Verkehr in Berlin : 28.431 Autos wurden 2016 abgeschleppt

Fast 30.000 Autos wurden 2016 in Berlin abgeschleppt. Doch Radfahrer profitierten davon kaum - nur 894 Falschparker wurden von Radwegen entfernt.

Falschparker auf Radwegen sind eine große Gefahrenstelle.
Falschparker auf Radwegen sind eine große Gefahrenstelle.Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Im Jahr 2016 wurden in Berlin 28 431 Autos „kostenpflichtig umgesetzt“, wie die Polizei das nennt. Radfahrer profitierten von dem Abschleppen so gut wie gar nicht. Von „Radverkehrsanlagen“, also von Radwegen oder -spuren wurden genau 894 widerrechtlich abgestellte Autos beseitigt, also nur etwa 3 Prozent. Weitaus häufiger waren Abschleppwagen auf Busspuren der BVG im Einsatz. Hier wurden 5271 Falschparker beseitigt. Den großen Rest der Zahl kann die Behörde leider nicht detailliert aufschlüsseln. So wurden Autos von Kreuzungen abgeschleppt, wo sie Fußgänger behinderten. Sehr viele Autos werden für Veranstaltungen umgesetzt. Allein für den Marathon 2016 wurden 781 Autos umgesetzt an einem Wochenende. Immerhin ist eine Steigerung zu beobachten, 2015 wurden nur 150 Autos von Radwegen geholt.

Zahl der abgeschleppten Autos dürfte 2017 noch steigen

In diesem Jahr dürfte die Zahl deutlicher zunehmen. Denn die Polizei reagiert darauf, dass immer mehr Menschen gefährdend oder behindernd abgestellte Autos direkt bei der Polizei melden und auf eine Reaktion – nicht mit dem Knöllchenblock sondern mit dem Abschleppwagen – bestehen. Testweise hatte der Kreuzberger Abschnitt 52 Ende 2016 begonnen, schneller von Radspuren in drei Straßenzügen abzuschleppen. In den ersten vier Monaten waren 116 Autos in Großbeerenstraße, Dudenstraße und Katzbachstraße beseitigt worden. Die vom Falschparker-Aktivisten Andreas Schwiede angestoßene Aktion werde fortgesetzt, hieß es im Kreuzberger Abschnitt, allerdings werden die Fälle nicht mehr statistisch erfasst. Andere Abschnitte ignorieren die Gefährdung von Radfahrern. So ist die Radspur in der Westfälischen Straße in Wilmersdorf Tag und Nacht zugeparkt.

Das Präsidium unterstützt das Vorgehen. Hauptkommissar Torsten Kühl nannte es „angestrebt und wünschenswert“, dass Falschparker auf Radwegen umgesetzt werden. In der vergangenen Woche hatte die Polizei in einer Sonderaktion Falschparker kontrolliert. An der fünftägigen Aktion beteiligten sich die Busspurbetreuer der BVG und sechs bezirkliche Ordnungsämter. Die für den Montag angekündigte Bilanz ist auch am Dienstag nicht fertig geworden. Dem Vernehmen nach schaffte es die BVG nicht, ihre Zahlen an die Polizei zu übermitteln.

Hinweis: Am Mittwoch korrigierte die Polizei die am Dienstag genannte Zahl von 210 von Radwegen abgeschleppten Autos auf 894. Wie es zu der falschen Angabe kam, teilte die Behörde nicht mit.

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