Update

Verwaltung rechnet mit Engpässen : Kitaplätze bleiben in Berlin Mangelware

Die Kitasituation ist angespannt und dürfte sich weiter verschärfen. Doch für Eltern, die keinen Platz finden, gibt es eine Alternative.

In der zweiten Hälfte des Kitajahres könnte die Suche nach Plätzen für Berliner Eltern besonders schwierig werden.
In der zweiten Hälfte des Kitajahres könnte die Suche nach Plätzen für Berliner Eltern besonders schwierig werden.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Berliner Eltern müssen sich darauf einstellen, dass die Suche nach einem Kitaplatz schwierig bleibt: „Mit Blick auf die kommenden Monate muss man davon ausgehen, dass es zu Engpässen kommt“, sagt Iris Brennberger, Sprecherin der Jugendverwaltung. Erfahrungsgemäß sei es vor allem für Eltern, die in der zweiten Hälfte des Kitajahres einen Platz brauchen, schwierig, etwas zu finden. Das Kita-Jahr hat im August begonnen.

Momentan gibt es laut Jugendverwaltung 178 000 Plätze in Kitas und Tagespflegestellen (Stand Juli 2019), das sind rund 7000 mehr als Ende Juli 2018. Zum Start des Kitajahres sind rund 34 000 Plätze freigeworden, vor allem durch Kinder, die in die Schule gewechselt sind.

Momentan gibt es also noch einen kleinen Puffer, allerdings sind mindestens 17 300 Plätze bereits durch neue Kinder belegt, und diese Zahl steigt weiter, weil in den Kitas laufend neue Verträge mit Eltern geschlossen werden.

Der Kita-Bericht 2018, der in dieser Woche vom Senat beschlossen wurde, zeigt, dass sowohl die Zahl der Kinder als auch der Kitas und Fachkräfte steigt. Ende 2018 lebten 262 500 Kinder unter sieben Jahren in Berlin, das sind rund 27 000 mehr als im Jahr 2014. Seit Ende 2018 stieg die Zahl der Kitas von rund 2600 auf jetzt rund 2650. Bei den Fachkräften gab es seit 2014 einen Zuwachs um rund 6000 Vollzeitstellen.

2020/21 werden bis zu 193 000 Kitaplätze benötigt

In den kommenden Jahren wird der Bedarf an Kitaplätzen weiter stark ansteigen. Voraussichtlich werden jeweils mehr Kinder neu in die Kitas kommen als altersbedingt ausscheiden. Den Höhepunkt mit bis zu 193 000 benötigten Plätzen erwartet die Verwaltung zum Ende des Kitajahres 2020/21.

„Es bleibt ein Wettlauf mit der Zeit, mit den Kinderzahlen und dem Fachkräftebedarf Schritt zu halten“, sagt Brennberger. Die Verwaltung arbeite intensiv daran, das Angebot weiter auszubauen. Allein 2019 sollen rund 5000 Plätze geschaffen werden.

Die Situation „bleibt aufgrund der wachsenden Stadt angespannt“, sagte auch Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Der Kita-Bericht zeige aber auch deutliche Fortschritte. Maßnahmen wie die neue Fachkräfteregelung wirkten. Auch gebe es inzwischen eine bessere Ausschöpfungsquote bei den genehmigten Plätzen. Diese Quote betrifft das Verhältnis von genehmigten Plätzen mit Betriebserlaubnis und tatsächlich angebotenen Plätzen. Wegen Baumaßnahmen oder fehlenden Personals können nicht immer alle genehmigten Plätze angeboten werden. Anfang 2018 waren das rund 10 000 Plätze. Im Vergleich zu 2014 sei die Ausschöpfungsquote aber von damals 91,3 Prozent auf 94,5 Prozent im Jahr 2018 gestiegen.

Scheeres verwies auch darauf, dass der Betreuungsschlüssel für Unter-Dreijährige trotz des Fachkräfte-Engpasses im August erneut verbessert wurde. Bei Kindern unter zwei Jahren betreut eine Fachkraft nun rein rechnerisch 3,75 Kinder, bei Kindern zwischen zwei und drei Jahren sind es 4,75 Kinder. Das ist jeweils eine Verbesserung um 0,25.

Babysitterregelung gibt es wieder ab September

Eltern, die nachweislich überhaupt keinen Betreuungsplatz finden und deren Kind einen Rechtsanspruch hat (also ab dem ersten Geburtstag), können sich ab September eine privat organisierte Betreuung finanzieren lassen. Sie können die Kosten erhalten, die das Land für einen Kita-Platz bezahlen würde. Die Summe richtet sich nach Alter und Betreuungsumfang.

Diese Regelung gab es bereits im vergangenen Jahr. Vertreter des Elternbündnisses „Kitakrise Berlin“ hatten kritisiert, dass Eltern bei der „Babysitterregelung“ in Vorleistung gehen und oft lange auf ihr Geld warten müssten. Zudem wüssten viele nicht, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. (mit dpa)

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar