Wie Robert Skuppin seiner Maus die Pfote amputierte

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Volker Wieprecht und Robert Skuppin : Held gegen Hampelmann

Die Idee, über die ersten Male im Leben zu schreiben, angefangen bei der Kindheit bis hin zum Alter, gab es schon länger. „Wir wollten etwas Persönlicheres machen, etwas, das den Belletristen in uns fordert“, sagt Volker Wieprecht. Deshalb kein weiteres Lexikon, sondern ein Buch, das nach einem einfachen, aber bewährten Prinzip funktioniert: Es lässt die Wendepunkte einer Vita Revue passieren, Erlebnisse, die so oder so ähnlich jeder macht. Und so entwickelt sich beim Lesen automatisch ein Film, ein Split-Screen, in dem man seine eigenen Erfahrungen mit denen der beiden Autoren abgleicht: So war das also bei denen, und so war das bei mir!

Es gibt natürlich auch Erfahrungen, die haben die Verfasser exklusiv. So berichtet Robert Skuppin in einer Episode über sein erstes Haustier, wie er als Zehnjähriger eigenhändig eine Amputation vornehmen musste. Seine japanische Tanzmaus Max hatte sich mit dem Bein in einem Wattebausch verheddert, die Pfote entzündete sich, wurde schwarz. Um das Tier zu retten, griff Skuppin zur Nagelschere und schnitt das lädierte Gliedmaß kurzerhand ab, den Beinstummel desinfizierte er mit dem Aftershave seines Vaters. So hatte er es in Abenteuerfilmen gesehen. Max ging es danach tatsächlich besser, behauptet Skuppin heute. Alt wurde die Maus trotzdem nicht. Wenig später wurde sie bei einem Ausflug ins Freie von einer umherstreunenden Katze erlegt, weil Skuppin den oben offenen Käfig einen Moment unbeobachtet ließ.

Ansonsten, betont Volker Wieprecht, komme in dem Buch aber niemand zu Schaden. Intima wurden mit den Beteiligten abgeklärt. Wieprecht, der über seine erste Beziehung schreibt, hat die Geschichte seiner Ex-Freundin vorab vorgelegt, um sich deren Okay zu holen. Wenn jemand den Kürzeren zieht oder sich der Lächerlichkeit preisgibt, dann sind es höchstens die Autoren selbst. „Es geht eher um die Sachen, bei denen wir versagt haben und nicht die anderen“, sagt Wieprecht. Er hat sich eigens für das Buch auch einigen Mutproben unterzogen und zum Beispiel für die Episode „Das erste Mal unter Toten“ der Rechtsmedizin einen Besuch abgestattet, um bei einer Obduktion dabei zu sein.

Ein wenig Auslegungstoleranz sei beim Schreiben durchaus erlaubt gewesen, erzählt Wieprecht. Dabei verweist er auf jenes Kapitel, in dem Skuppin seinen ersten Sex beschreibt. „Robert hat das geschickt geschildert. Was er nicht erzählt hat, sind die ganzen Pleiten, Pech und Pannen, die sich dabei wirklich abgespielt haben.“ Es scheint also noch genügend Stoff für einen zweiten Teil zu geben. Skuppin wirkt jedenfalls nicht abgeneigt: „Der erste Parabelflug, das erste Mal Nacktschnecken essen oder Wasabi in der Nase, alles Sachen, für die wir leider keine Zeit mehr hatten. Das schreit für mich nach einer Fortsetzung.“

Eine Fortsetzung ihrer Zusammenarbeit stellen die beiden auch im Studio in Aussicht. Derzeit befinde sich das Programm noch in einer größeren Umbauphase, sagt Skuppin. „Wenn die vorbei ist, könnte ich mir vorstellen, alle 14 Tage wieder mit Volker zu moderieren. Das ist der Plan.“ Also leidet er gelegentlich doch unter Entzugserscheinungen? Ein bisschen. „Neulich habe ich die Sendung gehört, in der Volker Rainald Grebe zu Gast hatte. Das war richtig, richtig lustig. Da habe ich schon gedacht, dass ich jetzt auch gerne im Studio dabei wäre.“

Volker Wieprecht und Robert Skuppin: „Das erste Mal: Küssen, fliegen, siegen und andere Debüts“ Rowohlt-Verlag, 300 Seiten, 18,95 Euro.

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