• Von Bürgerbeteiligung bis Airbnb: Wie Berlin von Barcelona Digitalisierung lernen kann

Städtische Probleme mit Daten lösen

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Von Bürgerbeteiligung bis Airbnb : Wie Berlin von Barcelona Digitalisierung lernen kann
Francesca Bria, zuständig für die digitale Entwicklung und Technologie in Barcelona.
Francesca Bria, zuständig für die digitale Entwicklung und Technologie in Barcelona.Foto: Matthias Balk/dpa

Aber können Städte solche Probleme alleine lösen?

Nein. Das Problem muss auch auf nationaler und europäischer Ebene angegangen werden. Es ist stark mit anderen Dingen verknüpft. Die Finanzwelt spielt da beispielsweise eine große Rolle. In Barcelona gehören immer mehr Wohnungen inzwischen Banken oder großen Hedge-Fonds wie Blackstone. Und keine Stadt kann alleine gegen Blackstone vorgehen.

Welche Lösungen könnten Städte zusammen finden?

Als vor kurzem in London Uber verboten wurde, gab es eine lebendige Debatte zwischen den Großstädten. Denn TFL, das Londoner Nahverkehrsunternehmen, besitzt ebenfalls viele Daten über das Mobilitätsverhalten in der Stadt. Und wenn man mit diesen Daten zusammen mit anderen Städten wie Helsinki, Amsterdam oder Barcelona arbeitet, kann man nach Alternativen suchen. Wir können die Innovation für eigene neue Transportmodelle aus Europa fördern – und dabei vorsichtiger mit Daten der Bürger umgehen.

Ist es dafür nicht etwas zu spät?

Ja, Europa ist spät dran. Aber wir haben fantastische Universitäten, die besten Verschlüsselungsexperten, die besten neuen Finanztechnologie-Unternehmen. Das Talent ist in Europa. Es ist eher eine Frage von Geopolitik und der Frage, wie Europa sich künftig gegenüber den USA und China positionieren will. Aber ich denke, es ist nicht zu spät. Noch können wir die Kontrolle über Daten und künstliche Intelligenz zurückgewinnen.

Sie meinen eine demokratische Revolution?

Ja, die meine ich. Denn ich glaube es gibt eine Vertrauenskrise der Bürger gegenüber der Politik. Wenn noch mehr Leute Angst haben, ausgeschlossen zu werden, wird das zu noch mehr Aufschwung für rechten Populismus führen. Durch digitale Beteiligung kann Vertrauen zurückgewonnen werden. Wir müssen die digitale Revolution mit einer demokratischen Revolution verbinden.

Welche städtischen Probleme könnte man noch mit Daten lösen?

Inzwischen sind Daten fast überall relevant. Viele öffentliche Dienstleistungen könnten damit verbessert werden. Die Abfallwirtschaft, Wasserversorgung, Parkplatzbewirtschaftung oder öffentliche Mobilität. Zum Beispiel kann man dadurch besser Busse, Trams, U-Bahn und Bike-Sharing zusammenbringen, sodass der öffentliche Nahverkehr für alle besser wird.

Wie viel Geld gibt Barcelona dafür aus?

Wir investieren um die 75 Millionen Euro im Jahr für unser Digitalisierungsprogramm. Es geht aber auch darum, in der Stadtverwaltung die nötigen Kapazitäten aufzubauen. Ich bin gerade dabei, zusätzliche 65 Mitarbeiter in die stadteigene Technologiefirma zu integrieren. Damit sind wir jetzt 300 Personen. Wenn die Verwaltung anpassungsfähiger und effizienter werden soll, ist es wichtig, dass der öffentliche Sektor das notwendige Wissen bei sich selbst aufbaut.

Was empfehlen sie anderen Städten?

Bevor man anfängt, überall Sensoren einzubauen und Systeme einzuführen, ist es wichtig, eine stringente Digitalstrategie zu haben. Damit man weiß, welche Probleme man damit überhaupt angehen will. Technologien können nur helfen, wenn man weiß, wofür man sie benutzen will. Sonst ist man die ganze Zeit dabei Technikprobleme zu lösen, anstatt die drängendsten Probleme wie beispielsweise Wohnungsnot anzugehen.

Und was würden Sie Berlin empfehlen?

Ich denke, es macht es schwer, wenn alle Bezirke unabhängig voneinander unterschiedliche Technologien einkaufen. Man müsste die städtischen Digitalausgaben stärker zentralisieren. Gerade, um Daten in der Verwaltung sinnvoll nutzen zu können ist es wichtig, dass alle an einem Strang ziehen. Es wäre gut, einmal alle Technologien und Systeme aufzuzeichnen, die Berlin derzeit nutzt. Wichtig ist aber auch, eine Art Landkarte aller möglichen Kooperationspartner in der Stadt zu erstellen, egal ob Start-ups, große Firmen, Bürgerinitiativen oder Universitäten. Wenn man es dann noch schafft, mit einigen sinnvollen Leitlinien eine Richtung vorzugeben, die diese Einzelpunkte zusammenbindet, ist es schon halb geschafft.

Francesca Bria wurde in Rom geboren, wo sie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studierte. Sie hält darüber hinaus einen Doktor in Innovation und Design vom Imperial College London. Sie arbeitet als Technologie-Beauftragte der Stadt Barcelona.

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