Vor 200 Jahren in Neuruppin geboren : Programm für Fontane-Jubiläumsjahr steht

Vor 200 Jahren kam Theodor Fontane in Neuruppin zur Welt. Ab 30. März bis zum Jahresende feiern Brandenburg und Berlin den Autor.

Als ruhender Wanderer mit Stock und Hut wird Theodor Fontane als Denkmal in Neuruppin dargestellt.
Als ruhender Wanderer mit Stock und Hut wird Theodor Fontane als Denkmal in Neuruppin dargestellt.Foto: Foto: Jens Kalaene/dpa

Schräge gelbe Kante, darauf in Schwarz: fontane.200. Das ist das grafische Erscheinungsbild, das die Region für einen großen Teil des Jahres bestimmen wird. Vor 200 Jahren wurde Theodor Fontane geboren. Ein Autor, dessen journalistischer Ansatz ihn auch noch heute aktuell erscheinen lässt, ein Autor, der auch heute noch überall im deutschen Sprachraum gelesen wird, ganz anders als viele gleichermaßen berühmte Zeitgenossen.

Vorgestellt wurde das Programm zum Jubiläum am Mittwoch in der brandenburgischen Landesvertretung in Berlin, aber es ist im Grunde ein fast komplett brandenburgisches Programm. Denn anders als bei den Berliner Feiern zum 100. Todestag Fontanes hat das Bundesland, in dem er geboren wurde, diesmal die Ausrichtung übernommen.

Zentrum der Feiern, die seit drei Jahren vorbereitet werden, ist natürlich Neuruppin – Fontanes Geburtsstadt. In der dortigen Kulturkirche wird der Bundespräsident persönlich am 30. März den Beginn verkünden; am selben Tag wird auch die Leitausstellung im Museum Neuruppin eröffnet. Das offizielle Ende ist für den 30.Dezember vorgesehen.

In sechs „Programmsäulen“ haben die Organisatoren Brigitte Faber-Schmidt (Kulturland Brandenburg), Kurt Winkler (Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte) und Hajo Cornel (Uni Potsdam) den Ablauf organisiert. Die erste heißt „Autor“ und betrifft die Leitausstellung mit zahlreichen Zusatzveranstaltungen, in deren Fokus nach den Worten Cornels nicht der gereifte Romanautor stehen soll, sondern der Journalist, Kritiker und Wanderer.

Fragen wie „Woher hat Fontane seine Ideen?“ oder „Wie entsteht der besondere FontaneSound?“ sollen hier beantwortet werden. 22 Räume im Museum und der ganzen Stadt sollen in „seine Schreib- und Textwelten“ hineinführen.

Die zweite Säule, „Neuruppin“, gibt der Stadt die Gelegenheit, sich mit ihren historischen Gebäuden und Veranstaltungsorten zum Thema zu artikulieren; Mittelpunkt sind die Fontane-Festspiele von 31. Mai bis 10. Juni, also von Himmelfahrt bis Pfingsten, die vom 23. bis zum 25. August mit der Open-Air-Revue „Effi in der Unterwelt“ noch einmal aufgenommen werden.

Jugendliche sollen Fontane-Computerspiele entwickeln

Die dritte Säule sind die Jugendprojekte – besonders wichtig für Hajo Cornel, der darauf hinwies, beim Jubiläum des 100. Todestags sei die Generation 60+ überrepräsentiert gewesen, Besucher also, auf die man heute kaum noch setzen könne. Deshalb wird es im Sommer zwei Jugendcamps geben, in denen Teilnehmer zwischen 13 und 18 Jahren Computerspiele mit Bezug zu Fontane und seinem Werk entwickeln sollen.

Ist Fontane für die Jugend aktuell? Kultusministerin Martina Münch gab sich überzeugt: Nicht nur sie selbst habe eine Abiturarbeit über „Effi Briest“ geschrieben, sondern auch ihre 17-jährige Tochter sei von dem Roman fasziniert. So scheint es zu sein, denn das auf 4000 Teilnehmer ausgerichtete Jugendprogramm sei schon fast ausgebucht, hieß es.

Die vierte Säule sind die Spuren, die Fontane im ganzen Kulturland Brandenburg hinterlassen hat – das betrifft natürlich das Havelland, aber auch Städte wie Frankfurt/Oder und das Oderbruch, aus dem einige seiner faszinierendsten Berichte stammen. Die Organisatoren möchten dabei „liebgewordene Deutungstraditionen“ überprüfen und den Schriftsteller „jenseits eingeführter Lesarten“ zeigen. Am 26.Oktober wird in Cottbus eine eigens zu diesem Anlass geschriebene Oper uraufgeführt, und Schloss Ribbeck im Havelland widmet seine Festspiele im Juni Effi Briest.

Säule fünf, „Bilder und Geschichten“, bezieht nun auch Potsdam mit ein, wo am 6. Juni im Haus der brandenburgisch-preußischen Geschichte eine multimediale Ausstellung eröffnet wird. Sie soll nach den Angaben von Kurt Winkler vor allem die Arbeitsweise Fontanes begreiflich machen, ihn als „Allesnotierer und Vielkorrigierer“ zeigen und schildern, wie seine Texte aus einer Vielzahl akribischer Notizen entstanden sind.

Ziel: "Intensivierung des Brandenburg-Gefühls"

Wichtigster wissenschaftlicher Programmpunkt – Säule sechs – ist schließlich der Kongress „Fontanes Medien“, der vom 13. bis 16. Juni an der Uni Potsdam stattfinden soll, der wohl größte Fontane-Kongress aller Zeiten. Hier geht es zentral um die „Modernität des Medienarbeiters Fontane“ und die fortschreitende Digitalisierung seines Werks.

Angekündigt sind Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, England, Schweden, Russland und den USA mit mehr als 50 Vorträgen. Vorgesehen sind außerdem abendliche Gesprächsrunden über die Biographie als populäres Medium der Klassiker-Rezeption und über „aktuelle Techniken des Notierens“.

Der größte Teil des Programms ist in einer 80-seitigen Broschüre enthalten, die ab jetzt in den wichtigsten Kultureinrichtungen des Landes ausliegt.

Und obwohl der Schwerpunkt der Feierlichkeiten in Brandenburg liegt, finden auch in Berlin ein paar Veranstaltungen statt. Am 28. April wird in der Deutschen Oper „Oceane“ aufgeführt, ein „Sommerstück für Musik in zwei Akten“ des Komponisten Detlev Glanert; Donald Runnicles wird es dirigieren. Das Gotische Haus in Spandau widmet sich von Juni bis September dem Thema „Theodor Fontane und Karl May, und im Märkischen Museum beginnt am 20. September die Ausstellung „Fontanes Berlin“.

Wichtigster Unterstützer der Feiern ist der ostdeutsche Sparkassenverband mit seiner Stiftung, der zum Jubiläum zusammen mit dem Landesinstitut für Schule und Medien ein Bildungsprogramm mit dem Titel „Dem Wort auf der Spur“ aufgelegt hat. Stiftungs-Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm von Rauch äußerte eine klare Erwartung zum Jubiläumsjahr: Ziel die „Intensivierung des Brandenburg-Gefühls“. So sieht es auch die Kulturministerin: „Fontane trägt mit seinem Werk bis heute wesentlich zur Identitätsbildung im Land bei.

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