Von TISCH zu TISCH : La Lucha

Mexikanische Klassiker, neu interpretiert, Cocktails und kleine Gerichte zum Teilen: Ein Restaurant, wie gemacht für junges Publikum

Mexiko modern interpretiert: Das "La Lucha" am Paul-Lincke-Ufer setzt beim Ambiente auf lockere Atmosphäre ohne viel Folklore-Kitsch.
Mexiko modern interpretiert: Das "La Lucha" am Paul-Lincke-Ufer setzt beim Ambiente auf lockere Atmosphäre ohne viel...Foto: La Lucha / promo

Wenn ein Restaurant eine Philosophie anbietet, kann man sicher sein, dass auch ein pädagogisches Konzept für die Gäste vorliegt. Sowas führt leicht zu Trotzreaktionen. Ich muss nicht mehr erzogen werden, schon gar nicht von Kellnern und bestimmt nicht als Gast. Im „La Lucha“ wurde meine übliche Antireaktion deutlich abgefedert von den überaus freundlichen, mit starkem US-Akzent radebrechenden Kellnern. Die machen zwar Fehler, bemühen sich aber aufrichtig, alles, was moniert wird, umgehend gerade zu rücken. Trotz Tischreservierung mitten im wuseligen Raum sitzen? Musste nicht sein, da fand sich auch noch ein Tischchen am Rande.

Dreimal Salsa

Erste Probe: Der Kellner hockt sich hin und stellt zwei kleine Becher auf den Tisch mit einem selbst kreierten Drink aus Ananas- und Limettensaft, Koriander, Minze und Jalapeno. Die sollen vor seinen Augen geleert werden. Als Belohnung stellt er dann drei Salsas auf den Tisch, eine milde schwarze, eine mittelscharfe mit Erdnüssen und eine höllisch scharfe im feuerroten Plastik-Fläschchen.

Die Philosophie des „Sharing“, des Teilens also, wird hier super ernst genommen. Jeder bestellt im Idealfall zwei oder drei Gerichte, die kommen, wenn die Küche eben fertig ist damit, und jedes einzelne muss geteilt werden. Dafür stehen zwei winzige Tellerchen bereit sowie ein Gefäß mit Besteck und Servietten. Dass die Gänge wegen des Sharings kommen dürfen, wann sie wollen und nicht etwa nacheinander als Vor- und Hauptspeise, hat natürlich große Vorteile fürs Küchenmanagement, das hier keinen großen Zwängen unterworfen ist.

Margarita im Weckglas

Die erste Lieferung trudelte noch vor dem Aperitif ein. Die Margarita „El Classico“ kam immerhin bald danach, war aber ziemlich schwierig zu trinken, da sie in Weckgläsern serviert wurde. Ob Drinks in Gläsern mit vorspringendem Rand Sinn machen, bleibt dahingestellt. In der Margarita befanden sich jede Menge zusammengeklebter Eiswürfel, was Kleckern beim Trinken unausweichlich machte. Ein Strohhalm hätte geholfen (7, 90 Euro, mittwochs gibt’s zwei für 10 Euro).

Im "La Lucha" ist Casual Dining angesagt: Kleine Gerichte, die sich an mexikanischen Klassikern orientieren, aber von der Küche einen neuen, zeitgemäßen Dreh bekommen.
Im "La Lucha" ist Casual Dining angesagt: Kleine Gerichte, die sich an mexikanischen Klassikern orientieren, aber von der Küche...Foto: La Lucha / promo

Frisch und limettig schmeckte Ceviche Verde, dicke Doradenwürfel, mit Gurke und Avocado mariniert (8,50 Euro). Danach fiel „Ezcabeche“ etwas ab. Das für Veganer geeignete Gericht bestand aus harten Stückchen Blumenkohl, Rote Bete, Karotten und Avocados, denen man die Poesie der Hibiskusblüte nicht auf Anhieb anmerkte (6,50 Euro).

Sehr gut gefiel mir das zarte Entenconfit in einer kräftigen Aprikosen-Mole, das sich auf zwei knusprige Tortillas verteilte und also bestens geeignet war fürs saubere Sharing (8,90 Euro). Das gestaltete sich bei den drei Fisch-Tacos schwieriger, da das Messer am dritten fast zu scheitern drohte, Ansonsten waren sie klein, aber köstlich, frittierte Fischfinger auf wunderbarem Jalapeno-Ingwer-Aioli, aufgefrischt durch in Limettensaft marinierten Kohl (7,50).

Prima Guacamole

Dass der italienische Naturwein, ein Bellotti Bianco, perfekt zu den Speisen passen sollte, war leider nicht so recht nachzuvollziehen, weil er erst am Ende des letzten Gangs kam. Die Guacamole, die wir angesichts der kleinen Portionen noch nachbestellten, gab’s dann als Entschuldigung sogar „aufs Haus“. Das stückige, mit sehr guten hausgemachten Mais-Chips in einer dickwandigen Schüssel servierte Avocado-Gericht sollte man sich sowieso keinesfalls entgehen lassen. Und der Wein passte tatsächlich gut, er hätte nur kälter sein dürfen (27 Euro). Sehr gut war auch das Dessert, Flan de Queso mit einer fruchtig spritzigen Passionsfrucht-Mezcal-Sauce (5,50 Euro).

Im Laufe des Abends war das Restaurant sehr voll geworden. Die Stimmung an den eng beieinanderstehenden Tischen wurde immer ausgelassener.

- La Lucha, Paul-Lincke-Ufer 39-41, Kreuzberg, Tel. 55200914, geöffnet So-Do 18-22 Uhr, Fr-Sa 18-23 Uhr

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen Tagesspiegel Plus 30 Tage gratis!