Von der AfD zur CDU : "Ein Björn Höcke gefällt mir nicht"

Bernward Eberenz ist Bezirksstadtrat für Umwelt und Natur in Neukölln. Im Interview erklärt er, warum er die AfD verließ und zur CDU ging.

Die Neuköllner können schon über den Bürgerhaushalt in ihrem Bezirk entscheiden.
Die Neuköllner können schon über den Bürgerhaushalt in ihrem Bezirk entscheiden.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Bernward Eberenz, 56, ist Bezirksstadtrat für Umwelt und Natur in Neukölln. 2016 war er in die AfD eingetreten, am vergangenen Dienstag gab er seinen Beitritt zur CDU bekannt.

Herr Eberenz, Sie sind im vergangenen Juli aus der AfD aus- und jetzt in die CDU eingetreten. Hat Sie die AfD enttäuscht?
Enttäuschung ist nicht das richtige Wort, es war ja keine Liebesbeziehung. Es waren ganz konkrete politische Vorgänge, bei denen ich eine Grenzlinie ziehen musste. Die Namen kennen Sie: Andreas Wild, als ein Symptom in der AfD. André Poggenburg, Björn Höcke und ihre Zungenschläge. Innerparteilich habe ich das dann noch mal anders wahrgenommen als am Anfang, als ich das nur von außen mitbekommen habe. Da entstanden Nähen und Berührungen, die ich nicht haben wollte.


Gerade im Berliner Landesverband der AfD halten sich viele für gemäßigt und behaupten, Radikale wie Höcke gehen sie nichts an. Wenn das innerparteilich noch stärker wahrnehmbar ist, wie Sie sagen, ist diese Haltung überhaupt glaubwürdig?
Ich weiß, was Sie meinen. Es gibt vernünftige und demokratische Mitglieder in der AfD. Man sollte gerade denen gegenüber keine Berührungsängste haben. Den Standpunkt zu vertreten, die Rammböcke oder Radikalen oder wie man sie nennen möchte, interessieren einen nicht, finde ich schwierig. Mich haben sie eben doch interessiert. Ich muss mir doch überlegen, mit wem ich in einem Boot sitze – wenn die Diskrepanzen zu groß sind, muss ich aus dem Boot aussteigen.


Sie haben sich damals schon von Björn Höcke distanziert. Seine Dresdner Rede, in der er das Berliner Holocaustmahnmal „Denkmal der Schande“ nannte und von einer „dämlichen Bewältigungspolitik“ gesprochen hatte, lag bei Ihrem Austritt etwa sechs Monate zurück. Wieso hat es noch so lange gedauert?
Ich war damals noch sehr kurz in der Partei und stand am Anfang dieser Innenwahrnehmung. Ich habe das erstmal rein personenbezogen gesehen, mir gedacht, ein Björn Höcke gefällt mir nicht. Aber ich hatte auch viele andere kennengelernt, wo ich sagte, da werden Dinge angesprochen, die anzusprechen ich für notwendig halte.

Bernward Eberenz, 56, ist Bezirksstadtrat für Umwelt und Naturschutz in Neukölln.
Bernward Eberenz, 56, ist Bezirksstadtrat für Umwelt und Naturschutz in Neukölln.Foto: privat


Sie hätten auch parteilos bleiben können. Wieso sind Sie in die CDU eingetreten?
Die Zusammenarbeit hier im Bezirk gestaltete sich von Anfang an gut, politisch sachlich. Ich habe erst überlegt, parteilos zu bleiben. Aber es hat auch damit zu tun, eine Basis zu haben, durch die man politisch effektiver arbeiten kann. In der CDU geht sehr viel vor. Alle wissen, dass es Merkels letzte Amtszeit ist. Das spiegelt sich in der innerparteilichen Diskussion wieder. Wir müssen die staatspolitische Vernunft wieder in die Mitte holen. Sie ist in die rechte Ecke geschwatzt worden. Da spricht man von der Wahrung nationaler Interessen und plötzlich ist man ein Rechtsradikaler. Deswegen die CDU.


Wie kam Ihr Entschluss, in die CDU einzutreten zustande?
Angesprochen, ob ich Interesse hätte, wurde ich schon relativ früh. Mit dem Kollegen Falko Liecke bin ich jede Woche in den Bezirksamt-Sitzungen. Irgendwann hat er mich dann gefragt. Grundsätzlich habe ich von Anfang an betont, dass ich, was politische Fragen angeht, das persönliche Gespräch sehr schätze. Politik ist auch die Kunst der persönlichen Begegnung.


Welche Werte der CDU sind auch Ihre Werte?
Das selbstbestimmte Individuum, das frei über sich entscheiden kann, im krassen Gegensatz zum religiösen Totalitarismus, den wir im radikalen Islam vor uns haben. Das ist eine Konfrontation, die man in ihrer Schärfe benennen muss. Ich meine damit nicht alle Muslime, sondern eine Erscheinungsform des Islam, die eine bedrohliche Präsenz bekommen hat. Damit ist ein Kernthema der CDU, innere Sicherheit, aufs engste verbunden.

Glauben Sie, dass Ihnen einige aus der AfD nachfolgen?
Ich könnte mir vorstellen, dass es einige ähnlich empfinden. Wichtig ist, das Phänomen zu begreifen: Die AfD ist nicht ohne Grund entstanden.

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