Von TISCH zu TISCH : Orania

Gemütlich und eben nicht supernobel ist das Restaurant im heiß diskutierten Hotel am Oranienplatz. Seine feine Küche macht Klassiker zu Lieblingen

Ein bisschen Bistro-, ein bisschen Club-Atmosphäre: das Restaurant Orania im gleichnamigen Hotel am Oranienplatz in Kreuzberg.
Ein bisschen Bistro-, ein bisschen Club-Atmosphäre: das Restaurant Orania im gleichnamigen Hotel am Oranienplatz in Kreuzberg.Foto: Hote Orania / promo

Mozzarella mit Tomate? Ausgerechnet eines der unoriginellsten Gerichte, das man sich ja auch schnell mal zu Hause zurecht schustern kann, in einem der heißesten neuen Restaurants der Stadt probieren? Gerade! Außerdem lachte mich der Teller der Nachbarin so an. Das Restaurant im Hotel ist klein, die Tische stehen so eng beieinander, dass man wie von selbst mit den Nachbarn ins Gespräch kommt.
Nach dem Gang durch die Lobby landet man im hinteren Teil des Erdgeschosses vor einer offenen Show-Küche, in der sich unter Leitung von Philipp Vogel, der sich die Verfeinerung des Elementaren auf die Fahnen geschrieben hat, erstaunlich viele Köche tummeln. Auch das Service-Team ist gut besetzt mit jungen Leuten, deren Freundlichkeit so natürlich wirkt, dass man unwillkürlich denkt, die müssen importiert sein. Vielleicht aus dem Mutterhaus in Elmau?

Klassiker mit Überraschung

Zu den säuberlich entkernten, gehäuteten, festen Tomaten gab es ein leuchtend grünes, japanisch anmutendes Tee-Küchlein aus Matcha-Couscous, obenauf eine Kugel Büffel-Mozzarella der besseren Sorte. Ein Zweiglein Basilikum und einige Quader Tomaten-Gel gehörten auch zum Arrangement. Es schmeckte so gut wie es aussah. Definitiv ein Punkt für den Koch (12 Euro). Ganz köstlich war auch der Salat, fein geschnittene römische Salatherzen und Radieschen, angerichtet in einer Senfcreme, getoppt von Senf-Eis und ein paar Röstzwiebeln. Originell – und lecker! (9 Euro) Wobei auch Tatar vom Büffel, dem sich die Herren am Nachbartisch widmeten, verlockend aussah.

Suchtfaktor Sauce

Dem Winzersekt ließen wir einen gelben Muskateller 2016 von Wohlmut aus der Steiermark folgen. Leider war er zu warm und hatte Mühe, im Kühler auf die notwendige Temperatur herunterzuklettern (34 Euro). Dagegen war der sehr gehaltvolle Winzersekt perfekt temperiert, vermutlich, weil der als Aperitif sowieso populär ist unter den Gästen und uns auch ausdrücklich empfohlen worden war (7 Euro).
Jetzt waren erst einmal die Hauptgerichte dran. Die geschmorte Kalbsbacke war nicht allzu groß, aber sehr zart gegart und unaufdringlich geschmackvoll gewürzt. Ringsum einige lässige Saucenschlieren und dazu junge und alte Zwiebeln, die jungen in Streifen geschnitten, die Erwachsenen zu Körbchen mit winzigen Knusperwürfeln arrangiert. Dazu passten Erbspüree von einer frischen grünen Farbe und die malerisch über den Teller gestreuten einzelnen Erbsen (26 Euro). Gut, dass es einen Löffel gab zu der Ricotta-Amalfi-Zitronensauce, in welcher der in drei feste Stücke zerteilte gebratene St. Petersfisch schwamm. Die war so köstlich, dass ich sie am liebsten aus dem Teller getrunken hätte. Dazu gab es zwei Stangen festen grünen Spargel, was auf jeden Fall hübsch aussah als Kontrast zu all dem Weiß.

Souverän: das Dessert

Auch das Dessert meisterte die Küche souverän: Pflaumen mit Pflaumeneis und Pflaumen-Mascarponecreme, einige Hippen draufgesteckt und reichlich Zimtcrumble drübergestreut. Das schmeckte wirklich abwechslungsreich. Wohl um die nicht eben undeftige Rechnung zu versüßen, brachte der Kellner zwei Schälchen und eine Schatzkiste mit appetitlichen Brocken von weißer, Vollmilch- und Bitterschokolade. Ich probierte alle drei Sorten und bereute es nicht. Beim Rausgehen blieben die Blicke noch ein bisschen hängen auf den flackernden Kerzen – eine lustige Computeranimation. Dass sich ausgerechnet an diesem Haus mal wieder eine Gentrifizierungsdiskussion entzündet hat, ist Quatsch. Kreuzberg war auch zu West-Berliner Zeiten, als die systematische Feinschmeckerei gerade so richtig anfing, schon ein kulinarischer Avantgarde-Ort. Und die Orania-Küche ist nicht supernobel, sondern entwickelt Publikumslieblinge so behutsam, dass sie am Ende noch mehr geliebt werden.

- Restaurant Orania. Hotel Orania, Oranienplatz 17, Kreuzberg, Tel. 69 53 96 80, täglich ab 18 Uhr. Reservierung empfohlen

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