• Von Jagdtreffen zu veganer Ökomesse: Wie sich die Grüne Woche mit der Zeit veränderte

Von Jagdtreffen zu veganer Ökomesse : Wie sich die Grüne Woche mit der Zeit veränderte

Riesentraktor, Pökelrippe, Insektenmüsli. Ein Blick auf die Geschichte der Agrarmesse und ihrer Angebote.

Verena Mayer
Muuh. Sie sehen zwei, die auf Rolltreppen Kühe halten.
Muuh. Sie sehen zwei, die auf Rolltreppen Kühe halten.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Über vier Meter war er hoch, hatte mehr als 100 PS. Der „Universalschlepper für Feldarbeiten“. Er war das Highlight auf der Grünen Woche, die im Februar 1926 zum ersten Mal in Berlin stattfand. Ein Plakat verkündete: „Ausstellung für den Bedarf der Landwirtschaft und verwandter Betriebe“.

Mehr als 50.000 Besucher kamen damals zum Kaiserdamm, um sich Reitturniere oder Jagdschauen anzusehen. Der Fokus lag auf der Landwirtschaft. Kein Wunder, war Berlin damals doch einer „der größten Guts- und Waldbesitzer Deutschlands“. Über 180.000 Kleingärten und Hunderttausende Nutztiere gab es in Berlin. Acht Jahre nach Ende des ersten Weltkriegs versprühte die Grüne Woche Aufbruchsstimmung.

Vor und während des zweiten Weltkrieges wurde sie von den Nazis instrumentalisiert. 1939, auf der letzten Messe vor dem Krieg, rief eine „Ernährungsuhr“ zur Kalorienersparnis auf – es gab Gemüse statt geräucherte Pökelrippe. 1948, zur Zeit der Berlin-Blockade, wurde sie dann zum Zeichen des Durchhaltewillens der Westberliner.

Hunderte britische und amerikanische Flugzeuge warfen zum Eröffnungstag Waren ab. Die ausgestellten Würste waren zwar zum Teil aus Pappe. Dennoch: Man blickte optimistisch in die Zukunft.

Ab den 50er-Jahren wurde die Veranstaltung internationaler: Es gab die ersten Kiwis – und mit Kanada, den Niederlanden und den USA auch erste ausländische Aussteller. Immer mehr wurde die Grüne Woche zu einer Feier der kulinarischen Genüsse. Der Tagesspiegel nannte sie 1967 deshalb schlicht: „Fressa“. Es gab Mate aus Brasilien, Avocados aus Israel, Grapefruits aus Zypern, die USA warb für, na klar, Tiefkühlkost.

In den Siebzigern kam der Umweltschutz dazu

In den 70er Jahren wurden Pflanzen-, Vogel- und Naturschutz wichtiger. Förster warben unter dem Motto „Berliner Wald – Schutz- und Erholungsraum“ für mehr Umweltbewusstsein bei Wanderungen „ins Jrüne“.

Nach dem Fall der Mauer, 1989, gab es vergünstigte Eintrittskarten und eine Extrahalle für Besucher aus der DDR. Nachdem Berlin jahrelang für die Teilung der Welt in Ost und West stand, hoffte man, auf der Grünen Woche zum Zentrum der west-östlichen Verständigung zu werden.

Wuff. Hundeschau auf der ersten Grünen Woche im Jahr 1926.
Wuff. Hundeschau auf der ersten Grünen Woche im Jahr 1926.Foto: Messe Berlin GmbH

Ab 1998 gab es dann den ersten Bio-Markt; ein Berliner Öko-Bäcker freute sich über die starke Nachfrage nach seinem Brot. Anfang des neuen Jahrtausends kurbelte die Rinderseuche BSE die Nachfrage nach Fleischalternativen an. Aussteller testeten erste vegetarische Gerichte aus. 

In den vergangenen Jahren stellten immer mehr regionale und kleine Anbieter aus. Heute wollen Kunden wissen, wo ihre Milch herkommt, wer ihre ihre Karotten anbaut. Die neuesten Trends: Müsli aus geretteten Bananen, Proteinpulver aus Insekten, Trinkhalme aus Glas. 2020 sind erstmals „Fridays for Future“ dabei.

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