Von Tag zu Tag : Nach oben

Am Mittwoch vor 100 Jahren begann der zivile Flugverkehr. Unser Autor erinnert an ein Stück Luftfahrtgeschichte.

70 Kilogramm konnte das Kampfflugzeug LVG C.IV tragen.
70 Kilogramm konnte das Kampfflugzeug LVG C.IV tragen.Foto: Deutsche Lufthansa AG

Als Kampfflugzeug hatte sich die LVG C.IV nicht besonders bewährt: zu unzuverlässig, zu viele Pannen. Aber sie konnte eine Bombenlast von 70 Kilogramm tragen, wozu noch einmal zwei auch nicht gerade leichte Maschinengewehre kamen – eine Bewaffnung, die nach Ende des Ersten Weltkriegs sinnlos, ja verboten war. Die Ladekapazität aber blieb.

Und so wurde denn der einmotorige, technisch nicht ganz ausgereifte Doppeldecker mit seinen zwei Mann Besatzung kurzerhand für den Zivilverkehr eingesetzt, ebenso wie die AEG J.II, auch dies ein zweisitziger Doppeldecker, ehemals meist als Aufklärer über den feindlichen Schützengräben eingesetzt, eine fliegende Kiste aus Stahlrohrrahmen, Holzspanten und Tuchbespannung, nun ein fliegender Lastesel für Menschen und Gepäck.

Zwischen Berlin-Johannisthal und Weimar gab es den ersten zivilen Luftverkehr

Mit solch einfachem Fluggerät begann an diesem Mittwoch vor 100 Jahren in Deutschland die zivile, auf Flugzeuge gestützte Luftfahrt. Mit Luftschiffen war das schon früher möglich gewesen, nun aber gab es zwischen Berlin-Johannisthal und Weimar den ersten regelmäßigen Linienverkehr für Post und Passagiere. Auf dem Flughafen Frankfurt soll es dazu am Mittwoch eine Festveranstaltung mit den CEOs der deutschen Luftverkehrswirtschaft geben, wie dessen Bundesverband mitteilte. Angesichts der Germania-Insolvenz kein guter Tag zum Feiern.

Am Jubiläumstermin ist aber nicht zu rütteln. Betrieben wurde die Strecke von der Deutschen Luft-Reederei, Vorläufer der Lufthansa, deren noch heute gültiges Markenlogo, den fliegenden Kranich, sie schon bald auf ihre Maschinen malte. Mit dem Linienverkehr erfüllte die DLR zunächst vor allem ein Bedürfnis der Landespolitik: Berlin war die Hauptstadt, aber wegen der dort unruhigen Lage war die verfassungsgebende Nationalversammlung nach Weimar ausgewichen.

Einer der ersten Fluggäste war Reichspräsident Friedrich Ebert

Eine schnelle Kommunikation und ebensolche Reisemöglichkeiten zwischen beiden Städten waren da zwingend, das sollten nun die beiden einmotorigen Maschinen der Luft-Reederei erfüllen. Richtung Weimar wurden auch die Berliner Zeitungen transportiert, dazu kam die Briefpost, die, per Boten sofort ausgetragen, die Empfänger binnen weniger Stunden erreichte.

Auch nutzten die Abgeordneten die neue schnelle Verbindung, und einer der erste Fluggäste war sogar der am 11. Februar 1919 gewählte Reichspräsident Friedrich Ebert. Wenige Monate später wurde die Flugverbindung auch für die Öffentlichkeit freigegeben. In- frage kam dies freilich nur für einen sehr begrenzten Kreis.

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