampf.
Vor dem Streik hatte Berlin im bundesweiten Vergleich beim Lohn auf dem letzten Platz gelegen. Schon 2022 hatte die BVG wegen Personalmangels die Leistungen im Busbereich gekürzt, diese wurden bis heute nicht zurückgenommen. Bundesweit ist der Personalmangel so groß, dass sich die Unternehmen gegenseitig die Leute abwerben.
Auch in allen anderen Bundesländern wurden am Donnerstag die jeweiligen Tarifforderungen der Tarifkommissionen übergeben. Mit dieser gemeinsamen Übergabe startete die bundesweite Tarifbewegung im öffentlichen Nahverkehr.
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