Verkehrsunfallbilanz 2019 : Erneut mehr Unfälle auf Berlins Straßen

Mehr Unfälle, weniger Tote. Die Verkehrsunfallbilanz von 2019 bestätigt den Trend der vergangenen Jahre. Zum Ziel "Vision zero" fehlt Berlin aber noch viel.

Stoßstange an Stoßstange. Im Berliner Verkehr gibt es immer mehr Unfälle.
Stoßstange an Stoßstange. Im Berliner Verkehr gibt es immer mehr Unfälle.Foto: dpa

Mehr Menschen und mehr Autos bedeuten auch: mehr Unfälle. Im Jahr 2019 zählte die Berliner  Polizei 147.306 Verkehrsunfälle. Setzt sich der seit Jahren anhaltende Trend fort, wird in diesem Jahr wohl die Marke von 150.000 übertroffen. In den 1990er Jahren waren 150.000 Unfälle normal, die Zahl  sank dann bis zum Minimum von 121.000 im Jahr 2006.

Mehr Unfälle heißt aber nicht: mehr Tote. 2019 starben 40 Menschen  im Straßenverkehr, fünf weniger als im Jahr zuvor. Allerdings schwankt  diese Zahl sehr: 2017 war mit 36 die niedrigste Zahl seit dem Krieg erreicht worden. Zum Vergleich: In den 90er Jahren war die Zahl noch dreistellig. Eigentlich wollte die Polizeipräsidentin am heutigen Mittwoch die Verkehrsunfallbilanz für 2019 vorstellen. Der Traditionstermin wurde abgesagt, wegen der aktuellen Lage. Am Morgen war unklar, ob jedenfalls die aktuellen Zahlen  veröffentlicht werden.

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Von dem selbst gesteckten Ziel „Vision zero“, also Null Verkehrstote ist der Senat also noch weit entfernt. Auch im Jahr 2019 starben überwiegend „schwächere“ Verkehrsteilnehmer, nämlich 6 Radfahrer und 24 Fußgänger, zudem zwei Motorradfahrer und acht Insassen von Pkw und Lkw. Der Anteil der Schwächeren ist noch einmal gestiegen, nämlich auf den Rekordwert von 75 Prozent. In den Jahren zuvor waren es „nur“ zwei Drittel etwa. In diesem Jahr sieht es ähnlich düster aus. Von den bislang 17 Toten waren zehn Radfahrer und Fußgänger.  

Fahrradaktivisten fordern sicherere Wege

Vor allem Fahrradaktivisten fordern immer lauter sicherere Wege. Nachdem Anfang Februar ein Raser auf der Charlottenburger Kantstraße einen Radfahrer getötet hatte, rufen Initiativen für jeden Montagmorgen zu einer Demo am Savignyplatz auf. In der Kantstraße gibt es Null Infrastruktur für Radfahrer. An der abgesagten Pressekonferenz wollten auch Innensenator Andreas Geisel (SPD) und Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) teilnehmen.

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Im vergangenen Jahr hatte Innensenator Geisel angekündigt, die bislang meist nur im Bezirk Mitte eingesetzte Fahrradstaffel aufzustocken und auf weitere Bezirke auszudehnen. Damit wurde im abgelaufenen Jahr tatsächlich begonnen. Die Fahrradstaffel wird allseits gelobt, Studien der Unfallforschung der Versicherer (UdV) ergaben, dass die Verkehrsmoral gestiegen und die Zahl der schweren Radunfälle gesunken ist.  Schon 2017 hatte UdV-Chef Siegfried Brockmann einen Ausbau der Fahrradstaffel gefordert.

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