"Es ist ein Bürgermeister"

Seite 2 von 3
Update
Von Klaus Wowereit zu Michael Müller : Der neue Senat legt los
Ach, wie schön. Vom neuen Stadtentwicklungssenator gibt es auch schon die passenden Bilder - quasi ein Muss für alle Regierenden: ein Bild mit süßem Tierbaby!Alle Bilder anzeigen
Foto: Imago
04.12.2014 12:25Ach, wie schön. Vom neuen Stadtentwicklungssenator gibt es auch schon die passenden Bilder - quasi ein Muss für alle Regierenden:...

10.30 Uhr: Kollege Mohamed Amjahid versucht schon wieder, neue Twitter-Hashtags zu platzieren. Ob sein #MiMü aber genauso erfolgreich wird wie #YallaCSU, bezweifeln informierte Kreise. Dazu Amjahid wörtlich: "Michael Müller hat ja auch noch nicht so viel Dummes gesagt - als Bürgermeister." Wir wollen dabei nicht unterschlagen, dass "Zar von Neukölln" (@Zar_NK) am 8. Dezember auch schon einen #MiMü-Versuch unternahm.

10.11 Uhr: Beim rbb wird schon wieder Frühstücksfernsehen zusammengekocht, dabei ist Michael Müller doch gerade mal eine halbe Stunde im Amt und im Parlament ist noch jede Menge los. Mal schauen, was macht denn Phoenix? Thema dort: "Der Schuldensumpf". Da könnte zwar auch Berlin gemeint sein, dem ist aber nicht so. Nur auf n-tv ist Verlass: Dort gibt Wowereit sein wohl erstes Fernsehinterview als Nicht-Mehr-Regierender. Natürlich wird er auch nach dem BER gefragt und antwortet, dieser sei "kein Prestigeprojekt" und "eine der herben Niederlagen meiner politischen Laufbahn". Er vergisst aber auch nicht, zu erwähnen, beim Münchner Flughafen habe der Bau alles in allem 24 Jahre gedauert. Und was hält er davon, dass Müller sein Nachfolger geworden ist? Darüber freue er sich "besonders herzlich", sagt Wowereit, der während des Wettstreits der drei Kandidaten öffentlich nicht Position bezogen hatte. Nun aber verrät er: Raed Saleh und Jan Stöß seien zwar auch sehr gute Kandidaten gewesen, aber mit Müller verbinde ihn nun einmal eine besonders lange gemeinsame Laufbahn und er wünsche ihm "alles, alles Gute". Müller werde seinen eigenen Stil finden müssen und auch finden - und er wünsche ihm eine "erfolgreiche Arbeit für die wunderbare Stadt Berlin".

10.09 Uhr: Gerade bei Facebook gesehen. Udo Wolf überreicht eine Zeichnung des Tagesspiegel-Karikaturisten Klaus Stuttmann. Weißer Rahmen, roter Hintergrund. Klaus Lederer schreibt: "Klaus hat von der Linkspartei in Original einer Stuttmann-Karikatur aus 2002 bekommen.". Ach, übrigens, das möchten wir an dieser Stelle natürlich gleich empfehlen - hier sind die Tagesspiegel-Karikaturen von Klaus Stuttmann. 

Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller wird von einem Spalier von Schornsteinfegern begrüßt.
Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller wird von einem Spalier von Schornsteinfegern begrüßt.Foto: dpa

10.08 Uhr: Vor dem Abgeordnetenhaus parkt ein Rettungswagen, ein Notarzt eilt hinein. Was ist passiert? Der Neuköllner SPD-Abgeordnete Erol Özkaraca stand im Stau, kam sehr spät, hetzte - und stürzte schwer auf der Treppe. Er gab zwar im Saal seine Stimme ab, sieht aber kreidebleich aus. Er wird ins Krankenhaus gebracht. Verdacht auf Knochenbruch. Michael Müller eilt mittlerweile ins Rote Rathaus.

10.02 Uhr: Unterdessen im Newsroom beim Tagesspiegel: Das sei ja wohl das "Last Christmas" der Berliner Politik, sagt unsere Kollegin Melanie Berger über den heute wieder endlos zitierten "... und das ist auch gut so"-Satz von Klaus Wowereit. Melanie Berger ist gerade frisch aus Österreich zu uns gekommen.

9.52 Uhr: Hoffentlich hat Michael Müller zu Hause genügend Vasen im Schrank. Fünf Sträuße nämlich darf er mit heim nehmen.

Klaus Wowereit - die schönsten Karikaturen
26. August 2014Weitere Bilder anzeigen
1 von 13Karikatur: Stuttmann
26.08.2014 11:3626. August 2014

9.51 Uhr: Bald geht's für Michael Müller ins Rote Rathaus, und da wird er erst einmal eine große Treppe hinaufschreiten. Genau dort haben 14 Schornsteinfeger und zwei Schornsteinfegerinnen Position bezogen, berichtet unser Reporter Sven Goldmann. Sie wollen dem neuen Senatschef Spalier stehen. Als Stadtentwicklungssenator war er für die Schornsteinfeger zuständig, sie verabschieden ihn also im alten Amt und begrüßen ihn im neuen. Für Publikumsverkehr ist das Rathaus übrigens momentan geschlossen, nur eine Schulklasse wird gerade herumgeführt. Und natürlich sind jede Menge Journalisten vor Ort.

9.50 Uhr: Bei der Linken hat man sich offenbar am Morgen schon einmal auf eine Sprachregelung geeinigt: "Wir haben keinen Koalitionsvertrag", sagen sowohl Ex-Senatorin Katrin Lompscher und Fraktionschef Udo Wolf auf Fragend es rbb, ob sie Michael Müller unterstützen.

9.45 Uhr: "Es ist ein Bürgermeister." Unser speziell entsandter Live-Tickerer Sidney Gennies hatte beim Twittern einen ganz ähnlichen, aber doch etwas anderen Einfall als wir hier im Newsroom beim Schlagzeilen-Machen.

Die Karriere von Michael Müller in Bildern
Erste Reihe? Nicht immer. Der Regierende mit Klatschpappe bei den Handballern der Füchse.Weitere Bilder anzeigen
1 von 31Foto: imago/Camera 4
10.12.2015 09:54Erste Reihe? Nicht immer. Der Regierende mit Klatschpappe bei den Handballern der Füchse.

9.39 Uhr: Müller legt den Amtseid ab: "Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe." Michael Müller wird die Urkunde überreicht, der Applaus hört ja gar nicht mehr auf. Martin Delius von der Piratenfraktion gratuliert auch gleich - und zwar mit Blumenstrauß. Und wer ist der dritte in der Reihe? Klaus Wowereit, der Müller erstmal knuddelt. Die Schlange wird immer länger. Na, das wird hier jetzt dauern.

9.36 Uhr: Das Wahlergebnis ist da: 87 Ja-Stimmen. 58 Nein-Stimmen. 1 Enthaltung. Viel Applaus. Michael Müller ist damit gewählt. Sein erster Satz: "Ja, ich nehme die Wahl an." Erster Gratulant ist Raed Saleh - der hat's nicht weit, er sitzt ja neben ihm.

9.30 Uhr: Das kann jetzt dauern. Die Namen aller Abgeordneten werden nacheinander aufgerufen, dann wird abgestimmt. Etwa 45 Minuten wird die Wahl dauern. Finanzsenator Ulrich Nußbaum scherzt und diskutiert mit den Kollegen aus der Piratenfraktion, Christopher Lauer und Martin Delius. Klaus Wowereit vertreibt sich derweil die Zeit mit einem Pläuschchen mit Justizsenator Thomas Heilmann. Und Michael Müller? Ist ebenfalls bester Laune. Gibt sich aber noch zurückhaltend. Noch hat das Parlament nicht entschieden. 149 Abgeordnete müssen insgesamt abstimmen.

9.21 Uhr: Der Vorschlag, Michael Müller solle nach Wowereit Bürgermeister werden, stammt offiziell von SPD-Fraktionschef Raed Saleh. "Andere Vorschläge liegen mir nicht vor", sagt Ralf Wieland. Ein Raunen geht durch den Saal. Der Koalitionspartner CDU hielt sich mit einer Empfehlung für Müller offenbar vornehm zurück. Derweil planen offenbar einige Mitglieder der Piratenfraktion Michael Müller mitzuwählen. "Das ist innerhalb der Fraktion jedem Abgeordneten freigestellt", sagt Pressereferentin Annekathrin Ruhose dem Tagesspiegel. "Ein Meinungsbild in der Fraktionssitzung ergab, dass es vermutlich sowohl als auch geben wird." Die Wahl beginnt. Die Abstimmung findet geheim statt. Die Abgeordneten suchen nacheinander die Wahlkabinen auf, die in der Mitte des Plenarsaals stehen.

9.15 Uhr: Ralf Wieland, Präsident des Abgeordnetenhauses, hat übrigens den von ihm und Wowereit geschätzten Liedermacher Klaus Hoffmann erwähnt. Zur rot-schwarz-großen Koalition fällt uns prompt ein Hoffmann-Song ein: „Die Mittelmäßigkeit verhindert jeden Streit.“

Michael Müller ist der neue Regierende Bürgermeister von Berlin - hier zu sehen im Abgeordnetenhaus kurz vor der Stimmabgabe.
Michael Müller ist der neue Regierende Bürgermeister von Berlin - hier zu sehen im Abgeordnetenhaus kurz vor der Stimmabgabe.Foto: dpa

9.07 Uhr: Da ist der Gong! Die Fahnen hängen akkurat an der Wand, los geht's mit ein paar netten Worten von Ralf Wieland, Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses. An die Adresse von Wowereit richtete er drei ganz persönliche Worte vor: "Mach's gut Klaus". Wowereit lächelt, Nußbaum lächelt. Kurze Verneigung des Finanzsenators, Applaus, Applaus. Die Wahlkabinen werden aufgebaut - prompt klappt die erste gleich wieder scheppernd zusammen. Tagesordnungspunkt 1: Wahl des Regierenden Bürgermeisters von Berlin.

8.50 Uhr: Noch zehn Minuten: Das wollen viele Berlinerinnen und Berliner doch lieber mit eigenen Augen sehen: Klaus Wowereit dankt ab. Die Besuchertribüne füllt sich. Aber tut er's auch wirklich? Offiziell wird der Rücktritt erst um 9 Uhr verlesen. Heiß umkämpft: die Plätze in der ersten Reihe.

8.45 Uhr: Aus dem Abgeordnetenhaus twittert für den Tagesspiegel unser Kollege Sidney Gennies. Folgen Sie ihm hier. Hier ein Arbeitsnachweis in einem getwitterten Bild des Kollegen Olaf Wedekind von der BZ. Gennies ganz links.

Mal Kämpfer, mal Komiker: Klaus Wowereit in Bildern
Ein Herzchen zum Abschied. Klaus Wowereit bekam vom Lesben- und Schwulenverband ein praktisches Geschenk zum Abschied.Weitere Bilder anzeigen
1 von 58Foto: dpa
11.12.2014 08:46Ein Herzchen zum Abschied. Klaus Wowereit bekam vom Lesben- und Schwulenverband ein praktisches Geschenk zum Abschied.

8. 38 Uhr: Der Plenarsaal im Abgeordnetenhaus ist noch leer. So wird das natürlich nix mit der Mehrheit für Michael Müller. Die Wahl ist aber auch erst für 9.15 Uhr angesetzt (wie Sie ja auch unserem Termin-Kalender für den Tag entnehmen können). Die Fernsehteams sind schon in Stellung - die Moderatoren üben ihre Ansagen. Offenbar werden heute Vormittag noch viele viele nette Worte über den scheidenden Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit über die Sender laufen. Dessen Bezeichnung als "Sonnenkönig" von Berlin wird noch ein letztes Mal strapaziert. Dagegen sei Müller die "Büroklammer" von Berlin. Wie viel Büroklammer- und wie viel Monarchenqualität in Müller steckt, wird er erst noch beweisen müssen.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

29 Kommentare

Neuester Kommentar