Verkehr in Berlin : Planung für Tram vom Alex zum Potsdamer Platz ausgeschrieben

Die Tramstrecke vom Alex zum Potsdamer Platz ist eines der umstrittensten Verkehrsprojekte Berlins. Größere Probleme sind bereits jetzt abzusehen, doch die Planer sind optimistisch.

Die Schienen liegen schon mal (können allerdings wohl nicht mehr genutzt werden). 
Die Schienen liegen schon mal (können allerdings wohl nicht mehr genutzt werden). Foto: Mike Wolff

Für eines der umstrittensten Verkehrsprojekte der Stadt hat die BVG jetzt die Planungsleistungen ausgeschrieben: Für den Bau der Straßenbahn-Strecke vom Alexanderplatz zum Potsdamer Platz, die später bis zum Rathaus Steglitz führen soll. Sie gehört zu den Vorhaben des rot-rot-grünen Senats, der das Netz „massiv“ ausbauen will. Angaben zu Terminen und Kosten gibt es noch nicht. Vorgesehen ist ein Baustart in dieser Legislaturperiode, die 2021 endet.

Die nach jahrelangen Planungen vorliegende Vorzugstrasse sieht vor, die Gleise ab dem Knotenpunkt Rathausstraße/Gontardstraße über die Rathausstraße, die Spandauer Straße, den Molkenmarkt, den Mühlendamm, die Gertraudenstraße, den Spittelmarkt und den Leipziger zum Potsdamer Platz zu führen. Die vorläufige Endstelle soll als zweigleisige Kehranlage – ohne Wendeschleife – östlich der Ben-Gurion-Straße entstehen. Die rund 3,5 Kilometer lange Strecke sei – soweit räumlich möglich – als „besonderer , begrünter Bahnkörper“ auszuführen, heißt es in der Ausschreibung.

Gleise liegen schon - doch sie dürfen nicht genutzt werden

Dafür reicht auf der Rathausstraße sowie im westlichen Bereich der Leipziger Straße zwischen Charlottenstraße und Leipziger Platz die Fläche nicht. Zumindest dort müssen sich Autos und Bahnen die Fahrbahn teilen. Wie das aussehen kann, lässt sich schon sehen: Auf 530 Meter liegen zwischen Mauerstraße und Leipziger Platz bereits Gleise.

Der damalige Verkehrssenator Peter Strieder (SPD) hatte sie 2000 für 1,85 Millionen Euro legen lassen – ohne dass es dafür die rechtlichen Voraussetzungen gab. Der Rechnungshof hat den „rechtswidrigen und unwirtschaftlichen Einbau“ in seinem Jahresbericht 2013 beanstandet. Nach derzeitigem Stand müssen die Schienen beim Bau der gesamten Strecke ersetzt werden, ohne dass sie je eine Straßenbahn befahren hat. Zum Teil sind die Gleise ohnehin zuasphaltiert.

Für die gesamte Ansicht klicken Sie bitte auf das rote Kreuz.
Für die gesamte Ansicht klicken Sie bitte auf das rote Kreuz.Foto: TSP

Leipziger Straße als größtes Problem

Einen weiteren Knackpunkt gibt es auf dem Mittelstreifen der Potsdamer Straße. Dort ließ der Senat 2010 für rund zwei Millionen Euro den „Boulevard der Stars“ bauen, obwohl die Pläne für den Straßenbahn-Bau weiter existierten. Die Anlage muss abgerissen werden. Die Verkehrsverwaltung hatte nach Kritik des Rechnungshofes den Boulevard als Zwischenlösung bezeichnet, was die Rechnungsprüfer angesichts der Kosten jedoch nicht gelten ließen.

Verkehrlich gibt es die größten Probleme auf der engen Leipziger Straße am Bundesrat. Vorfahrt für die Straßenbahn soll es durch eine besondere Ampelschaltung geben. Auf der Invalidenstraße, wo sich Autos und Bahnen abschnittsweise auch die Fahrspuren teilen müssen, funktioniere das „im Großen und Ganzen“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Der Verkehr auf der Leipziger Straße werde aber nur fließen, wenn Autofahrer auf die Straßenbahn umsteigen, hatte Staatssekretär Jens-Holger Kirchner von der Verkehrsverwaltung im vergangenen Jahr gesagt. Der ADAC lehnt den Gleisbau wegen der vom Club erwarteten Staus strikt ab. Pläne, die Bahn in einem Tunnel unter der Leipziger Straße zu führen, waren bereits im Vorfeld gescheitert. Auch eine Streckenführung durch parallele Straßen wurde aufgegeben.

Fest steht, dass für die Straßenbahn die Mühlendammbrücke neu gebaut werden muss. Bei der Gertraudenbrücke reicht es nach Angaben von Matthias Tang, dem Sprecher der Verkehrsverwaltung, sie zu „ertüchtigen“. Die Brückenplanungen laufen unter der Regie der Senatsverkehrsverwaltung. Die Planungen für die Mühlendammbrücke haben wegen der Tram-Pläne Priorität erhalten.

Unabhängig von den Schwierigkeiten sind die Planer überzeugt, dass die Neubaustrecke ein „Renner“ im Netz wird – wie die Strecke zum Hauptbahnhof, auf der die Fahrgastprognosen weit übertroffen worden sind.

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