Verstorbener GSG 9-Ex-Chef : Verein fordert offizielle Würdigung für Ulrich Wegener

Der "Held von Mogadischu" war gebürtiger Brandenburger. Doch eine offizielle Erklärung von der Landesregierung in Potsdam gibt es nicht.

ARCHIV - Der erste Kommandeur der Antiterrorismuseinheit GSG 9, Ulrich Wegener, steht am 14.09.2012 in Bonn während einer Vorführung vor dem ehemaligen Kanzleramt. (zu dpa:"Früherer Kommandeur der GSG 9, Ulrich Wegener, gestorben" vom 03.01.2018) Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Eine offizielle Erklärung von der Landesregierung in Potsdam gibt es nicht. Dabei ist Ulrich Wegener, der verstorbene Gründer der GSG 9, der „Held von Mogadischu“, der 1977 mit einem Kommando die von Terroristen entführte Lufthansa-Maschine „Landshut“ in Somalia stürmte, ein Brandenburger. Geboren wurde er 1929 als Sohn eines Reichswehr-Offiziers in Jüterbog (Teltow-Fläming) und wuchs in der Mark auf.

Dem „Zeit-Magazin“ erzählte Wegener vor einigen Jahren von der „sehr kritischen Zeit“, die er als junger Mann erlebt hat. Er wuchs in der DDR auf und hat nach dem Abitur Flugblätter verteilt. Es waren Flugblätter gegen die Einheitsliste für die Wahlen zur Volkskammer. Wegener wurde verurteilt und saß wegen „gesellschaftsfeindlicher Tätigkeit“ eineinhalb Jahre im Stasi-Knast. Die Zeit hat ihn offenbar nachhaltig geprägt, jedenfalls sei er dadurch ein harter Brocken geworden, teilweise jedenfalls.

„Man hatte uns halb verhungern lassen“

Nach seiner Entlassung habe er, immerhin 1,86 Meter groß, nur noch 60 Kilogramm gewogen. „Man hatte uns halb verhungern lassen“, sagte Wegener. Zahlreiche Mitinsassen seien damals an Tuberkulose erkrankt, einige seien gestorben. „Gerettet hat mich in dieser Situation der Gedanke, dass ich diesen Banditen nicht den Gefallen tun durfte, klein beizugeben. Das war das einzig Richtige.“

1952 flüchtete Wegener, die Mauer stand noch nicht, nach West-Berlin. Die Haft habe ihn dazu gebracht, zum Bundesgrenzschutz zu gehen, für ihn eine „Gegenorganisation gegen das kommunistische System“. Das habe er „gehasst wie die Pest“.

Der Verein Forum zur kritischen Auseinandersetzung mit der DDR-Geschichte in Brandenburg kritisierte, dass Brandenburgs rot-rote Landesregierung Wegeners „vorbildliches Wirken auch nach seiner Todesnachricht“ noch nicht gewürdigt habe.

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