Verleihung des Deutschen Filmpreis am Funkturm : Glamour? Aber bitte nachhaltig

Lola goes green: Im Palais am Funkturm wird der diesjährige Deutsche Filmpreis verliehen. Auch Nachhaltigkeit spielt dieses Jahr eine Rolle.

Wer hat noch nicht, wer will noch mal. Die begehrte Trophäe „Lola“ wird über den roten Teppich getragen.
Wer hat noch nicht, wer will noch mal. Die begehrte Trophäe „Lola“ wird über den roten Teppich getragen.Foto: dpa

Der Hinweis, dass die bei den Dreharbeiten eingesetzten Tiere keinerlei Schaden erlitten haben, fehlt heutzutage ja in praktisch keinem Filmabspann mehr. Besonders Hollywood war da lange führend. Früher war man auf Filmsets nicht zimperlich: Man nehme nur Streifen wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder „The Wild Bunch“. In ersterem wird eine harmlose Stubenfliege im Lauf eines Revolvers gefangen gehalten, bloß weil der dazu gehörende Pistolero sich an ihrem Gesumm störte. Im zweitgenannten Film werden Skorpione in ein Ameisennest geworfen, dieses dann in Brand gesetzt – das dürfte heute kein Regisseur mehr wagen.

An ähnliche Versicherungen über das Wohlergehen der eingesetzten Schauspieler und Schauspielerinnen hat bislang niemand gedacht. Nur wenn einer der Stuntleute seinen Auftritt nicht überlebt hat, wird seiner in zwei, drei kurzen Zeilen im Abspann gedacht.

Aber es gibt Fortschritte, auch im deutschen Filmbusiness, die in Richtung Menschenfreundlichkeit, Nachhaltigkeit, Weltverbesserung gehen, mit dem vorerst obersten Ziel, den ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Auch vor einer traditionsreichen Veranstaltung wie der Verleihung des Deutschen Filmpreises, kurz Lola genannt, macht diese ehrenwerte Entwicklung nicht halt: „Deutscher Filmpreis goes green! Auf dem Weg zum nachhaltigen Veranstaltungskonzept“ – so war eine der zahlreichen Mitteilungen im Vorfeld der für Freitagabend geplanten Preisverleihung betitelt, was eine doppelte Mitteilung enthält: Man hat den Willen zur Nachhaltigkeit, aber sie ist noch nicht erreicht.

Sogar der neue Präsident der Deutschen Filmakademie, Ulrich Matthes, ließ sich mit einem selbstkritischen Bekenntnis zitieren: „Wir alle tun noch zu wenig für Nachhaltigkeit, auch ich!“ Es sei höchste Zeit, Verantwortung zu übernehmen. Das gelte „für den Deutschen Filmpreis als Institution, aber auch für jeden einzelnen: Worauf kann und sollte ich im Alltag verzichten?“

Auch eine CO2-Bilzanz wird es geben

Glamourös und gleichzeitig nachhaltig, das sei kein Widerspruch, hieß es vor der Gala, für die doch der übliche Glamour zu erwarten war. Man hat nun schon mal eine Beratungsfirma engagiert, sieht darin den „Beginn eines Weges, den wir über die nächsten Jahre gemeinsam gehen werden“, so Claudia Loewe, Geschäftsführerin der Deutschen Filmakademie Produktion. Eine CO2-Bilanz wird es auch schon geben, bei der die nicht vermeidbaren – also im Umkehrschluss wohl auch die vermeidbaren – CO2-Emissionen der Galas ermittelt werden sollen.

Aber erst einmal wurde gefeiert. Insgesamt 1900 Gäste versammelten sich am späten Nachmittag im Palais am Funkturm, um die Lola, „die wichtigste Frau des deutschen Kinos“, zu feiern. Es ist die 69. Verleihungszeremonie und die 15., bei der die inzwischen knapp 2000 Mitglieder der Filmakademie über die Preisträger abstimmten. „Together we are stronger!“ heißt das englische, schon daher international verständliche Motto der Gala, was schon auf das Moderatorenduo zutraf. Désirée Nosbusch und Tedros Teclebrhan sind als Gastgeber der Show ausgewählt worden, die am späten Abend im ZDF ausgestrahlt wird. Die Lola ist eben nicht der Oscar, der sich eine Übertragung mit Zeitverzug doch verbitten würde.

Wie üblich erhalten die Moderatoren Unterstützung durch Laudatoren und Laudatorinnen, etwa Heike Makatsch, Anna Maria Mühe, Maria Schrader oder Jan Josef Liefers. Einige Preise standen schon vorher fest: Produzent Christian Becker, verantwortlich für über 80 Film- und Fernsehproduktionen, sollte den Bernd Eichinger Preis erhalten. Caroline Link hat mit „Der Junge muss an die frische Luft“ den besucherstärksten Film des Jahres geschaffen: 3,5 Millionen Menschen wollten ihn sehen. Und Margarethe von Trotta soll für hervorragende Verdienste um den deutschen Film ausgezeichnet werden.

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