Vor dem Landgericht : Zwei Prozesse wegen Rezept- und Kunstbetrug

Eine Bande soll mit Rezeptfälschungen rund 2,5 Millionen Euro Schaden verursacht haben. Am gleichen Tag musste sich auch ein Kunstfälscher vor Gericht verantworten.

Symbol der Rechtsprechung: Justitia.
Symbol der Rechtsprechung: Justitia.Foto: picture alliance / dpa

Der Betrug lief jahrelang – auf Rezept. Rund 2,5 Millionen Euro Schaden soll eine mutmaßliche Bande mit Rezeptfälschungen verursacht haben. Vor dem Landgericht begann am Montag der Prozess gegen sechs Angeklagte. Mit Klaus H. ist einer von ihnen vom Fach: Der 53-Jährige betrieb einst selbst eine Apotheke. Weil er das Geschäft „verloren“ habe und dann in finanzielle Probleme geraten sei, habe er sich „zu der Sache mit unechten Rezepten hinreißen lassen“, gestand er nun.

Ein Schwindel, an dem weitere Apotheker beteiligt gewesen sein sollen. H. und seine mitangeklagte 32-jährige Lebensgefährtin hätten Fälschungen bei Edin S. bestellt, einem 49-jährigen Bosnier. Teure und verschreibungspflichtige Medikamente seien erschlichen worden. Laut Anklage ging die Medizin an zwei gesondert verfolgte Apotheker mit Großhandelslizenz - „zu 30 Prozent unter dem Großhandelspreis“. Die Großhändler hätten die falschen Rezepte bei Krankenkassen abgerechnet.

Klaus H. war 2010 mit seiner Apotheke im Berliner Umland gescheitert. Er sei über Edin S. auf das Thema Fälschungen gekommen, sagte er. „Die wesentliche Person, die die Sache ins Laufen brachte, war aber ein Apotheker mit Großhandelslizenz – aus Profitgier.“ Dieser Komplize habe stets um die 70 Prozent kassiert. Der Schwindel sei ihnen leicht gemacht worden, so Klaus H. in seinem weitgehenden Geständnis: „Normalerweise zahlen die Abrechnungsstellen ungeprüft.“ Zuletzt allerdings habe Edin S. wohl auf eigene Rechnung gearbeitet und miserable Fälschungen eingereicht. Seit sieben Monaten befinden sich fünf der Angeklagten in Untersuchungshaft.

Zwei Jahre lang Kunstwerke gefälscht

In einem anderen Fälscher-Prozess sitzt hingegen ein Mann mit echtem Talent – Matthias W. ist zweifelsohne künstlerisch begabt. Leider aber verließ er sich von Oktober 2015 bis Anfang 2017 nicht auf die eigene Kreativität. Der 46-Jährige malte fremde Kunstwerke ab – teilweise aus einer Zeitschrift. Die Fälschungen habe er verkauft, in zwölf Fällen Käufer mit angeblich echten Werken von Jeanne Mammen, Albert Weisgerber, Eduard Thöny oder Schmidt-Rottluff getäuscht.

Außerdem soll W., der gelernter Koch ist und sich als Autodidakt in die Kunst eingearbeitet hat, wertlose Fotografien mit gefälschten Stempeln "aufgewertet" und verkauft haben. Insgesamt soll Matthias W. rund 86 000 Euro kassiert haben. In einer zweiten Anklage geht es zudem um Diebstahl. Er will sich am zweiten Prozesstag zu den Fälschungen äußern. Der Anwalt: „Da gibt es nicht viel zu bestreiten.“



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