Von TISCH zu TISCH : Weinrot

Ein hübsches Hotelrestaurant mit empfehlenswerter Küche. Könnte allerdings sein, dass man etwas Zeit einplanen muss

Alles sehr gediegen hier, nur in den Sesseln sitzt man etwas tief bei Tisch: das "Weinrot" im Charlottenburger Hotel Savoy.
Alles sehr gediegen hier, nur in den Sesseln sitzt man etwas tief bei Tisch: das "Weinrot" im Charlottenburger Hotel Savoy.Foto: Hotel Savoy/Weinrot/promo

Kann es so simple Fehler wirklich geben? Wer immer die hübschen Sessel im Restaurant Weinrot ausgesucht hat, muss versäumt haben, sie auszuprobieren. Man sitzt am Tisch einfach zu niedrig und fühlt sich daher etwas unbequem. Ansonsten ist der ganz in Rot gehaltene Raum luftig und von angenehmem Ambiente, nur vielleicht einen Tick zu hell ausgeleuchtet, um die große literarische Vergangenheit des Ortes angemessen zu würdigen.

Apartes Geschmackserlebnis

Zu dieser Vergangenheit passt der sehr schöne Winzersekt mit dem treffenden Namen „Ehrenbürger“, den sie hier als Aperitif anbieten (5 Euro). Das Menü, drei Gänge, kostet 41 Euro. Am Ende gefiel mir das Programm à la carte fast besser. Vorweg gibt es zweierlei sehr gutes Baguette-Brot, mit feinem Öl und schmelziger Tomatenbutter. Als Amuse Bouche sendet Küchenchef Enrico König feingewürfelten Tomatensalat mit Fetakäse.
Ein kleines Aromen-Feuerwerk ist ihm mit der Curry-Ingwer-Suppe gelungen, zu der auch Kaiserschoten gehören sowie superzarte Scheiben von der Wachtelbrust, ein wirklich apartes Rundum-Geschmackserlebnis (12 Euro). Etwas blasser war die Hummerschaumsuppe aus dem Menü – trotz exotischer Mangowürfel und sehr gutem Garnelentempura.

Langes Warten

Das Restaurant war vor allem auch aufgrund einer größeren Gruppe ziemlich voll, aber darauf sollte die Küche eigentlich vorbereitet sein. Die Zeit bis zu den Hauptgängen dehnte sich über zwei nicht gerade preiswerte Flaschen Mineralwasser Staatlich Fachinger hinweg (15 Euro). Der Service erkundigte sich zwar, ob alles in Ordnung sei, aber die Küche braucht eben ihre Zeit, um jedem Gericht das ansprechende Finish zu geben.
Nach etwa zwei Stunden war es dann endlich so weit. Zwei mächtige Stücke vom Adlerfisch lagen über Kreuz auf Perlgraupenrisotto im Fenchelsud. Spitzkohl fügte eine behaglich herbstliche Komponente hinzu, und die Granatapfelkerne addierten fruchtige Knackigkeit, die bei so modern angelegten Gerichten schließlich nicht fehlen darf (26 Euro). Das war wirklich sehr gelungen. Auch der Menü-Hauptgang punktete mit internationaler Modernität. Der unter seiner Haut sehr zart zerfallende Kabeljau schwamm in einer fernöstlich inspirierten Zitronengrassauce. Sehr gute, bissfeste Schwarzwurzeln vertraten hier die regionale Solidität, die von Süßkartoffelwürfeln gleich wieder etwas aufgelockert wurde. Korianderöl brachte geschmacklichen Schwung hinein.

Kleine Luftnummer

Das Dessert kam dann wieder deutlich schneller. Panna Cotta hat eine Tendenz zum Laffen, da hilft auch Rosmarin nicht unbedingt, obwohl die Kombination einleuchtend schmeckte. Quittenwürfel und Haselnusseis repräsentierten sehr achtbar die Jahreszeit fruchtig und kalt. Ob sich die angekündigte Luftschokolade in den süßen trockenen weißen Brocken verbarg, war nicht herauszufinden. In ihrer Wirkung erinnerten sie mich ein bisschen an die Stühle, gut gedacht, aber für den Genuss überflüssig. Viel besser war die Mohnmousse, die in Schlangenmustern zwischen Mandelkrokantscheiben geschichtet war. Den Fruchtfaktor brachten meisterhaft ein Pflaumen-Ingwereis und Mangosauce (11 Euro).

Ort mit Geschichte

Es wird immer schwieriger, in der Gastronomie richtig gute Kellner zu finden. Diese hier agierten freundlich professionell bis zum Schluss. Allerdings wäre es schön, wenn sie sich grundsätzlich an die Regel hielten, dass die Differenz zwischen Rechnung und dem, was der Gast ins Mäppchen legt, zurückzubringen ist. Erst, was am Ende liegen bleibt, ist als Trinkgeld zu betrachten.
Ansonsten ist das ein schöner Ort mit einer Stimmung, die an Zeiten erinnert, als Stammgäste wie Thomas Mann und Herbert von Karajan das Dinieren noch als festliches Zeremoniell praktizierten.

- Weinrot, Savoy-Hotel. Fasanenstraße 9-10, Charlottenburg, Tel. 311 03 352, täglich außer Sonntag ab 12 Uhr.

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